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Publius Ovidius Naso

Fasti - Fasten

LIBER I - lateinisch - deutsch

 
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  3. Janus (1,89-140)    
       
Quem tamen esse deum te dicam, Iane biformis?
anmerk. Janus ist auch heute noch ein stittiger Gott. Er ist ein typisch römischer Gott ohne Vorbild im Griechischen. Am bekanntesten ist seine Funktion als Personifikation des Torbogens. Als Ianitor hat er als Attribut einen Stab, um unliebsame Ankömmlinge abzuwehren, und Schlüssel als Insignien. Allgemeiner ist er Gott eines jeden Ein- und Ausgangs und jeden Anfangs und Endes; also auch des Jahresanfangs und der Entstehung des Kosmos, womit der Bogen zu seiner kosmologischen Bedeutung geschlagen ist.
Wie soll ich dich nennen als Gott, zwieförmiger Janus?
nam tibi par nullum Graecia numen habet.
ede simul causam, cur de caelestibus unus
sitque quod a tergo sitque quod ante vides.
haec ego cum sumptis agitarem mente tabellis,
lucidior visa est quam fuit ante domus.
 
Denn einen Gott dir gleich haben die Griechen ja nicht.
Deute zugleich mir den Grund, weshalb von den Himmlischen einzig
Du, was im Rücken dir liegt, schaust, und was vor dir sich dehnt.
Als ich die Tafeln ergriff und im Geiste mir solches bedachte,
Mehr denn jemals schien hell mir erleuchtet das Haus.
tum sacer ancipiti mirandus imagine Ianus
bina repens oculis obtulit ora meis.
extimui sensique metu riguisse capillos,
et gelidum subito frigore pectus erat.
ille tenens baculum dextra clavemque sinistra
 
Dar urplötzlich vor Augen, ein Wunder an Doppelgestaltung,
Stand zwiefachen Gesichts Janus der heilige mir.
Ich ward starr und ich fühlte vor Schreck sich mir sträuben das Haupthaar,
Eisig durchrieselte mir plötzlich der Schauer die Brust.
Jener, gefasst in der Rechten den Stab, in der Linken den Schlüssel,
edidit hos nobis ore priore sonos:
'disce metu posito, vates operose dierum,
quod petis, et voces percipe mente meas.
me Chaos antiqui (nam sum res prisca) vocabant:
aspice quam longi temporis acta canam.



anmerk. Der Chaos-Deutung dürfte einmal die etymologische Erklärung des Namens "Janus" aus "hiare" zugrunde liegen; zum anderen eine stoische Theorie zur Kosmogonie, in die sich bei Ovid noch andere Ingredienzen mischen. Macrob.1,9,14 bestätigt diese Deutung bereits für Marcus Valerius Messalla Rufus, den Konsul von 53 v.Chr.
Tönt' mit dem vorderen Mund folgende Worte mir zu:
"Banne die Furcht und vernimm, mühseliger Sänger der Tage
Was du begehrst, und erfass' ganz mit dem Geiste das Wort.
Chaos hieß ich vor Alters, ein urvorzeitliches Wesen;
Merk', wie gedehnet die Zeit, der ich entnehme das Lied!
lucidus hic aer et quae tria corpora restant,
ignis, aquae, tellus, unus acervus erat.
ut semel haec rerum secessit lite suarum
inque novas abiit massa soluta domos,
flamma petit altum, propior locus aera cepit,


anmerk. Die Lehre von den vier Elementen (ῥιζώματα) (Feuer, Wasser, Luft und Erde) stammt ebenso von Empedokles wiie die Vorstellung vom Streit (ἔρις, νεῖκος) als Ursache ihrer Trennung (διαστολή - Diastole)
Die hier glänzet, die Luft, und die drei noch übrigen Körper,
Feuer und Wasser und Erd', einet' ein einziger Wust.
Wie sich einmal das getrennt durch den Kampf der verbundenen Dinge,
Wie der gelösete Knäul eigene Sitze gesucht,
Strebte die Flamme zur Höh', ihr zunächst ward heimisch die Luft, und
sederunt medio terra fretumque solo.
tunc ego, qui fueram globus et sine imagine moles,
in faciem redii dignaque membra deo.
nunc quoque, confusae quondam nota parva figurae,
ante quod est in me postque videtur idem.
 
Erd' und Gewässer zuletzt fassten den mittleren Raum.
Damals, früher nur Ball, und ein Klump ohn' alle Gestaltung,
Nahm ich das Göttergesicht, göttliche Glieder zurück.
Jetzt noch, der früher verwirreten Form kaum merkliches Merkmal,
Scheinet, was hinten und vorn, gänzlich dasselbe bei mir.
accipe quaesitae quae causa sit altera formae,
hanc simul ut noris officiumque meum.
quicquid ubique vides, caelum, mare, nubila, terras,
omnia sunt nostra clausa patentque manu.
me penes est unum vasti custodia mundi,
 
Höre nun, welches der andere Grund der dir dunklen Gestaltung,
Dass du mit dieser zugleich kennest auch meinen Beruf.
Was du erschaust ringsum, Meer, Wolken und Himmel und Erde,
Unsere Hand vollzieht aller Eröffnung und Schluss.
Mir allein obliegt die Wacht des unendlichen Weltalls,
et ius vertendi cardinis omne meum est.
cum libuit Pacem placidis emittere tectis,
libera perpetuas ambulat illa vias:
sanguine letifero totus miscebitur orbis,
ni teneant rigidae condita Bella serae.
 
Sowie verliehen das Recht mir nur, die Angeln zu drehn.
Ist's mir genehm, aus dem ruhigen Haus zu entsenden den Frieden,
dann fortlaufenden Pfades wandelt er frei durch die Welt.
Blutiger Tod und der Ding' Umsturz löst' alles auf Erden,
Hält im Gewahrsam nicht eiserner Riegel den Krieg.
praesideo foribus caeli cum mitibus Horis
(it, redit officio Iuppiter ipse meo):
inde vocor Ianus; cui cum Ceriale sacerdos
imponit libum farraque mixta sale,
nomina ridebis: modo namque Patulcius idem




anmerk. Bei Patulcius und Clusius dürfte es sich um ursprüngich eigenständige, aber in Vergessenheit geratene Gottheiten handeln, deren Namen auf Janus übertragen wurden. Durchaus nachvollziehbar hat man die Namen etymologisch mit "patere" und "claudere" in Verbindung gebracht.
Über des Himmels Portal wach' ich mit den huldigen Horen,
Ein- oder Ausgang hat Jupiter selber durch mich.
Janus heißt ich darum. Legt Dinkel mit Salze gemischt und
Fladen der Ceres mein Priester mir auf den Altar,
Lachst du der Namen wohl gar. Denn bald Patulcius heiß' ich,
et modo sacrifico Clusius ore vocor.
scilicet alterno voluit rudis illa vetustas
nomine diversas significare vices.
vis mea narrata est; causam nunc disce figurae:
iam tamen hanc aliqua tu quoque parte vides.
 
Bald aus des Opferers Mund Clusius werd' ich genannt.
Denn mit verschiedenen Namen versinnlichen wollte die rohe
Vorzeit meines Berufs wechselnde Kreise dereinst.
Hast mein Amt du erkannt, jetzt höre den Grund der Gestaltung,
Wenngleich teilweis du selbst ihn durchschautest bereits.
omnis habet geminas, hinc atque hinc, ianua frontes,
e quibus haec populum spectat, at illa Larem,
utque sedens primi vester prope limina tecti
ianitor egressus introitusque videt,
sic ego perspicio caelestis ianitor aulae
 
Hat zwei Fronten doch, hüben und Rüben, ein jegliches Haustor:
Führet die ein' in die Welt, führet die andre zum Herd.
Gleichwie, hart an der äußersten Schwelle des Hauses gelagert,
Kommen und Gehen in acht nehmen die Pförtner bei euch:
Also durchschau' ich zugleich als der Pförtner der himmlischen Halle,
Eoas partes Hesperiasque simul.
 
Was in der Welten Bezirk Eos und Hesper bescheint.
Übers. nach E. Klußmann bearbeitet von E. Gottwein
Sententiae excerptae:w38
1991 'omina principiis' inquit 'inesse solent.
  Janus: "Ein jeder Beginn zeichnet die Spur des Verlaufs." / Der Anfang eröffnet gewöhnlich einen Blick auf das Ende.
  Ov.fast.1,178
1996 aera dabant olim: melius nunc omen in auro est
  Einst gab Erz man. Doch jetzt liegt besseres Zeichen im Golde
  Ov.fast.1,221
78 est deus in nobis, agitante calescimus illo.
  es ist ein Gott in uns; wenn er sich regt, erglühen wir.
  Ov.fast.6,5
1995 In pretio pretium nunc est: dat census honores
  Nichts hat Klang, als die klingende Münz', Ehr' einzig der Beutel
  Ov.fast.1,217
1997 laudamus veteres, sed nostris utimur annis
  Loben die Ahnen wir gleich, wir schmiegen uns dennoch der Zeit an
  Ov.fast.1,225
1998 nos quoque templa iuvant, quamvis antiqua probemus, / aurea: maiestas convenit ipsa deo.
  Mich selbst freuen die Tempel von Gold, wenngleich ich das alte Vorzieh'; die Hoheit ziemt vor allem dem Gott.
  Ov.fast.1,223f.
1993 pluris opes nunc sunt quam prisci temporis annis
  Nicht so fragte dem Haben man nach zu den Zeiten der Ahnen
  Ov.fast.1,197.
189 tempora labuntur tacitisque senescimus annis | et fugiunt freno non remorante dies
  die Zeit entgleitet, wir altern still mit den Jahren | und es entfliehen, ohne dass ein Zügel sie hemmt, die Tage
  Ov.fast.6,771
1992 tempore crevit amor, qui nunc est summus, habendi: / vix ultra quo iam progrediatur habet.
  Habgier wuchs mit der Zeit, und am höchsten ist jetzt sie gewachsen; / Wollte sie weiter hinaus, fehlt' es ihr wahrlich an Raum.
  Ov.fast.1,195f.
Literatur:
20 Funde
4182  Ovid / Albrecht
Metamorphosen : lateinisch, deutsch / P. Ovidius Naso. Übers. und hrsg. von Michael von Albrecht,
Stuttgart : Reclam, 2010
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4194  Ovid / Anderson
Ovid's Metamorphoses. Ed. with introduction and commentary by William Scovil Anderson Books 1-5. Book 6-10.
University of Oklahoma Press, 1972 ff.
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4185  Ovid / Benedicter, Maier, Rieger
Ovid, Metamorphosen und andere Dichtungen mit Begleittexten, bearbeitet von Benedicter, Maier, Rieger
Bamberg : Buchner, 1/1988 (Ratio 15)
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4184  Ovid / Bernert
Ovidius, Auswahl aus den Metamorphosen, Fasten und Tristien; mit einem Anhang: Fabeln des Phaedrus. Text / Kommentar. Neu hg. v. Dr. Ernst Bernert
Paderborn, Schöningh
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4193  Ovid / Bömer
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen, Kommentar. I. Buch 1-3, 1966 II. Buch 4-5,1976 III. Buch 6-7 IV. Buch 8-9, 1977 V. Buch 10-11, 1980 VI. Buch 12-13, 1982 VII. Buch 14-15, 1986.
Heidelberg, Winter, 1966-1986
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4191  Ovid / Borgmann
P. Ovidius Naso, Metamorphosen und Elegien. Auswahl v. Dr. J. Borgmann. Text- und Komentarheft.
Heidelberg, Quelle & Meyer, 5, A.
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4195  Ovid / Bosselaar
P. Ovidii Nasonis Metamorphoseon libri I-XV. Textus et commentarius. Naar de Editie van D.E. Bosselaar in vijfde Druck uitgegeven door Boricus A. van Proosdij.
Leiden 1968.
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4196  Ovid / Breitenbach
Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. Epos in 15 Büchern. Übersetzt und hg. von Hermann Breitenbach.
Zürich 2,1964.
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4183  Ovid / Divjak / Ratkowitsch
Ovid, Textband, Kommentar
Wien, Hölder-Pichler-Tempsky / München, Oldenbourg
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4199  Ovid / Eichert
Vollständiges Wörterbuch zu den Verwandlungen des Publius Ovidius Naso
Hildesheim, Olms, 1972 (Ndr. Hannover 1878)
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4200  Ovid / Gierig
P. Ovidii Nasonis Metamorphoses. Recensuit, varietate lectionis notisque instruxit Gottlieb Erdmann Gierig. Index verborum. Index nominum. I. Buch 1-7 II. Buch 8-15
Lipsiae (Sumtu E.B.Schwickerti) 3/1821
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4192  Ovid / Haupt, Ehwald
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen, hg. u. erkl. v. M. Haupt und R. Ehwald, korrig. und. bibliograph. erg. v. M.v.Albrecht. Bd. I: Buch 1-7 Bd. II: Buc 8-15-
Zürich, Dublin 5,1966
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4187  Ovid / Hauser
Publius Ovidius Naso, Ausgewählte Dichungen. Mit Einleitung und Namensverzeichnis hg. v. G. Herzog-Hauser. 10. Aufl. durchgesehen v. Gr. H. Malicsek. Text- und Kommentarband
München, Freytag
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4188  Ovid / Lorenz
Publius Ovidus Naso, Metamorphosen. Auswahl, eingeleitet und erläutert von Dr. Siegfried Lorenz.
Braunschweig [u.a.], Westermann, 5/1959
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4201  Ovid / Rode, Fink
Ovid, Metamorphosen. Das Buch der Mythen und Verwandlungen. ach der ersten deutschen Prosaübersetzung durch August v. Rode neu übersetzt und herausgegeben v. Gerhard Fink.
Patros, Albatros, 2005
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4197  Ovid / Rösch
Publius Ovidius Naso: Metamorphosen. In deutsche Hexameter übertragen und hg. von Erich Rösch. Mit einer Einführung von Niklas Holzberg.
München, Zürich 11,1988.
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4204  Ovid / Rubricastellanus, Frei
P. Ovidii Nasonis Metamorphoses selectae, composuit Rubricastellanus, pinxit Martin Frei.
Stuttgart, Klett 1/1997
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4189  Ovid / Slaby
P. Ovidius Naso. Eine Auswahl aus dem Gesamtwerk, Für den Schulgebrauch hg. und erläutert v. Helmut Slaby
Frankfurt [u.a.], Diesterweg 4,1972
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4198  Ovid / Suchier
Publius Ovidius Naso. Metamorphosen. Übers. v. R. Suchier
München 1959
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4206  Ovid / Suchier
Publius Ovidius Naso, Metamorphosen, mit den Radierungen von pablo Picasso. Übersetzung von Suchier.
Wiesbaden (Drei Lieien Verlag)
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