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Cicero: De officiis

Cicero: Über die Pflichten

Cic.off.1,15-17

Grundlegung des Sittlich-Guten
 
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Exemplarischer Durchgang durch Ciceros Philosophischen Schriften (inspiriert von der Ausgabe von Oskar Weissenfels)
Cic.Fin.1,1-12 | | Cic.div.2,1-7 | Cic.off.2,1-8 | Cic.off.3,1-4 | Cic.Tusc.1,1-8 | Cic.nat.1,6-12 | Cic.Tusc.5,1-11 | Cic.Tusc.2,11-12 | Cic.Tusc.3,1-6 | Cic.off.1,11-14 | Cic.Tusc.1,57-65 | Cic.rep.1,1-12 | Cic.off.1,69,2-73 | Cic.off.1,74-78 | Cic.off.1,15-17 | Cic.off.1,18-19 | Cic.off.1,20-41 | Cic.off.1,62-69,1 | Cic.off.1,84,3-92 | Cic.off.1,93-96 | Cic.off.3,19-32 | Cic.off.3,11-19 | Cic.off.3,35-39 | Cic.Tusc.3,22-25 | Cic.Tusc.4,38-46 | Cic.Tusc.2,42-49 | Cic.Tusc.2,51-67 | Cic.Tusc.5,73-79 | Cic.Tusc.5,15-17 | Cic.Tusc.5,68-72 | Cic.Tusc.3,32-38 | Cic.Tusc.3,52-60 | Cic.Tusc.5,37-48 | Cic.Tusc.5,80-82 | Cic.Tusc.5,54-67 | Cic.Tusc.5,97-118 | Cic.fin.1,29-36 | Cic.fin.1,37-42 | Cic.fin.1,42-46 | Cic.fin.1,47-49 | Cic.fin.1,50-54 | Cic.fin.1,55-64 | Cic.fin.1,65-72 | Cic.Tusc.5,26-28 |
Einzelstücke: Cic.Tusc.1,9-25 | Cic.fin.1,29-33 | Cic.Fin.5,9-11 |
 

Cicero: De officiis

Cic.off.1,15-17

 

Cicero: Über die Pflichten

Cic.off.1,15-17

15,1
[Cic.off.1,15,1] Formam quidem ipsam, Marce fili, et tamquam faciem honesti vides, quae si oculis cerneretur, mirabiles amores, ut ait Plato, excitaret sapientiae.Du siehst hiermit, mein Sohn Markus, das eigentliche Urbild und gleichsam das Antlitz des Sittlich-Guten; könnte es auch unserem Auge sichtbar werden, würde es, wie Platon meint, die wunderbarste Liebe zur Weisheit in uns entfachen.
anmerk.
15.2
[Cic.off.1,15,2] Sed omne, quod est honestum, id quattuor partium oritur ex aliqua:Alles aber, was sittlich gut ist, entspringt aus einem der vier folgenden Teile:
anmerk.
15,3
[Cic.off.1,15,3] Aut enim in perspicientia veri sollertiaque versatur aut in hominum societate tuenda tribuendoque suum cuique et rerum contractarum fide aut in animi excelsi atque invicti magnitudine ac robore aut in omnium, quae fiunt quaeque dicuntur, ordine et modo, in quo inest modestia et temperantia.Es liegt nämlich entweder in der Fähigkeit und Fertigkeit, die Wahrheit zu erkennen; oder im Schutz der menschlichen Gesellschaft, in der Bereitschaft, jedem zu geben, was ihm zusteht und Treue und Glauben im Verkehr mit anderen zu beachten; oder es liegt in der Erhabenheit, Größe und unbesiegbaren Stärke des Geistes; oder in dem Sinn für Maß und Ordnung bei allem, was man tut und spricht, wohin die Tugenden der Mäßigung und der Selbstbeherrschung gehören.
anmerk.
15,4
[Cic.off.1,15,4] Quae quattuor quamquam inter se colligata atque implicata sunt, tamen ex singulis certa officiorum genera nascuntur, velut ex ea parte, quae prima discripta est, in qua sapientiam et prudentiam ponimus, inest indagatio atque inventio veri, eiusque virtutis hoc munus est proprium.Zwar sind die vier Stücke innig und unauflösbar ineinander verschlungen, dennoch aber ergeben sich aus jedem einzelnen gewisse bestimmte Gattungen des pflichtgemäßen Handelns. Aus demjenigen zum Beispiel, das in unserer Einteilung die erste Stelle hat, und das die Tugend der Weisheit und Klugheit in sich begreift, ergibt sich die Pflicht der Untersuchung und Erforschung der Wahrheit, und gerade hierin liegt die eigentümliche Aufgabe dieser Tugend.
anmerk.
16,1
[Cic.off.1,16,1] Ut enim quisque maxime perspicit, quid in re quaque verissimum sit quique acutissime et celerrime potest et videre et explicare rationem, is prudentissimus et sapientissimus rite haberi solet.Denn mit Recht schreiben wir Weisheit und Klugheit denen in höchstem Grade zu, die mit Leichtigkeit das eigentlich Wahre an jeder Sache zu erkennen und deren Verhältnisse mit Scharfsinn und Schnelligkeit zu entdecken und zu entwickeln im Stande sind.
anmerk.
16,2
[Cic.off.1,16,2] Quocirca huic quasi materia, quam tractet et in qua versetur, subiecta est veritas.Der Stoff also, um mich so auszudrücken, den diese Tugend behandelt und bearbeitet, ist die Wahrheit.
anmerk.
17,1
[Cic.off.1,17,1] Reliquis autem tribus virtutibus necessitates propositae sunt ad eas res parandas tuendasque, quibus actio vitae continetur, ut et societas hominum coniunctioque servetur et animi excellentia magnitudoque cum in augendis opibus utilitatibusque et sibi et suis comparandis, tum multo magis in his ipsis despiciendis eluceat.Die Aufgabe der drei übrigen Tugenden aber ist, gewisse Bedürfnisse zu befriedigen und zu sichern, die das praktische Leben bestimmen. Die eine soll die Gesellschaft und Verbindung der Menschen untereinander erhalten; aber der Adel und die Größe des Geistes soll nicht nur leuchten, um unseren Wohlstand zu mehren und um Vorteile für uns selbst und die unsrigen zu erzielen, sondern noch viel mehr in der Geringchätzung eben dieser Dinge.
anmerk.
17,2
[Cic.off.1,17,2] Ordo autem et constantia et moderatio et ea, quae sunt his similia, versantur in eo genere, ad quod est adhibenda actio quaedam, non solum mentis agitatio.Aber Ordnung, Beständigkeit, Mäßigung und andere ganz ähnliche Tugenden gehören zu der Gruppe, bei der nicht bloß geistige Tätigkeit, sondern auch ein gewisses äußeres Handeln notwendig ist.
anmerk.
17,3
[Cic.off.1,17,3] Iis enim rebus, quae tractantur in vita, modum quendam et ordinem adhibentes honestatem et decus conservabimus.Nur dann, wenn wir bei allen Geschäften des Lebens Ordnung und Maß beachten, wird es uns gelingen, stets der Sittlichkeit und Würde des Menschen gemäß zu handeln.
anmerk.
     
Aufgabenvorschläge:
  1. Das Sittlich-Gute liegt in menschlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten, also in seiner anthropologischen Grundausstattung, begründet.
    Stellen Sie tabellarisch zusammen, welcher Veranlagung welcher Sittlichkeitsbereich und welche Tugend im einzelnen entspricht.
  2. Wo ist die Trennungslinie zwischen individueller und sozialer Tugend einerseits und praktischer und theoretischer Tugend auf der anderen Seite zu ziehen? Belegen Sie Ihre Entscheidung am Text!
  3. Die necessitates, die Bedürfnisse des praktischen Lebens werden von Cicero nicht im einzelnen ausgeführt. Versuchen Sie, einen hierarchisch gegliederten Katalog menschlicher Bedürfnisse (Bedürfnispyramide nach Art von Maslow) zusammenzustellen.
  4. Wie ist das Zusammenspiel von Bedürfnisbefriedigung (die auf Wachstum abzielt) und Mäßigung ("Grenzen des Wachstums") zu verstehen?
  5. Der Begriff der "Tugend" ist durch seine lange philosophische Tradition stark belastet und etwas außer Gebrauch gekommen. Benennen Sie mit Ihren Worten persönlichen Fähigkeiten (Ich-Stärken), die Sie sich für das Gelingen Ihres Lebens wünschen würden (z.B. Durchsetzungsvermögen, Erfindungsreichtum etc.), und überlegen Sie ob und wo Ihre Wunschvorstellung in Ciceros Ausführungen ansatzweise enthalten sein könnte!
Übersetzung von G.G. Uebelen, bearbeitet von Egon Gottwein
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Sententiae excerptae:
w31
Literatur:
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bottom - /Lat/CicOff/off1015.php - Letzte Aktualisierung: 07.09.2015 - 15:08