Nostri consocii (Google, Affilinet) crustulis memorialibus utuntur. Concedis, si legere pergis.
 
 
 
top

SEXTUS AURELIUS VICTOR

LIBER DE CAESARIBUS

Teil III: Cap.21-30

 
vorherige Seite folgende Seite

Cap.: 1-10 | 11-20 | 21-30 | 31-42

AURELIUS VICTOR

LIBER DE CAESARIBUS

AURELIUS VICTOR

KAISERGESCHICHTE

21. Antoninus Caracalla (211-217)

Antoninus Caracalla (211-217)
Kopenhagen, Glyp.
1 Ceterum Antoninus in cognita munerum specie plebem Romanam adficiens, quod indumenta in talos demissa largiretur, Caracalla dictus, cum pari modo vesti Antoninianas nomen e suo daret. 2 Alamannos, gentem populosam ex equo mirifice pugnantem, prope Moenum amnem devicit. Patiens communis tranquillusque; pari fortuna et eodem matrimonio, quo pater. 3 Namque Iuliam novercam, cuius facinora supra memoravi, forma captus coniugem affectavit, cum illa factiosior aspectui adolescentis, praesentiae quasi ignara, semet dedisset intecto corpore, asserentique: "Vellem, si liceret, uti", petulantius multo (quippe quae pudorem velamento exuerat) respondisset: "Libet? plane licet". 4 Aegypti sacra per eum deportata Romam atque aucta urbs magno accessu viae novae et ad lavandum absoluta opera pulchri cultus. 5 Quibus confectis, cum Syriam circumgrederetur, apud Edessam anno potentiae sexto moritur. 6 Corporis reliqua luctu publico relata Romam atque inter Antoninos funerata sunt.
Lucius
Antoninus Caracalla (211-217)
Antoninus gewann die Römer durch ein bisher ungewöhnliches Geschenk, nämlich durch eine herunter bis an die Knöcheln gehende Kleidung, wovon er den Namen Caracalla bekam, so wie hinwiederum diese Kleidung von ihm die antoninische heißt. Dieser Kaiser besiegte am Main die Alamannen, ein zahlreiches Volk, bewunderungswürdig im Reiterkampf. Caracalla war nachsichtig, herablassend und von gesetztem Wesen. In seinen Unternehmungen war er nicht weniger glücklich als sein Vater, dessen Gemahlin – Caracallas Stiefmutter, die oben nicht auf das rühmliste erwähnte Julia – auch die seinige war. Ihre Schönheit hatte seine Liebe erweckt und ihn bewogen, sich um ihre Hand zu bewerben. Einst hatte sich das kokette Weib, sich stellend, als ob sie um die Anwesenheit des jungen Kaisers nicht wüsste, entkleidet und seinen Blicken bloßgestellt. Dürfte ich, rief Caracalla aus, so wünschte ich, dass du die meinige wärst! Da entgegnete die noch Schamlosere, die zugleich mit dem Gewand die Schamhaftigkeit abgelegt hatte: Hast du Lust? Allerdings darfst du. Caracalla führte den ägyptischen Gottesdienst in Rom ein, erweiterte den Umfang dieser Stadt beträchtlich durch den Bau der "Neuen Straße" und verschönerte sie durch die Anlage prächtiger Bäder. Nach Vollendung dieser Werke besuchte Caracalla Syrien, wo er im sechsten Jahr seiner Regierung den Tod fand. Seine irdischen Reste wurden unter allgemeiner Trauer nach Rom gebracht und in der Gruft der Antoninen beigesetzt.

22. Opilius Macrinus (217 - 218) und Diadumenus

1 Dehinc Opilius Macrinus, qui praefecturam praetorio gerebat, imperator eiusdemque filius Diadumenus nomine Caesar a legionibus appellantur. 2 Quibus eo quod ingens amissi principis desiderium erat, adolescentem Antoninum vocavere. 3 Horum nihil praeter saevos atque inciviles animos interim reperimus. 4 Qua gratia mensibus ferme quattuor ac decem vix retento imperio, per quos creati fuerant, interfecti sunt.
Macrinus (Denar)
(217-218)
Nach Caracallas Tod wurde der bisherige Oberst der Leibwache, Opilius Macrinus, zum Imperator und sein noch junger Sohn Diadumenus zum Caesar von den Legionen ausgerufen. Ihre große Sehnsucht nach dem verstorbenen Kaiser übertrug auf den letzteren den Namen Antoninus. Indessen ist uns von diesen beiden Fürsten nichts bekannt, als dass sie einen grausamen, unfreundlichen Charakter hatten. Sie wurden deshalb nach einem kaum vierzehn monatlichen Besitz der Obergewalt von eben denjenigen getötet, die sie auf den Thron erhoben hatten.

 

23. Marcus Aurelius Antoninus Heliogabalus (218-222)

Elagabal
(Kopenhagen, Glyp.) (218-222)
1 Accitusque Marcus Antoninus Bassiano genitus, qui patre mortuo in solis sacerdotium, quem Heliogabalum Syri vocant, tamquam asylum insidiarum metu confugerat, hincque Heliogabalus dictus; translatoque Romam dei simulacro in palatii penetralibus altaria constituit. 2 Hoc impurius ne improbae quidem aut petulantes mulieres fuere: quippe orbe toto obscoenissimos perquirebat visendis tractandisve artibus †libidinum ferendarum. 3 Haec cum augerentur in dies ac magis magisque Alexandri, quem comperta Opilii nece Caesarem nobilitas nuncupaverat, amor cumularetur, in castris praetoriis tricesimo regni mense oppressus est.
Elagabal
(Kapitol.Mus.Rom)
(218-222)
Nach ihnen wurde des Bassianus Sohn, Marcus Antoninus, auf den Thron gerufen, der nach dem Tod seines Vaters in einer Priesterstelle des Sonnengottes, von den Syrern Heliogabalus genannt, wie in einem Asyl Schutz gegen Verfolgung gesucht und daher auch den Namen Heliogabalus bekommen hatte. Er brachte deshalb auch das Bild des Gottes nach Rom und ließ es in den inneren Gemächern des Palastes aufstellen. Diesen Fürsten vermochten nicht einmal die schamlosesten und frechsten Dirnen an grober Unsittlichkeit zu überbieten: ließ er doch die unzüchtigsten Menschen, um sich an dem Beschauen und Betasten ihrer Glieder zu weiden, aller Orten zusammensuchen! Während diese Gräuel von Tag zu Tag überhand nahmen, stieg Alexander, den der Senat auf die Kunde von des Opilius Tod zum Caesar ernannt hatte, immer mehr in der allgemeinen Liebe, und Heliogabalus wurde im 30. Monat seiner Regierung im Lager der Leibwache ermordet.

24. Aurelius Alexander Severus (222-235)

Alexander Severus
(222-235)
(Kaehl.195)
1 Statimque Aurelio Alexandro Syriae orto, cui duplex Caesarea et Arce nomen est, militibus quoque annitentibus Augusti potentia delata. 2 Qui quamquam adolescens, ingenio supra aevum tamen confestim apparatu magno bellum adversum Xerxem, Persarum regem, movet; quo fuso fugatoque in Galliam maturrime contendit, quae Germanorum direptionibus tentabatur. 3 Ibi tumultuantes legionum plerasque constantissime abiecit; quod in praesens gloriae, mox exitio datum est. 4 Nam cum tantae severitatis vim milites inhorrescunt (unde etiam Severi cognomentum accesserat), agentem casu cum paucis vico Britanniae, cui vocabulum Sicilia, trucidavere. 5 Opus urbi florentissimum celebrio fabricatus est, matrisque cultu, quae nomine Mammaea erat, plus quam pius. 6 Adhuc Domitium Ulpianum, quem Heliogabalus praetorianis praefecerat, eodem honore retinens Paulloque inter exordia patriae reddito, iuris auctoribus, quantus erga optimos atque aequi studio esset, edocuit. 7 Neque ultra annos tredecim imperio functus rempublicam reliquit firmatam undique. 8 Quae iam tum a Romulo ad Septimium certatim evolans Bassiani consiliis tamquam in summo constitit. 9 Quo ne confestim laberetur, Alexandri fuit. Abhinc dum dominandi suis quam subigendi externos cupientiores sunt atque inter se armantur magis, Romanum statum quasi abrupto praecipitavere, immissique in imperium promiscue boni malique, nobiles atque ignobiles, ac barbariae multi. 10 Quippe ubi passim confusaque omnia neque suo feruntur modo, quique fas putant, uti per turbam, rapere aliena officia, quae regere nequeunt, et scientiam bonarum artium foede corrumpunt. 11 Ita fortunae vis licentiam nacta perniciosa libidine mortales agit; quae diu quidem virtute uti muro prohibita, postcquam paene omnes flagitiis subacti sunt, etiam infimis genere institutoque publica permisit.
Alexander Severus (As)
(222-235)
Schreibe das wurde die Würde eines Augustus, auch mit Zustimmung des Heeres, sogleich im Aurelius Alexander, einem geborenen Syrer aus der Stadt Cäsarea oder Arca übertragen. Obwohl dieser Kaiser noch im Jünglingsalter stand, besaß er doch einen weit über seine Jahre gehenden Verstand. Er hatte kaum den Thron bestiegen, als er nach großer Zurüstung gegen den Perser König Xerxes zu Felde zog, diesen vollständig schlug und sodann nach Gallien eilte, das von den Germanen mit Plünderung bedroht wurde. Hier dankte er mehrere aufrührerische Legionen mit der größten Entschlossenheit ab, ein Verfahren, das ihm für den Augenblick Ruhm, in der Folge den Tod brachte. Denn während die Soldaten von Schrecken über eine solche Strenge – sie hatte ihm auch den Namen Severus gegeben – ergriffen waren, ermordeten sie ihn in dem Dorf Sicila in Britannien, wo er sich gerade mit einer wenig zahlreichen Begleitung aufhielt. Alexander führt zu Rom ein höchst ansehnliches und prachtvolles Gebäude auf. Seiner Mutter Mammäa erwies er eine mehr als kindliche Verehrung. Einen ausgezeichneten Beweis von seiner warmen Freundschaft für rechtschaffene Männer und von seiner Gerechtigkeitsliebe legte Alexander gegen die beiden Rechtsgelehrten Domitius Ulpianus und Paullus ab, von denen er den einen, den Heliogabalus zum Obersten der Leibwache ernannt hatte, im Besitz seiner Würde ließ, den anderen aber gleich beim Antritt seiner Regierung dem Vaterland zurückgab. Alexander hatte zwar nur dreizehn Jahre regiert, allein er hinterließ das Römische Reich auf allen Seiten gesichert und befestigt. Dieser Staat, von Romulus an bis auf Septimius wie in reißendem Flug sich emporschwingend, hatte durch die Maßregeln des Bassianus sozusagen seinen Höhepunkt erreicht, und dass er nicht alsbald von diesem herabsank, dies Verdienst gebührt dem Alexander. Aber von diesem Zeitpunkt an haben die Machthaber, während sie despotische Herrschaft über ihre eigenen Untertanen Eroberungen in fremden Ländern vorzogen und die Waffen gegeneinander selbst kehrten, den römischen Staat gleichsam in den Abgrund hinabgestürzt: zum Thron hin drängten sich Gute und Schlechte, Edle und Unedle, nicht selten sogar Barbaren. Freilich wo alle Elemente sich unter- und durcheinander treiben ohne eine eigene geregelte Schwerkraft, wo jeder glaubt, wie in einer allgemeinen Verwirrung fremde Ämter, denen man nicht vorzustehen weiß und die man aus Mangel an Geschicklichkeit auf das schändlichste verunstaltet, an sich reißen zu dürfen, da gewinnt die Macht des Schicksals freien Spielraum und die verderbliche Gewalt des Lasters bemächtigt sich des Menschen. Zwar bildet die Tugend längerer Zeit gleichsam einen Damm dagegen: haben sich aber fast alle seiner Herrschaft gebeugt, so übergibt des das Zepter Menschen, deren Geburt und Bildung gleich gering sind.

25. Gaius Iulius Maximinus Thrax (235-238)

Maximinus Thrax
(Kaehl.1238)
(235-238)
1 Namque Gaius Iulius Maximinus, praesidens Trebellicae, primus e militaribus, litterarum fere rudis potentiam cepit suffragiis legionum. 2 Quod tamen etiam patres, dum periculosum existimant inermes armato resistere, approbaverunt; filiusque eius pari nomine Gaius Iulius Maximinus Caesar factus est.
Maximinus Thrax (Bronze)
(235-238)
Denn Gaius Iulius Maximinus, der Vorsteher des Kriegswesens, war der erste, der aus dem Soldatenstand, fast ohne alle wissenschaftliche Bildung, durch die Stimme der Legionen auf den Thron gerufen wurde, eine Wahl, der der Senat seine Bestätigung nicht zu verweigern wagte, da der Widerstand ohne den Besitz einer bewaffneten Macht gegen einen Kaiser an der Spitze eines Heeres nicht geraten schien. Maximinus gleichnamiger Sohn erhielt die Würde eines Caesars.

26. Gordianus, Pupienus und Balbinus

1 Quis biennium summae potitis, haud incommode proelio gesto contra Germanos, repente Antonius Gordianus Africae proconsul ab exercitu princeps apud Thydri oppidum absens fit. 2 Quo ut accitus pervenit, tamquam ea re creatus foret, seditione excipitur; qua lenita facile Carthaginem petit. 3 Ibi cum avertendis prodigiis, quorum metu haud inaniter angebatur, rem divinam solitis ageret, repente hostia partum edidit. 4 Id haruspices atque ipse maxime (nam huius scientiae usu immodice prudens erat) ita accepere illum quidem destinatum neci, verum liberis pariturum imperium; progressique coniectu longius liberi quoque exitum denuntiavere, mitem atque innoxium praefantes fore ut illud pecus, nec diuturnum tamen subiectumque insidiis. 5 Interim Romae comperto Gordiani interitu hortante Domitio urbi praefectus reliquique iudices vulgo caeduntur per praetorias cohortes. 6 Quippe Gordianus, postquam delatum sibi imperium cognovit, praemia amplum in modum ostentans Romam legatos ac litteras destinaverat; quibus necato eo frustratos se milites angebantur, genus hominum pecuniae cupidius fidumque ac bonum solo quaestu. 7 At senatus metuens, ne nullis rectoribus specie captae urbis atrociora acciderent, primo potestatum vices, mox conscriptis iunioribus Clodium Pupienum Caecilium Balbinum Caesares constituit.

Beide Maximine hatten zwei Jahre auf dem Thron gesessen und nicht ohne Glück gegen die Germanen gekämpft, als unvermutet der Prokonsul von Afrika, Antoninus Gordianus, in seiner Abwesenheit in der Stadt Thydrus von dem Heer zum Kaiser ausgerufen wurde. Als sich Gordianus der Einladung zufolge in dieser Stadt einfand, empfing ihn, wie wenn er deshalb erwählt worden wäre, ein Aufstand der Soldaten, der indessen leicht gedämpft wurde, worauf er sich nach Karthago begab. Während er dort zu Abwendung der bösen Vorzeichen, die ihn nicht ohne Grund beunruhigten, mit den gewöhnlichen Gebräuchen das Opfer vollzog, brachte unerwartet das Opfertier ein Junges zur Welt. Die Zeichendeuter, besonders aber Gordianus selbst, der mehr als gewöhnliche Kenntnisse in dieser Wissenschaft besaß, sahen in diesem Umstand eine Vorbedeutung, dass auch Gordianus das Opfer eines gewaltsamen Todes werden, aber die Herrschaft auf seine Kinder vererben würde: allein sie blieben hier nicht stehen, sondern prophezeiten auch den Tod seines Sohnes, der zwar einen gutmütigen, unschuldigen Charakter gleich jenem Tier haben, aber nach nur kurzem Thronbesitz ein durch Nachstellungen herbeigeführtes Ende nehmen würde. Mittlerweile wurden zu Rom, als die Nachricht von Gordianus' Tod dort bekannt wurde, auf Betreiben des Domitius der Stadtpräfekt und die anderen Angeber von den prätorischen Kohorten ohne Unterschied niedergehauen. Gordianus hatte nämlich, wie er sich mit dem Du Burg begleitet Saar, gestern mit Verheißungen verschwenderischer Belohnungen und mit schriftlichen Aufträge nach Rom geschickt. Als sich nun die Soldaten durch den Tod des Gordianus in ihrer Erwartung getäuscht fanden, ergriff diese habsüchtige, nur gegen Bezahlung treue und ergebene Menschenklasse der heftigste Unmut. Der Senat befürchtete, es möchten sich aus Mangel an einer Oberleitung Gräuel ereignen, wie sie eine im Sturm eroberte Stadt darbietet, und ernannte daher zuerst eine abwechselnde Oberregierung, der er bald darauf nach Bewaffnung der kampffähigen Bürger den Clodius Pupienus und den Caecilius Balbinus als Kaiser folgen ließ.

27. Der jüngere Gordianus

1 Iisdemque per Africam diebus milites Gordianum, Gordiani filium, qui forte contubemio patris praetextatus ac deinceps praefectus praetorio intererat, Augustum creavere; neque sane factum nobilitas aspernata. 2 Denique accito eo inter implana urbis atque ipso sinu praetoriae manus acie deletae per gladiatorum familias tironumque exercitum. 3 Dum haec Romae geruntur, Iulii Maximini, quos forte ea tempestate Thracia retinebat, acceptis quae evenerant, Italiam propere petunt. 4 Eos Pupienus Aquileiae obsidione confecit, postquam proelio victos reliqui paulatim deseruerant. 5 Horum imperio ad biennium per huinscemodi moras annus quaesitus. 6 Neque multo post tumultu militarium Clodio Caecilioque Romae intra Palatium caesis Gordianus solus regnum obtinuit. 7 Eoque anno lustri certamine, quod Nero Romam induxerat, aucto firmatoque in Persas profectus est, cum prius Iani aedes, quas Marcus clauserat, patentes more veterum fecisset. 8 Ibi gesto insigniter bello Marci Philippi praefecti praetorio insidiis periit sexennio imperii. Zu derselben Zeit wählte das in Afrika stehende Heer Gordianus' gleichnamigen Sohn, der als Jüngling unter der Aufsicht seines Vaters und sodann als Oberster der Leibwache sich bei ihm befunden hatte, zum Augustus, eine Wahl, der der Senat seine Bestätigung gern erteilte. Nach seiner Ankunft in Rom wurden die prätorischen Kohorten zwischen den Höhen der Stadt, ja selbst in ihrer Mitte von den Fechterrotten und den den jüngeren Truppen in förmlicher Schlacht vertilgt. Während dieser Vorfälle in Rom eilten die beiden Iulius Maximinus, die gerade damals in Thrakien beschäftigt waren, sobald sie Kunde von den dortigen Ereignissen erhalten hatten, nach Italien. Sie verloren dort eine Schlacht, wurden von den Überresten ihres Heeres nach und nach verlassen und bei Aquileias Belagerung von Pupienus getötet, nachdem ihre eigentlich nur zweijährige Regierung noch einen Zuwachs von einem Jahr durch die erwähnten ihren Untergang verzögernden Begebenheiten erhalten hatte. Kurze Zeit nachher wurden auch Clodius und Caecilius bei einem Aufstand der Soldaten im Palast zu Rom ermordet und Gordianus war nun alleiniger Besitzer des Throns. Dieser bestätigte nicht nur die von Nero eingeführten fünfjährigen Festspiele, sondern verlieh ihnen auch neuen Glanz und zog sodann gegen die Perser, nachdem er noch zuvor den Tempel des Janus, der von Marcus geschlossen worden war, nach alter Sitte geöffnet hatte. Gordianus führte diesen Krieg mit großem Glück, fand aber im sechsten Jahr seiner Regierung den Tod durch die Hinterlist des Befehlshabers der Leibwache, Marcus Philippus.

28. Philippus Vater und Philippus Sohn

1 Igitur Marcus Iulius Philippus Arabs Thraconites, snœpto in consortium Philippe filio, rebus ad Orientem compositis conditoque apud Arabiam Philippopoli oppido Romam venere; exstructoque trans Tiberim lacu, quod eam partem aquae penuria fatigabat, annum urbis millesimum ludis omnium generum celebrant. 2 Et quoniam nomen admonuit, mea quoque aetate post mille centesimus consule Philippo excessit nullis, ut solet, sollemnibus frequentatus: adeo in dies cura minima Romanae urbis. 3 Quod equidem denuntiatum ferunt illo tempore prodigiis portentisque; ex quis unum memorare brevi libet. 4 Nam cum pontificum lege hostiae mactarentur, suis utero maris feminarum genitalia apparuere. 5 Id haruspices solutionem posterorum portendere vitiaque fore potiora interpretati. 6 Quod frustratum iri aestimans imperator Philippus, tum quia forte praeteriens filii similem pro meritorio ephebum conspexerat, usum virilis scorti removendum honestissime consultavit. 7 Verumtamen manet: quippe condicione loci mutata peioribus flagitiis agitatur, dum avidius periculosa quibusque prohibentur mortales petunt. 8 Huc accedit, quod longe aliud Etruscorum artes cecinerant, quae bonis parte plurima iacentibus mollissimum quemque beatum fore asserebant. Eos ego ignorasse verum plane puto. 9 Etenim quamvis rerum omnium prospere successu, pudore amisso tamen fortunatus esse quis potest, cum eodem retento cetera tolerabilia sint. 10 His actis filio urbi relicto ipse quamquam debili per aetatem corpore adversum Decium profectus Veronae cadit pulso amissoque exercitu. 11 Quis Romae compertis apud castra praetoria filius interficitur. Annos potentiae quinque egere.

Marcus Iulius Philippus aus der Landschaft Thraconitis in Arabien nahm seinen gleichnamigen Sohn zum Reichsgehilfin an, und beide Kaiser begaben sich, nachdem sie die Angelegenheiten des Orients in Ordnung gebracht und die Stadt Philippopolis in Arabien gegründet hatten, nach Rom, wo sie in dem Stadtteil jenseits des Tibers, der Mangel an Wasser litt, einen Wasserbehälter anlegten und das tausen einhunderste Jahr Roms mit Spielen aller Art feierten. Der Name Philippus erinnert mich, dass auch zu unserer Zeit das tausen einhundertste Jahr Roms in das Konsulat eines Philippus gefallen ist, aber ohne dass die gewöhnlichen Feierlichkeiten es verherrlicht hätten: so sehr verliert sich immer mehr jegliche Rücksicht für die Stadt Rom. Indessen hatten Vorzeichen und Wundererscheinungen, wovon ich nur eine mit wenigen Worten anführen will, schon damals darauf hingedeutet. Als nämlich die Opfertiere nach den Vorschriften der Oberpriester geschlachtet wurden, fand man an einem Schwein männlichen Geschlechts weibliche Geburtsteile, eine Erscheinung, in der die Zeichendeuter die Vorläuferin des sittlichen Verderbens der künftigen Geschlechter und der siegenden Herrschaft des Lasters erblickten. Einesteils die Hoffnung, die Erfüllung dieses Ausspruches vereiteln zu können, andernteils der Umstand, dass er einst im Vorübergehen einen Lustknaben, der seinem Sohn höchst ähnlich war, gesehen hatte, bewogen Philippus zu der von der Sittlichkeit so dringend geforderten Maßregel, dieses unnatürliche Laster zu verbieten: allein es herrscht dennoch fort und, sind auch die Orte zu seiner Ausübung nicht mehr dieselben, so wird es unter noch größeren Gräuel begangen, da die Menschennatur nach verbotenen und mit Gefahr verbundenen Genüssen nur umso heftiger verlangt. Dazu kommt noch ein Ausspruch der etruskischen Weisheit, der etwas ganz anderes enthielt, nämlich der Sinnlichste werde der Glückseligste sein, während Verachtung die meisten würdigen Männer treffe. Allein dieser Ausspruch zeugt meiner Ansicht nach von völliger Unkenntnis der Wahrheit. Denn wie kann bei dem noch von Glückseligkeit die Rede sein, der seine Unschuld verloren hat, mag ihn auch sonst das Glück mit allen seinen Gaben überhäuft haben, während im Gegenteil da, wo sich die Unschuld unbefleckt erhalten hat, alles andere erträglich ist? Nach dem die beiden Philippe das oben erzählte vollbracht hatten, zog der ältere, obwohl altersschwach, gegen Decius zu Felde, wurde bei Verona von diesem geschlagen, verlor sein Heer und fiel. Der Sohn, der in Rom zurückgeblieben war, fand, sobald dieser Vorfall in Rom bekannt wurde, seinen Tod im Lager der Leibwache. Beide hatten fünf Jahre geherrscht.

29. Decius

1 At Decius, Sirmiensium vico ortus, militiae gradu ad imperium conspiraverat, laetiorque hostium nece filium Etruscum nomine Caesarem facit; statimque eo in Illyrios praemisso Romae aliquantum moratur moenium gratia, quae instituit, dedicandorum. 2 Et interea ad eum Iotapiani, qui Alexandri tumens stirpe per Syriam tentans nova militum arbitrio occubuerat, ora, uti mos est, inopinato deferuntur, simulque per eos dies Lucio Prisco, qui Macedonas praesidatu regebat, delata dominatio, Gothorum concursu, postquam direptis Thraciae plerisque illo pervenerant. 3 Qua causa Decio quam potuit maturrime Roma digresso Iulius Valens cupientissimo vulgo imperium capit. Verum utrique mox caesi, cum Priscum nobilitas hostem patriae censuisset. 4 Decii barbares trans Danubium persectantes Bruti fraude cecidere exacto regni biennio. 5 Sed Deciorum mortem plerique illustrem ferunt; namque filium audacius congredientem cecidisse in acie; patrem autem, cum perculsi milites ad solandum imperatorem multa praefarentur, strenue dixisse detrimentum unius militis parum videri sibi. Ita refecto bello, cum impigre decertaret, interisse pari modo. Decius, geboren in einem Dorf unweit Sirmium, schwang sich durch alle militärischen Grade bis zu der Höhe des Thrones empor. Voll Freude über den Tod seiner Gegner ernannte er seinen Sohn Etruscus zum Caesar und schickte ihn alsbald nach Illyricum voran, während er selbst noch in Rom verweilte, um die von ihm neu errichteten Mauern einzuweihen. Mittlerweile wurde ihm ganz unerwartet der Kopf des Iotapianus, der im Stolz auf seine Abstammung von Alexander in Syrien Neuerungen versuchte, aber durch die Hand seiner Soldaten den Tod gefunden hatte, nach gewöhnlicher Sitte zugeschickt: allein zur gleicher Zeit nahm Lucius Priscus, der Statthalter von Makedonien, unter dem Schutz der Gothen, die nach der Verheerung eines beträchtlichen Teils von Thrakien in jenes Land eingedrungen waren, den Purpur. Decius reiste deshalb auf das schleunigste von Rom ab, wo sogleich Iulius Valens unter großem Beifall des Volkes sich zum Kaiser aufwarf, aber bald darauf, wie auch Priscus, den der Senat zum Feind des Vaterlandes erklärt hatte, eines gewaltsamen Todes starb. Die Decier verfolgten die Barbaren über die Donau und fielen nach zweijähriger Herrschaft durch den Verrat des Brutus. Indessen die meisten Geschichtsschreiber verherrlichen ihren Tod. Der jüngere, so lautet ihre Erzählung, habe sich zu kühn in das Kampfgetümmel gewagt und sei gefallen; der Vater aber habe, als ihn die darüber bestürzten Soldaten mit vielen Worten zu trösten Zug und, mit großer Standhaftigkeit entgegnet, der Tod eines einzigen Kriegers scheine ihm ein geringer Verlust, sodann habe er die Schlacht erneuert und sei in heldenmütigem Kampf gleich seinem Sohn gefallen.

30. Gallus und Hostilianus

1 Haec ubi patres comperere, Gallo Hostilianoque Augusta imperia, Volusianum Gallo editum Caesarem decernunt. 2 Dein pestilentia oritur; qua atrocius saeviente Hostilianus interiit, Gallo Volusianoque favor quaesitus, quod anxie studioseque tenuissimi cuiusque exsequias curarent. Als der Senat den Tod des Decius erfuhr, übertrug er dem Gallus und Hostilianus die Würde eines Augustus, dem Volusianus, des Gallus Sohn, die eines Caesars. Nicht lange nach ihrer Erhebung brach eine Pest aus, deren heftiger Wut Hostilianus erlag. Gallus und Volusianus machten sich dadurch beim Volk sehr beliebt, dass sie sich der Beerdigung auch der Niedrigsten mit dem sorgsameifen Eifer annahmen.
   
Übersetzung: nach A.Cloß bearbeitet v. E.Gottwein  
vorherige Seite folgende Seite
Aufgabenvorschläge:
 
Sententiae excerptae:
w40
Literatur:

18 Funde
1266  Aurelius Victor / Pichlmayr, F. / Gründel, R.
Sexti Aurelii Victoris Liber de Caesaribus, praecedunt De origine gentis Romanae et De viris illustribus, subsequitur Epitome de Caesaribus
Leipzig 2/1970
abe  |  zvab  |  look
1267  Aurelius Victor / Sepp, B.
Incerti auctoris liber de origine gentis Romanae
München 1879
abe  |  zvab  |  look
1292  Aurelius Victor / Cloß
Sextus Aurelius Victor, übersetzt von August Cloß
Stuttgart (Metzler) 1838
abe  |  zvab  |  look
1265  Aurelius Victor / Forbiger
übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von A. Forbiger
Stuttgart (Krais & Hoffmann) 1866
abe  |  zvab  |  look
4107  Aurelius Victor / Michel Festy
Pseudo-Aurelius Victor: Abrégé des Césars. Texte etabli, traduit et commenté par Michel Festy
Paris (Les belles Lettres) 1999
abe  |  zvab  |  look
1263  Aurelius Victor / Sehlmeyer, M.
Origo gentis Romanae / Die Ursprünge des römischen Volkes
Darmstadt (WBG) 2004
abe  |  zvab  |  look
1294  Bird, H.W.
An Historical Commentary on Sextus Aurelius Victor's Liber de Caesaribus 18 to 42
Diss. Toronto 1972
abe  |  zvab  |  look
1295  Bird, H.W.
Sextus Aurelius Victor. A Historiographical Study
Liverpool 1984
abe  |  zvab  |  look
1296  Cohn, A.
Quibus ex fontibus Sexti Aurelii Victoris et Libri de Caesaribus et Epitomes undecima capita priora fluxerint
Diss. Berlin 1884
abe  |  zvab  |  look
1297  Damsté, P.H.
Ad Sextum Aurelium Victorem
in: Mnemos.45/1917, 367-382
abe  |  zvab  |  look
2570  Eutropius / Hoffmann
Eutropius, Abriss der Römischen Geschichte übersetzt von Friedrich Hoffmann
Stuttgart (Metzler) 1829
abe  |  zvab  |  look
1298  Hohl, E.
Über den Ursprung der Historia Augusta
in: Herm. 55/1920, 296-310
abe  |  zvab  |  look
1299  Hohl, E.
Die Historia Augusta und die Caesares des Aurelius Victor
in: Historia 4/1955, 220-228
abe  |  zvab  |  look
1301  Mommsen, Th.
Zu den Caesares des Aurelius Victor
in: Sb.Berlin 2(1884), 951-955
abe  |  zvab  |  look
1302  Nixon, Ch.E.V.
An Historigraphical Study of the Caesares of Sextus Aurelius Victor
Diss. Michigan 1971
abe  |  zvab  |  look
1303  Noble, A.N.
Indices verborum omnium quae in Sexti Aurelii Victoris libro de Caesaribus et incerti auctoris epitome de Caesaribus reperiuntur
Diss. Ohio State Univ. 1938
abe  |  zvab  |  look
1304  Opitz, Th.
Sallustius und Aurelius Victor
in: Jhrb.f.class.Philol. 127/1883, 217-222
abe  |  zvab  |  look
1305  Schmidt, P.L.
Victor 69 (Sextus Aurelius Victor)
in: RE Suppl.15, 1583-1676 (Stuttgart 1978)
abe  |  zvab  |  look
[ Homepage | Hellas 2000 | Stilistik | Latein | Latein. Lektüre | Lateinisches Wörterbuch | Lateinischer Sprachkurs | Lateinische Grammatik | Lat.Textstellen | Römische Geschichte | Griechisch | Griech. Lektüre | Griechisches Wörterbuch | Griechischer Sprachkurs | Griechische Grammatik | Griech.Textstellen | Griechische Geschichte | LandkartenBeta-Converter | Varia | Mythologie | Bibliographie | Ethik | Links | Literaturabfrage | Forum zur Homepage ]
Site-Suche:
Benutzerdefinierte Suche
bottom
- /Lat/AurVict/victCaes21.php - Letzte Aktualisierung: 04.09.2015 - 18:31