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SEXTUS AURELIUS VICTOR

EPITOME DE CAESARIBUS

Teil I: Cap.1-10

 
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INCERTI AUCTORIS

EPITOME DE CAESARIBUS

11-20

UNBEKANNTER AUTOR

AUSZUG AUS DER KAISERGESCHICHTE

11-20

(11) 1 Domitianus, Vespasiani et Domitillae libertae filius, germanus Titi, imperavit annos quindecim. 2 Iste primo clementiam simulans neque adeo iners domi belloque tolerantior videbatur; idcircoque Cattos Germanosque devicit. 3 Ius aequissime dixit. Romae multa aedificia vel coepta vel a fundamentis construxit. 4 Bibliothecas incendio consumptas petitis undique, praesertim Alexandria, exemplis reparavit. 5 Sagittarum tam doctus fuit, ut inter patentes digitos extentae manus viri procul positi spicula transvolarent.

XI. (1) Domitianus, ein Sohn des Vespasianus und der Freigelassenen Domitilla, des Titus leibliche Bruder, regierte 15 Jahre. (2) In den Anfängen seiner Regierung wusste er sich den Schein der Milde zu geben; auch glaubte man, an ihm eine gewisse Tätigkeit in den Staatsgeschäften, sowie eine ziemliche Ausdauer im Krieg, die ihm einen Sieg über die Catten und Germanen verschaffte, zu bemerken. (3) Bei der Rechtspflege befolgte er die Grundsätze der Gerechtigkeit. In Rom ließ er teils viele bereits angefangen Gebäude vollenden, teils neue aufführen. (4) Die Bibliotheken, die ein Raub der Flammen geworden waren, stellte Domitianus wieder her, indem er überallher, besonders aus Alexandria, Abschriften kommen ließ. (5) Dieser Kaiser war ein so geschickter Bogenschütze, dass er seine Pfeile zwischen den ausgestreckten Fingern eines in weiter Entfernung stehenden Menschen durchschießen konnte.
6 Dehinc atrox caedibus bonorum supplicia agere coepit ac more C. Caligulae dominum sese deumque dici coegit; segnisque ridicule remotis omnibus muscarum agmina persequebatur. 7 Furens libidine, cuius foedum exercitium Graecorum lingua κλινοπάλην vocabat. 8 Hinc percontanti cuidam, quisquamne in palatio esset, responsum: Ne musca quidem. (6) Allein in der Folgezeit wurde er ein blutgieriger Wüterich, der die trefflichsten Männer hinrichten ließ und den man, wie einst Caligula, Herrn und Gott nennen musste. Seine Langeweile suchte seine Trägheit durch das lächerlichem Mittel zu vertreiben, dass er, wenn er allein war, Schwärme von Fliegen verscheuchte. (7) Der Wollust, deren schnöder Befriedigung er auf Griechisch κλινοπάλη (Bettringkampf) nannte, war er bis zur Raserei ergeben. (8) Daher erhielt denn einst jemand auf die Frage, ob einer im Palast sei, die Antwort: "Nicht einmal eine Fliege".

9 His eius saevitiis ac maxime iniuria verborum, qua se scortum vocari dolebat, accensus Antonius, curans Germaniam superiorem, imperium corripuit. 10 Quo per Norbanum <et> Lappium acie strato Domitianus longe tetrior in omne hominum genus, etiam in suos, ferarum more grassabatur. 11 Igitur metu crudelitatis et conscientiae suae coniuravere plerique impulsoribus Parthenio procurante cubiculum et Stephano et tum ob fraudem interceptae pecuniae supplicium suspectante Clodiano, ascita etiam in consilium tyranni uxore Domitia ob amorem Paridis histrionis a principe cruciatus formidante.

(9) Seine Grausamkeiten und noch mehr eine beschimpfende Kränkung - Domitianus hatte ihn nämlich eine Hure geheißen - bewogen den Antonius, den Statthalter von Obergermanien, sich für unabhängig zu erklären. (10) Nachdem dieser dem Norbanus und Lappius in einer Schlacht erlegen war, stieg Domitians Grausamkeit immer mehr, und er wütete, gleich einem wilden Tier, gegen das ganze Menschengeschlecht, sogar gegen seine nächste Umgebung. (11) Aus Furcht vor seiner Grausamkeit und im Bewusstsein eigener Schuld verschworen sich mehrere gegen ihn, an deren Spitze sein Kammerherr Parthenius stand, sowie Stephanus und Clodianus, von denen der letztere wegen Geldunterschlagung die Todesstrafe zu fürchten hatte, standen. Auch wurde die eigene Gemahlin des Tyrannen, Domitia, die wegen eines Liebesverhältnisses mit dem Schauspieler Paris einen grausamen Tod befürchten musste, in den Plan eingeweiht.

12 Domitianum multis vulneribus confodiunt post annum quintum et quadragesimum vitae. 13 At senatus gladiatoris more funus efferri radendumque nomen decrevit. 14 Huius tempore saeculares ludi celebrati sunt.

(12) So wurde Domitianus im 46. Jahr seines Lebens mit vielen Wunden ermordet. (13) Der Senat beschloss, ihn gleich einem Gladiator hinausschleppen und seinen Namen von allen Denkmälern tilgen zu lassen. (14) Unter der Regierung dieses Kaisers waren die Säkularspiele abgehalten worden.
15 Hactenus Romae seu per Italiam orti imperium rexere, hinc advenae. Unde compertum est urbem Romam externorum virtute crevisse. Quid enim Nerva prudentius aut moderatius? quid Traiano divinius? quid praestantius Hadriano? (15) Bis auf Domitianus waren die Regenten des Staates geborene Römer oder stammten doch aus Italien; von ihm an sind es Fremde. Dadurch wurde es einleuchtend, dass die Stadt Rom ihre Größe vorzüglich dem Verdienst der Ausländer zu verdanken hat. Denn wer dürfte dem Nerva an Klugheit oder Mäßigung, wer dem Traianus an Vollkommenheit, wer dem Hadrian in Bezug auf Trefflichkeit den Vorrang streitig machen?
(12) 1 Cocceius Nerva, oppido Narniensi genitus, imperavit menses sedecim dies decem. 2 Iste cum imperium suscepisset, mox rumore orto vivere atque affore Domitianum perinde trepidavit, ut colore mutato verbis amissis vix consisteret. Sed a Parthenio confirmatus recepta fiducia ad sollemne delenimentum conversus est. 3 Qui cum in curiam a senatu gratanter exceptus esset, solus ex omnibus Arrius Antoninus, vir acer eique amicissimus, condicionem imperantium prudenter exprimens, amplexus eum, gratulari se ait senatui et populo provinciisque, ipsi autem nequaquam, cui satius fuerat malos semper principes eludere quam tanti oneris vim sustinentem haud molestiis modo et periculis subici, sed famae etiam inimicorum pariter et amicorum, qui, cum se mereri omnia praesumant, si quicquam non extorserint, atrociores sunt ipsis quoque hostibus.

XII. (1) Cocceius Nerva aus der Stadt Narnia saß ein Jahr, vier Monate und zehn Tage auf dem Thron. (2) Bald nach seinem Regierungsantritt verbreitete sich das Gerücht, Domitianus sei noch am Leben und werde ohne Verzug in Rom erscheinen, worüber Nerva so sehr erschrak, dass er ganz bleich wurde, die Sprache verlor und sich kaum aufrecht halten konnte. Aber weil Parthenius ihn vollkommen über den Tod des Tyrannen vergewisserte, fasste er neues Vertrauen, und seine gewöhnliche Ruhe kehrte zurück. (3) Als er in der Kurie von Seiten des Senats mit Glückwünschen empfangen wurde, war Arrius Antoninus, ein kluger, mit Nerva im freundschaftlichsten Verhältnis stehender Mann, der einzige, der ihn umarmte und in folgende, die Lage eines Regenten mit Einsicht schildernde Worte ausbrach: er wünsche dem Senat, dem Volk und allen Provinzen Glück; keineswegs aber ihm, für den es besser gewesen wäre, immer über schlechte Fürsten zu spotten, als selbst eine so drückende Last auf sich zu nehmen und sich nicht nur Beschwerden und Gefahren, sondern auch den Nachreden von Feinden und Freunden auszusetzen. Freunde aber seien in dem Wahn, aller Vorzüge würdig zu sein, wenn sie etwas nicht erpressen könnten, noch gefährlicher als erklärte Feinde.

4 Iste quicquid antea poenae nomine tributis accesserat, indulsit; afflictas civitates relevavit; puellas puerosque natos parentibus egestosis sumptu publico per Italiae oppida ali iussit. 5 Hic ne accessu malivolorum terreretur, Iunii Maurici, constantis viri, dicto ita admonetur: Qui convivio familiari adhibitus cum Veientonem consulari honore functum quidem apud Domitianum, tamen multos occultis criminationibus persecutum adesse vidisset, inter colloquia mentione Catulli facta, calumniatoris praecipui, dicente Nerva: "Quid nunc faceret, si Domitiano supervixisset?" "Nobiscum", inquit Mauricus, "cenaret". Hic iurgiorum disceptator et scientissimus et frequens fuit. (4) Nerva erließ alle Auflagen, die bisher als Strafe hatten bezahlt werden müssen, unterstützte verunglückte Städte und ließ den Kindern bedürftiger Eltern auf öffentliche Kosten in den Städten Italiens Unterricht erteilen. (5) Vor dem Einfluss schlechter Menschen warnte ihn folgende Antwort des Iunius Mauricus, eines Mannes von festem Charakter. Dieser war einst von Nerva zu einem freundschaftlichen Gastmahl eingeladen worden. Dabei bemerkte er den Veiento, der zwar Konsul unter Domitianus gewesen war, allein manchem durch seine heimlichen Anklagen Verfolgungen zugezogen hatte. Während der Unterhaltung kam die Rede auf den Catullus, einen der Hauptangeber, Nerva warf nun die Frage auf: "Was würde er nun machen, wenn er den Domitianus überlebt hätte?" Da entgegnete Mauricus: "Er würde mit und speisen." Rechtsstreitigkeiten verstand Nerva mit ebenso großer Kenntnis zu entscheiden, als er sich häufig damit abgab.
6 Calpurnium Crassum promissis ingentibus animos militum pertemptantem, detectum confessumque Tarentum cum uxore removit patribus lenitatem eius increpantibus. Cumque interfectores Domitiani ad exitium poscerentur, tantum est consternatus, ut neque vomitum neque impetum ventris valuerit differre; 7 et tamen vehementer obstitit dictitans aequius esse mori quam auctoritatem imperii foedare proditis potentiae sumendae auctoribus. (6) Als Calpurnius Crassus, der die Soldaten durch verschwenderische Versprechungen zu verführen gesucht hatte, entdeckt und überwiesen wurde, verwies er ihm nur zusammen mit seiner Gemahlin nach Tarent, eine gelinde Maßnahme, die der Senat laut tadelte. Als man von ihm mit Ungestüm die Bestrafung der Mörder Domitians forderte, bemächtigte sich Nervas ein solcher Schrecken, dass er von Erbrechen und Durchfall befallen wurde; (7) aber dennoch versagte er mit Festigkeit seine Einwilligung und erklärte, er wolle lieber sterben, als die Würde des Thrones so weit bloßstellen, dass er diejenigen preisgebe, die ihn darauf erhoben hätten.
8 Sed milites neglecto principe requisitos Petronium uno ictu, Parthenium vero demptis prius genitalibus et in os coniectis ingulavere †redempto magnis sumptibus Casperio; qui scelere tam truci insolentior Nervam compulit referre apud populum gratias militibus, quod pessimos nefandosque omnium mortalium peremissent. (8) Indessen achteten die Soldaten den Fürsten nicht, sondern suchten die Mörder Domitians auf und töteten den Petronius mit einem Hieb, den Parthenius aber erst, nachdem sie ihm die Schamteile abgeschnitten und in das Gesicht geschlagen hatten. Casperius wusste sich mit einer großen Summe loszukaufen, wurde aber durch ein solches Verbrechen noch aufgeblasener und bewog den Kaiser, den Soldaten vor dem Volk seinen Dank abzustatten, dass sie die schlechtesten und verworfensten Menschen getötet hätten.
9 Hic Traianum in liberi locum inque partem imperii cooptavit; cum quo tribus vixit mensibus. 10 Qui dum suggerente ira voce quam maxima contra quendam Regulum nomine inclamaret, sudore correptus est. 11 Quo refrigescente horror corporis nimius initia febri praebuit, nec multo post vitam finivit anno aetatis sexagesimo tertio. 12 Cuius corpus a senatu, ut quondam Augusti, honore delatum in sepulcro Augusti sepultum est. Eo die, quo interiit, solis defectio facta est. (9) Nerva nahm den Traianus an Sohnes statt und zum Reichsgehilfen an, lebte aber nur noch drei Monate. (10) Denn als er einst einem gewissen Regulus seinen heftigen Unwillen mit sehr starker Stimme zu erkennen gab, brach ihm der Schweiß aus. (11) Dieser trat zwar zurück, aber die zu starke Erkältung legte den Grund zu einem Fieber und Nerva endete bald darauf sein Leben im dreiundsechzigsten Jahr seines Lebens. (12) Sein Leichnam wurde mit dem selben Gepränge, wie der des Augustus, in dessen Gruft er auch beigesetzt wurde, von dem Senat bestattet. An seinem Todestag war eine Sonnenfinsternis eingetreten.
(13) 1 Ulpius Traianus, ex urbe Tudertina, Ulpius ab avo dictus, Traianus a Traio paterni generis auctore vel de nomine Traiani patris sic appellatus, imperavit annos viginti. 2 Iste talem se rei publicae praebuit, qualem vix aegreque exprimere valuerint summorum scriptorum miranda ingenia. XIII. (1) Ulpius Traianus, gebürtig aus der Stadt Tuder, saß zwanzig Jahre auf dem Thron. Den ersten Namen führte er von seinem Großvater Ulpius, den letzten entweder von dem Ahnherrn seines väterlichen Stammes oder von seinem Vater Traianus. (2) Er hat sich so in den Dienst des Staates gestellt, dass es selbst die vorzüglichsten und besttalentiertesten Schriftsteller kaum und nur mit Mühe angemessen hätten darstellen können.
3 Hic imperium apud Agrippinam, nobilem Galliae coloniam, suscepit, habens diligentiam in re militari, in civilibus lenitatem, in sublevandis civitatibus largitionem. 4 Cumque duo sint, quae ab egregiis principibus exspectentur, sanctitas domi, in armis fortitudo, utrobique prudentia, tantus erat in eo maximarum rerum modus, ut quasi temperamento quodam virtutes miscuisse videretur, nisi quod cibo vinoque paululum deditus erat. 5 Liberalis in amicos et, tamquam vitae condicione par, societatibus perfrui. 6 Hic ob honorem Surae, cuius studio imperium arripuerat, lavacra condidit. (3) Traianus nahm den Purpur zu Agrippina (Köln) an, einer ansehnlichen Kolonialstadt in Gallien. Im Kriegswesen bewies er Sorgfalt, in bürgerlichen Angelegenheiten Milde und bei der Unterstützung von Gemeinden Freigebigkeit. (4) Wenn es überhaupt zwei Anforderungen sind, die an einen trefflichen Fürsten gestellt werden, nämlich Reinheit im Privatleben und im Krieg Tapferkeit, beide gepaart mit Klugheit: so standen diese hohen Vorzüge bei Traianus in einem solchen Gleichgewicht, dass er sie sozusagen zu gleichen Verhältnissen vermischt zu haben schien, ausgenommen, dass er dem Genuss der Speise und des Weines etwas zu sehr ergeben war. (5) Gegen seine Freunde war Traianus freigebig und genoss ihre Gesellschaft so, als wären sie in ihren äußeren Verhältnissen völlig gleichgestellt: (6) dem Sura zu Ehren, der den größten Einfluss auf seine Thronbesteigung gehabt hatte, erbaute er Bäder.
7 De quo supervacaneum videtur cuncta velle nominatim promere, cum satis sit excultum atque emendatum dixisse. 8 Fuit enim patiens laboris, studiosus optimi cuiusque ac bellicosi; magis simpliciora ingenia aut eruditissimos, quamvis ipse parcae esset scientiae moderateque eloquens, diligebat. 9 Iustitiae vero ac iuris humani divinique tam repertor novi quam inveterati custos. 10 Quae omnia eo maiora visebantur, quo per multos atque atroces tyrannos perdito atque prostrato statu Romano in remedium tantorum malorum divinitus credebatur opportune datus, usque eo, ut adveniens imperium eius pleraque mirifica denuntiaverint. In quis praecipuum cornicem e fastigio Capitolii Atticis sermonibus effatam esse: καλῶς ἔσται. (7) Auf alle Einzelheiten seiner Regierung einzugehen, scheint um so weniger notwendig, als die Versicherung genügen mag, er sei ein fehlerfreier, trefflicher Regent gewesen. (8) Denn er war ausdauernd in Anstrengungen, ein Freund jedes trefflichen Mannes und wackeren Kriegers; noch mehr aber schätzte er schlichte Charaktere oder Männer von hoher Gelehrsamkeit, obgleich er selbst nur beschränkte Kenntnisse und eine mittelmäßige Beredsamkeit besaß. (9) In der Rechtspflege, sowie in der religiösen und zivilen Gesetzgebung erließ er nicht nur neue Vorschriften, sondern hielt auch die älteren aufrecht. (10) Alle diese Verdienste des Traianus erschienen in einem um so glänzenderen Licht, als man ihn bei dem verzweifelten, tief gesunkenen Zustand des Reiches, der durch eine Reihe grässlicher Tyrannen herbeigeführt worden war, als einen von der Gottheit rechtzeitig gesandten Retter aus solchem Jammer betrachtete. Ja, seinen Thronbesteigung sollen mehrere Wunderzeichen vorher angekündigt haben, darunter besonders, dass eine Krähe von dem Gipfel des Kapitols herab in griechischer Sprache gerufen habe: "Es wird gut sein!"
11 Huius exusti corporis cineres relati Romam humatique Traiani foro sub eius columna, et imago superposita, sicut triumphantes solent, in urbem invecta, senatu praeeunte et exercitu. (11) Die Asche seines verbrannten Leichnams wurde nach Rom gebracht und auf dem Forum des Traian unter seiner Säule beigesetzt; seine Statue die darauf steht, wurde unter Begleitung von Senat und Heer, wie gewöhnlich die Triumphatoren, in die Stadt eingeführt.
12 Eo tempore multo perniciosius quam sub Nerva Tiberis inundavit magna clade aedium proximarum; et terrae motus gravis per provincias multas atroxque pestilentia famesque et incendia facta sunt. 13 Quibus omnibus Traianus per exquisita remedia plurimum opitulatus est, statuens, ne domorum altitudo sexaginta superaret pedes ob ruinas faciles et sumptus, si quando talia contingerent, exitiosos. 14 Unde merito pater patriae dictus est. Vixit annos sexaginta quattuor. (12) Unter der Regierung dieses Kaisers richtete der Tiber durch Überschwemmung viel verderblichere Verheerungen an als unter Nero und fügte den nächsten Gebäuden großen Schaden zu, so wie auch mehrere Provinzen von heftigen Erdbeben, fürchterlicher Pest, Hungersnot und Feuersbrünsten heimgesucht wurden. (13) Traianus half allen diesen Unfällen durch die bestgewählten Maßregeln größtenteils ab, besonders verordnete er, dass die Häuser die Höhe von sechzig Fuß nicht übersteigen dürften, sowohl wegen des leichten Einsturzes, als auch wegen der verderblichen Kosten in diesem Fall. (14) Alle diese Verdienste erwarben ihm mit Recht den Titel Vater des Vaterlandes. Traian hatte sein Leben auf vierundsechzig Jahre gebracht.
(14) 1 Aelius Adrianus, stirpis Italae, Aelio Hadriano, Traiani principis consobrino, Hadriae orto genitus, quod oppidum agri Piceni etiam mari Hadriatico nomen dedit, imperavit annos viginti duos. XIV. (1) Aelius Hadrianus war italischer Abstammung. Sein Vater war der Vetter von Kaiser Traianus, nämlich Aelius Hadrianus aus Hadria im Picenischen Gebiet, einer Stadt, die auch dem hadriatischen Meer seinen Namen gab. Er regierte 22 Jahre.
2 Hic Graecis litteris impensius eruditus a plerisque Graeculus appellatus est. Atheniensium studia moresque hausit potitus non sermone tantum, sed et ceteris disciplinis, canendi, psallendi medendique scientia, musicus, geometer, pictor fictorque ex aere vel marmore proxime Polycletos et Euphranoras. Proinde omnino ad ista et facetus, ut elegantius umquam raro quicquam humanae res expertae videantur. 3 Memor supra quam cuiquam credibile est, locos, negotia, milites, absentes quoque, nominibus recensere. 4 Immensi laboris, quippe qui provincias omnes passibus circumierit agmen comitantium praevertens, cum oppida universa restitueret, augeret ordinibus. 5 Namque ad specimen legionum militarium fabros, perpendiculatores, architectos genusque cunctum exstruendorum moenium seu decorandorum in cohortes centuriaverat. (2) Er besaß in der griechischen Literatur ungemeine Kenntnisse, weshalb ihn sehr viele das Griechlein nannten. Geschmack und Sitten der Athener machte er sich vollständig zu eigen; er war nicht nur ihrer Sprache mächtig, sondern verstand auch die anderen Künste, Singen, Saitenspiel und Arzneikunde, er war Tonkünstler, Messkünstler, Maler und Bildner aus Erz oder Marmor, beinahe gleich einem Polyklet und Euphranor. Er besaß überdies sehr viel Witz, so dass man wohl selten bei jemandem mehr Geist und Geschmack hätte finden können. (3) Sein Gedächtnis war über jeden Begriff stark: er wusste die Namen von Gegenden, Geschäften, Soldaten, auch von Abwesenden, herzusagen. (4) Er war ungemeiner Anstrengungen fähig: alle Provinzen seines Reiches bereiste er zu Fuß, wobei er der Schar seiner Begleiter voranging, die zerstörten Städte wieder herstellte und Zünfte in ihnen einrichtete. (5) Er hatte sich hierbei die Legionen zum Vorbild genommen und Zimmerleute, Maurermeister, Werkmeister, kurz, was zur Errichtung oder Verschönerung von Gebäuden dient, in Centurien und Kohorten eingeteilt.
6 Varius, multiplex, multiformis; ad vitia atque virtutes quasi arbiter genitus, impetum mentis quodam artificio regens, ingenium invidum, triste, lascivum et ad ostentationem sui insolens callide tegebat; continentiam, facilitatem, clementiam simulans contraque dissimulans ardorem gloriae, quo flagrabat. (6) Sein Charakter war veränderlich, wandelbar und vielgestaltig. Er war so geartet, dass Tugenden wie Laster ihm gleichsam beliebig zu Dienst standen. Die Heftigkeit seines Temperaments beherrschte er mit einer gewissen Kunst und wusste, sein missgünstiges, finsteres, zur Wolllust geneigtes und von Eitelkeit aufgeblasenes Wesen mit Feinheit zu verdecken, die Maske der Enthaltsamkeit, Gefälligkeit und Güte anzunehmen und dagegen seine brennend heiße Ehrsucht zu verbergen.
7 Acer nimis ad lacessendum pariter et respondendum seriis, ioco, maledictis; referre carmen carmini, dictum dictui, prorsus ut meditatum crederes adversus omnia. 8 Huius uxor Sabina, dum prope servilibus iniuriis afficitur, ad mortem voluntariam compulsa. Quae palam iactabat se, quod immane ingenium probavisset, elaborasse, ne ex eo ad humani generis perniciem gravidaretur. (7) Seine zu große Lebhaftigkeit verleitete ihn ebenso sehr mit Reden des Ernstes, Scherzes oder auch mit Schimpfworten zu reizen oder solche zu erwidern: er verstand es, einem Gedicht ein Gedicht, einem Witzwort ein Witzwort entgegenzusetzen, so dass man hätte glauben sollen, er habe sich auf alles vorbereitet. (8) Seine Gemahlin Sabina wurde durch die beinahe sklavischen Misshandlungen, die sie von Hadrian erdulden musste, dahin gebracht, dass sie sich selbst das Leben nahm. Diese äußerte mehr als einmal unverhohlen, sie habe, weil sie den abscheuliche Charakter ihres Gemahls durchschaut habe, sich alle Mühe gegeben, von ihm nicht zum Verderben der Welt Mutter zu werden.
9 Hic morbo subcutaneo, quem diu placide pertulerat, victus, dolore ardens impatiensque plures e senatu exstinxit. 10 A regibus multis pace occultius muneribus impetrata, iactabat palam plus se otio adeptum quam armis ceteros. 11 Officia sane publica et palatina nec non militiae in eam formam statuit, quae paucis per Constantinum immutatis hodie perseverat. 12 Vixit annos sexaginta duos; dehinc miserabili exitu consumptus est, cruciatu membrorum fere omnium confectus, in tantum, ut crebro sese interficiendum ministrorum fidissimis precans offerret ac, ne in semetipsum saeviret, custodia carissimorum servaretur. (9) Eine Wassersucht, die er lange mit Geduld ertragen hatte, brachte ihn endlich, von Schmerzen gefoltert und ungeduldig, so weit, dass er Befehl zur Hinrichtung mehrerer Senatoren gab. (10) Von vielen Königen hatte er sich den Frieden durch heimliche Geschenke erkauft, weshalb er sich öffentlich brüstete, er habe durch Frieden mehr erlangt als die übrigen mit Waffengewalt. (11) Den Staats- und Hofämtern, sowie der Militärverfassung gab Hadrian die Gestalt, in der wir sie noch jetzt erblicken, wenige Veränderungen unter Konstantin abgerechnet.. (12) Hadrian brachte sein Leben auf zweiundsechzig Jahre und starb vom Schmerz an den Gliedern fast aufgezehrt eines traurigen Todes. Mehr als einmal hatte er seine treuesten Diener gebeten, ihn zu töten, und nur die Wachsamkeit seiner vertrautesten Freunde vermochte, ihn von einem gewaltsam Schritt gegen sein Leben abzuhalten.
(15) 1 Antoninus Fulvius seu Boionius dictus, postea etiam Pius cognominatus, imperavit annos viginti tres. 2 Iste ab Hadriano in filium adoptatus, cuius gener fuerat, tantae bonitatis in principatu fuit, ut haud dubie sine exemplo vixerit, 3 quamvis eum Numae contulerit aetas sua, cum orbem terrae nullo bello per annos viginti tres auctoritate sola rexerit, adeo trementibus eum atque amantibus cunctis regibus nationibusque et populis, ut parentem seu patronum magis quam dominum imperatoremve reputarent, omnesque in morem caelestium propitium optantes de controversiis inter se iudicem poscerent. XV. (1) Antoninus Fulvius oder Boionius, später auch der Fromme genannt, regierte dreiundzwanzig Jahre. (2) Er wurde von Hadrianus, dessen Schwiegersohn er war, an Sohnes statt genommen. Dieser Fürst bewies während seiner Regierung eine solche Vortrefflichkeit, dass er ohne Zweifel über alle Vergleiche erhaben ist, (3) wiewohl ihn seine Zeitgenossen dem Numa an die Seite gestellt haben. Denn während der dreiundzwanzigjährigen Dauer seiner Regierung herrschte er, ohne die Hand an das Schwert zu legen, durch sein bloßes Ansehen über die Welt, und alle Könige, Völker und Nationen fürchteten und liebten ihn so sehr, dass sie in ihm mehr ihren Vater und Beschützer als ihren Herrn und Gebieter sahen, dass sie einstimmig seine Gnade, wie die der Götter erflehten und ihn sich zum Richter in ihren Streitigkeiten erbaten.
4 Quin etiam Indi, Bactri, Hyrcani legatos misere iustitia tanti imperatoris comperta, quam ornabat vultu serie pulchro, procerus membra, decenter validus. 5 Priusquam salutandus prodiret, degustans panis aliquantulum, ne frigescente circum praecordia per ieiunium sanguine viribus exesis interciperetur eoque actui publicorum minime sufficeret, quae incredibili diligentia ad speciem optimi patrisfamilias exsequebatur. (4) Ja selbst die Inder, Baktrer und Hyrkaner schickten Gesandte zu ihm, als der Ruf von der Gerechtigkeit des so großen Kaisers zu ihnen gedrungen war, einer Tugend, der er noch durch seine ernstschönen Gesichtszüge, seinen schlanken Gliederbau und die anständige Stärke seines Körpers höheren Reiz verlieh. Ehe er Besucher annahm, genoss er gewöhnlich etwas Brot, um nicht durch das von der Nüchternheit herbeigeführte Erkalten des Blutes um das Zwerchfell von Mattigkeit und Entkräftung befallen und somit zu Besorgung der Staatsgeschäfte, die er gleich dem besten Hausvater mit unbegreiflicher Sorgfalt sich angelegen sein ließ, unfähig zu werden.
6 Appetentia gloriae carens et ostentatione, adeo mansuetus, ut instantibus patribus ad eos, qui contra eum coniuraverant, persequendos compresserit quaestionem, praefatus necesse non esse sceleris in semetipsum cupidos pertinacius indagari, ne, si plures reperirentur, quantis odio esset, intellegeretur. (6) Ruhmsucht und Prahlerei waren seinem Charakter fremd, aber Milde kennzeichnete ihn in einem so hohen Grad, dass er, als der Senat heftig in ihn drang, Verschwörer gegen sein Leben zu bestrafen, die Untersuchung niederschlug, mit der Äußerung, es bedürfe keiner zu strengen Aussuchung derjenigen, die ein Verbrechen gegen ihn im Sinne gehabt hätten, damit man nicht, wenn eine größere Anzahl sich herausstellte, erfahre, von wie vielen er gehasst werde.
7 Igitur apud Lorios, villa propria, milibus passuum duodecim ab urbe febri paucorum dierum post tres atque viginti annos imperii consumptus est. 8 Ob cuius honorem templa, sacerdotes atque infinita alia decreta sunt. 9 Usque eo autem mitis fuit, ut, cum ob inopiae frumentariae suspicionem lapidibus a plebe Romana perstringeretur, maluerit ratione exposita placare quam ulcisci seditionem. (7) Antoninus starb auf seinem eigenen Landgut Lorii, zwölf Meilen von Rom, nach einer dreiundzwanzigjährigen Regierung an einem mehrtägigen Fieber. Es wurden ihm Tempel, Priester und andere Ehrenbezeugungen zuerkannt. Sanftmut hatte dieser Kaiser in einem so hohen Grad besessen, dass, als einstmals der römische Pöbel, der die herrschende Getreidenot ihm zuschrieb, mit Steinen nach ihm warf, Antoninus ihn lieber durch Auseinandersetzung der wahren Ursache beruhigen, als die Störung der Ordnung bestrafen wollte.
(16) 1 Marcus Aurelius Antoninus imperavit annos decem et octo. 2 Iste virtutum omnium caelestisque ingenii exstitit aerumnisque publicis quasi defensor obiectus est. Etenim nisi ad illa tempora natus esset, profecto quasi uno lapsu ruissent omnia status Romani. XVI. (1) Marcus Aurelius Antoninus regierte achtzehn Jahre. (2) Dieser Fürst, ein Inbegriff aller Tugenden und von göttlichem Geist, wurde den über den Staat hereinbrechenden Unfällen gleichsam als Vorkämpfer entgegengestellt. Denn es unterliegt keinem Zweifel, dass das ganze römische Staatsgebäude, wenn er nicht für jene Zeiten in das Dasein getreten wäre, in einem Sturz zusammengesunkenen wäre.
3 Quippe ab armis quies nusquam erat, perque omnem Orientem, Illyricum, Italiam Galliamque bella fervebant; terrae motus non sine interitu civitatum, inundationes fluminum, lues crebrae, locustarum species agris infestae, prorsus ut prope nihil, quo summis angoribus atteri mortales solent, dici seu cogitari queat, quod non illo imperante saevierit. 4 Credo divinitus attributum, ut, dum mundi lex seu natura †aliudve quid hominibus incognitum gignit, rectorum consiliis tamquam medicinae remediis leniantur. (3) Nirgends fand Waffenruhe statt; durch den ganzen Orient, in Illyricum, Italien und Gallien loderte die Kriegsfackel. Erdbeben, verbunden mit dem Untergang ganzer Städte und Überschwemmungen der Flüsse ereigneten sich, häufige ansteckende Krankheiten und verheerende Heuschreckenschwärme stellten sich ein, kurz, man kann sich beinahe kein Ereignis, das die Menschen in die heftigste Angst versetzt, denken oder nennen, das nicht unter Antoninus seine verderblichen Wirkungen geäußert hätte. (4) Ich halte es wirklich für eine göttliche Fügung, dass jedes verderbliche Ereignis, indem es durch das Schicksal oder durch die Natur oder durch irgendeine andere den Menschen unbekannte Macht hervorgerufen wird, in der Weisheit der Regenten gleichsam als einem ärztlichen Heilmittel seine Milderung findet.
5 Is propinquum suum Lucium Annium Verum ad imperii partem novo benivolentiae genere ascivit. Qui Verus, inter Altinum atque Concordiam iter faciens, ictu sanguinis, quem morbum Graeci ἀπόπληξιν vocant, undecimo imperii anno exstinctus est. 6 Carminum, maxime tragicorum, studiosus, ingenii asperi atque lascivi. (5) Antoninus nahm seinen Verwandten, Lucius Annius Verus, in einem bis dahin noch nicht gebräuchliche Gnadenerweis zum Reichsgenossen. Dieser Verus starb aber schon im elften Jahr seiner Regierung auf einer Reise zwischen Altinum und Concordia an einem Schlaganfall, einer Kranheit, die die Griechen ἀπόπληξις nennen. (6) Verus hatte sich viel mit der Verfertigung von Gedichten, besonders von Trauerspielen, abgegeben, allein sein Charakter war rauh und zur Wollust geneigt.
7 Post cuius obitum Marcus Antoninus rem publicam solus tenuit. A principio vitae tranquillissimus, adeo, ut ab infantia vultum nec ex gaudio nec ex maerore mutaverit. Philosophiae studens litterarumque Graecarum peritissimus. 8 Hic permisit viris clarioribus, ut convivia eodem cultu, quo ipse, et ministris similibus exhiberent. Nach des Verus Tod führte Marcus Antoninus allein das Ruder des Staates. Er zeigte von der Wiege an die größte Seelenruhe und schon von Kindheit an bei Freud und Schmerzen immer das selbe Gesicht. Mit der Philosophie beschäftigte er sich eifrig und war in der griechischen Literatur sehr bewandert. (8) Den angesehenen Römern gestattete Antoninus, mit der selben Pracht und mit gleicher Bedienung wie er, Gasmähler zu geben.
9 Hic cum aerario exhausto largitiones, quas militibus impenderet, non haberet, neque indicere provincialibus aut senatui aliquid vellet, instrumentum regii cultus facta in foro Traiani sectione distraxit, vasa aurea, pocula crystallina et murrina, uxoriam ac suam sericam et auream vestem, multa ornamenta gemmarum, ac per duos continuos menses venditio habita est multumque auri redactum. 10 Post victoriam tamen emptoribus pretia restituit, qui reddere comparata voluerunt; molestus nulli fuit, qui maluit semel empta retinere. (9) Da er bei der Erschöpfung des Staatsschatzes nicht wusste, woher er den Aufwand für die Soldaten bestreiten sollte, aber deshalb auch den Provinzen und dem Senat keine neue Auflage auferlegen wollte, veranstaltete er auf dem Forum des Traianus eine zwei ganze Monate dauernde Versteigerung, wobei er die kaiserlichen Prachtgeräte, goldene Gefäße, Pokale von Kristall, murrinisches Geschirr, seine eigenen und seiner Gemahlin seidene und goldene Kleider und viel Schmuck von Edelsteinen verkauft und sehr viel Gold erlöst wurde. (10) Indes erstattete er nach seinem Sieg den Käufern, die das Ersteigerte zurückgeben wollten, den Kaufpreis zurück, ohne jedoch jemanden zu belästigen, der es vorzog, das einmal Erkaufte zu behalten.
11 Huius tempore Cassius tyrannidem arripiens exstinctus est. 12 Ipse vitae anno quinquagesimo nono apud Bendobonam morbo consumptus est. 13 De eius morte nuntio Romam pervecto confusa luctu publico urbe senatus in curiam veste tetra amictus lacrimans convenit. 14 Et quod de Romulo aegre creditum est, omnes pari consensu praesumpserunt Marcum caelo receptum esse. Ob cuius honorem templa, columnae multaque alia decreta sunt. (11) Unter Antoninus' Regierung warf sich Cassius zum Imperator auf, wurde aber getötet. (12) Antoninus starb in seinem neunundfünfzigsten Lebensjahr zu Vindobona an einer Krankheit. (13) Als die Nachricht von seinem Ableben in Rom eintraf, erfüllte allgemeine Trauer und Bestürzung die Stadt. Der Senat versammelte sich weinend in Trauerkleidung in der Kurie. (14) Wenn man von Romulus seine Aufnahme in den Himmel kaum glauben wollte, so war man bei Antoninus um so allgemeiner davon überzeugt. Es wurden ihm Tempel, Säulen und viele andere Ehrenbezeugungen zuerkannt.
(17) 1 Aurelius Commodus, Antonini filius, Antoninus et ipse dictus, imperavit annos tredecim. 2 Hic, qualis futurus esset, in ipso primordio ostendit. Nam cum in supremis moneretur a parente, attritos iam barbaros ne permitteret vires recipere, responderat ab incolumi, quamvis paulatim, negotia perfici posse, a mortuo nihil. 3 Saevior omnibus libidine atque avaritia, crudelitate, nulli fidus, magisque in eos atrox, quos amplissimis honoribus donisque ingentibus extulerat. 4 In tantum depravatus, ut gladiatoriis armis saepissime in amphitheatro dimicaverit. 5 Huic Marcia, generis libertini, forma tamen meretriciisque artibus pollens, cum animum eius penitus devinxisset, egresso e balneo veneni poculum obtulit. 6 Ad extremum ab immisso validissimo palaestrita compressis faucibus exspiravit anno vitae tricesimo secundoque. XVII. (1) Aurelius Commodus, ein Sohn des Marcus Antoninus, wurde auch selbst Antoninus genannt. Er regierte dreizehn Jahre. (2) Den Geist seiner Regierung ließ schon der Anfang erahnen. Als ihm nämlich sein sterbender Vater den Rat erteilte, die bereits sehr geschwächten Barbaren nicht mehr zu Kräften kommen zu lassen, entgegnete der Sohn: ein Gesunder könne, obgleich nur nach und nach, ein Geschäft zustande bringen, aber ein bereits Toter gar nichts. (3) An zügelloser Wollust, Habsucht und Grausamkeit kam niemand dem Commodus gleich; Treue gegen irgendjemanden war ihm unbekannt und am meisten hatten diejenigen vor ihm zu zittern, die er mit hohen Ehrenstellen oder reichlichen Geschenke bedacht hatte. (4) Seine Verworfenheit ging so weit, dass er nicht selten mit den Waffen eines Fechters im Amphitheater als Kämpfer auftrat. (5) Als er einst aus dem Bad kam, reichte ihm eine Freigelassene namens Marcia, die ebenso durch ihre körperlichen Reize als durch ihre Verführungskünste einzunehmen wusste und die das Herz des Commodus ganz gefesselt hatte, einen Gifttrank. (6) Endlich wurde er von einem sehr starken Ringer, den man gegen ihn schickte, erwürgt. Er stand im 32. Jahr seines Lebens.
(18) 1 Helvius Pertinax imperavit dies octoginta quinque. Iste coactus imperium repugnansque suscipiens tale cognomentum sortitus est. 2 Origine ortus sordida, praefecturam urbi agens imperator effectus scelere Iuliani multis vulneribus obtruncatur annos natus septem atque sexaginta. Huius caput tota urbe circumvectum est. 3 Hoc exitu obiit vir ad humanae conversationis exemplum per laboris genera universa ad summos provectus, usque eo, ut fortunae vocaretur pila. 4 Nam libertino genitus patre apud Ligures in agro squalido Lollii Gentiani, cuius in praefectura quoque clientem se esse libentissime fatebatur, fuit doctor litterarum, quae a grammaticis traduntur. Blandus magis quam beneficus, unde eum Graeco nomine χρηστολόγον appellavere. 6 Numquam iniuria accepta ad ulciscendum ductus. Amabat simplicitatem, communem se affatu, convivio, incessu praebebat. 6 Huic mortuo Divi nomen decretum est; ob cuius laudem ingeminatis ad vocis usque defectum plausibus acclamatum est: "Pertinace imperante securi viximus, neminem timuimus, patri pio, patri senatus, patri omnium bonorum".

XVIII. (1) Helvius Pertinax regierte 85 Tage. Seinen Beinamen erhielt er, weil er nur mit Zwang und Widerstreben den Purpur annahm. (2) Er war von geringer Herkunft und wurde, während er die Stadtpräfektur bekleidete, auf den Thron erhoben, aber durch einen verbrecherischen Anschlag des Iulianus in seinem 67. Jahr mit vielen Wunden getötet, und sein Haupt in der ganzen Stadt herumgetragen. (3) Ein solches Ende nahm ein Mann, der sich als ein Beispiel der Wandelbarkeit menschlichen Schicksals durch alle Arten von Mühseligkeiten bis zu der Höhe des Thrones emporgeschwungen hatte, weshalb man ihn auch den Ball des Schicksals nannte. (4) Sein Vater war ein Freigelassener auf einem heruntergekommenen Gut des Lollius Gentianus in Ligurien, als dessen Klienten sich Pertinax sogar noch als Präfekt von Rom sehr gerne bekannte; auch hatte in den gewöhnlichen Fächern der Grammatiker Unterricht erteilt. Pertinax war mehr in Worten gefällig als wirklich freundschaftlich, weshalb man ihn auf Greichisch χρηστολόγος (Gutredner) nannte. (6) Eine Beleidigung vermochte nie, ihn zur Rache zu bewegen. Er war ein Freund der Einfachheit: Gespräch, Tafel und Gang unterschieden ihn nicht von dem gewöhnlichen Bürger. (6) Nach seinem Tod wurde ihm der Titel "der Göttliche" zuerkannt, und ihm zu Ehren ließ sich der bis zur Erschöpfung wiederholte Beifallruf hören: "Unter des Pertinax Regierung haben wir ruhig gelebt, niemanden gefürchtet; <ein Hoch> dem liebevollen Vater, dem Vater des Senats, dem Vater aller Guten!"

(19) 1 Didius Iulianus, ortu Mediolanensis, imperavit mensibus septem. Vir nobilis, iure peritissimus, factiosus, praeceps, regni avidus. 2 Hoc tempore Niger Pescennius apud Antiochiam, in Pannoniae Sabaria Septimius Severus creantur Augusti. 3 Ab hoc Severo Iulianus in abditas palatii balneas ductus extenta damnatorum modo cervice decollatur, caputque eius in rostris ponitur.

XIX. (1) Didius Iulianus war in Mailand geboren; er stammte aus einer edlen Familie und war ein ausgezeichneter Rechtsgelehrter, aber ein ränkeliebender, unbesonnener und ehrsüchtiger Mann. Er regierte sieben Monate. (2) Unter ihm wurden Pescennius Niger in Antiochien und Septimius Severus in der Stadt Sabaria in Pannonien zu Kaisern ausgerufen. (3) Dieser Severus ließ den Iulianus in ein geheimes Bad des Palastes führen, wo er seinen Hals gleich einem Verurteilten ausstrecken musste und enthauptet wurde. Sein Kopf wurde auf der Rednerbühne zur Schau aufgesteckt.

(20) 1 Septimius Severus imperavit annos decem et octo. 2 Hic Pescennium interemit, hominem omnium turpitudinum. Sub eo etiam Albinus, qui in Gallia se Caesarem fecerat, apud Lugdunum occiditur. 3 Hic Severus filios suos successores reliquit, Bassianum et Getam. 4 Hic in Britannia vallum per triginta duo passuum milia a mari ad mare deduxit. XX. (1) Septimius Severus regierte achtzehn Jahre. (2) Er ließ Pescennius Niger, einen äußerst verworfenen Menschen, umbringen. Ebenso fand auch Albinus, der sich in Gallien zum Kaiser aufgeworfen hatte, durch ihn zu Lugdunum seinen Tod. (3) Seine Nachfolger auf dem Thron waren seine beiden Söhne Bassianus und Geta. (4) Severus ließ in Britannien einen zweiunddreißign Meilen langen Wall von einem Meer zum anderen aufwerfen.
5 Fuit bellicosissimus omnium, qui ante eum fuerunt. Acer ingenio, ad omnia, quae intendisset, in finem perseverans. Benivolentia, quo inclinasset, mirabili ac perpetua. Ad quaerendum diligens, ad largiendum liberalis. 6 In amicos inimicosque pariter vehemens, quippe qui Lateranum, Cilonem, Anullinum, Bassum ceterosque alios ditaret, aedibus quoque memoratu dignis, quarum praecipuas videmus, Parthorum quae dicuntur ac Laterani. 7 Hic nulli in dominatu suo permisit honores venumdari. (5) In seiner kriegerischem Einstellung übertraf er alle seine Vorgänger, war scharfsinnig und in allen seinen Unternehmungen ausdauernd bis an das Ende. Wem er sein Wohlwollen einmal zugewandt hatte, dem bewahrte er es mit erstaunlicher Treue. So bemüht er im Erwerbern war, so freigebig zeigte er sich im Schenken. (6) In der Freundschaft wie in der Feindschaft bewies er die selbe Leidenschaftlichkeit. Lateranus, Cilo, Anulinus, Bassus und andere seiner Freunde überhäufte er mit Reichtum und beschenkte sie mit nennenswerten Palästen, unter denen sich der sogenannte parthische und lateranische am meisten auszeichnen. (7) Verkauf von Ämtern duldete Severus durchaus nicht.
8 Latinis litteris sufficienter instructus, Graecis sermonibus eruditus, Punica eloquentia promptior, quippe genitus apud Leptim provinciae Africae. 9 Is dum membrorum omnium, maxime pedum, dolorem pati nequiret, veneni vice, quod ei negabatur, cibum gravis ac plurimae carnis avidius invasit, quem cum conficere non posset, cruditate pressus exspiravit. 10 Vixit annos sexaginta quinque. (8) In der lateinischen Literatur besaß er hinreichende Kenntnisse, die griechische Sprache verstand er gut doch er wusste sich als geborener Afrikaner aus der Stadt Leptis am geläufigsten punisch auszudrücken. (9) Severus stark 65 Jahre alt an Unverdaulichkeit, die er sich durch den allzu reichen und gierigen Genuss harten, unverdaulichen Fleisches zuzog, das er ersatzweise zu sich nahm, als er von unerträglichen Schmerzen in allen Gliedern, besonders in den Füßen gequält wurde, und man ihm Gift abschlug.
Übersetzung: nach A.Cloß bearbeitet v. E.Gottwein  
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Aufgabenvorschläge:
 
Sententiae excerptae:
w42
Literatur:

18 Funde
1266  Aurelius Victor / Pichlmayr, F. / Gründel, R.
Sexti Aurelii Victoris Liber de Caesaribus, praecedunt De origine gentis Romanae et De viris illustribus, subsequitur Epitome de Caesaribus
Leipzig 2/1970
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1267  Aurelius Victor / Sepp, B.
Incerti auctoris liber de origine gentis Romanae
München 1879
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1292  Aurelius Victor / Cloß
Sextus Aurelius Victor, übersetzt von August Cloß
Stuttgart (Metzler) 1838
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1265  Aurelius Victor / Forbiger
übersetzt und mit erläuternden Anmerkungen versehen von A. Forbiger
Stuttgart (Krais & Hoffmann) 1866
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4107  Aurelius Victor / Michel Festy
Pseudo-Aurelius Victor: Abrégé des Césars. Texte etabli, traduit et commenté par Michel Festy
Paris (Les belles Lettres) 1999
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1263  Aurelius Victor / Sehlmeyer, M.
Origo gentis Romanae / Die Ursprünge des römischen Volkes
Darmstadt (WBG) 2004
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1294  Bird, H.W.
An Historical Commentary on Sextus Aurelius Victor's Liber de Caesaribus 18 to 42
Diss. Toronto 1972
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1295  Bird, H.W.
Sextus Aurelius Victor. A Historiographical Study
Liverpool 1984
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1296  Cohn, A.
Quibus ex fontibus Sexti Aurelii Victoris et Libri de Caesaribus et Epitomes undecima capita priora fluxerint
Diss. Berlin 1884
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1297  Damsté, P.H.
Ad Sextum Aurelium Victorem
in: Mnemos.45/1917, 367-382
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2570  Eutropius / Hoffmann
Eutropius, Abriss der Römischen Geschichte übersetzt von Friedrich Hoffmann
Stuttgart (Metzler) 1829
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1298  Hohl, E.
Über den Ursprung der Historia Augusta
in: Herm. 55/1920, 296-310
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1299  Hohl, E.
Die Historia Augusta und die Caesares des Aurelius Victor
in: Historia 4/1955, 220-228
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1301  Mommsen, Th.
Zu den Caesares des Aurelius Victor
in: Sb.Berlin 2(1884), 951-955
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1302  Nixon, Ch.E.V.
An Historigraphical Study of the Caesares of Sextus Aurelius Victor
Diss. Michigan 1971
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1303  Noble, A.N.
Indices verborum omnium quae in Sexti Aurelii Victoris libro de Caesaribus et incerti auctoris epitome de Caesaribus reperiuntur
Diss. Ohio State Univ. 1938
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1304  Opitz, Th.
Sallustius und Aurelius Victor
in: Jhrb.f.class.Philol. 127/1883, 217-222
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1305  Schmidt, P.L.
Victor 69 (Sextus Aurelius Victor)
in: RE Suppl.15, 1583-1676 (Stuttgart 1978)
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