Nostri consocii (Google, Affilinet) crustulis memorialibus utuntur. Concedis, si legere pergis.
 
 
 

Publius Ovidius Naso

Fasti - Fasten

LIBER I - lateinisch - deutsch

6. Paganalia: Tellus und Ceres (1,663-696)

 
vorherige Seite folgende Seite
 

 
     
  6. Paganalia (1,663-696)  
     
state coronati plenum ad praesepe, iuvenci:
cum tepido vestrum vere redibit opus.
Stehet, ihr Farren, bekränzt an den reichlich versehenen Krippen!
Ruft doch zur Arbeit erst wieder der lauliche Lenz.
rusticus emeritum palo suspendat aratrum:
omne reformidat frigore volnus humus.
vilice, da requiem terrae semente peracta;
da requiem, terram qui coluere, viris.
pagus agat festum: pagum lustrate, coloni,
Aus hat gedient der Pflug; drum häng' an den Pfahl ihn der Landmann:
Jeden verwundenden Schnitt weigert der Boden im Frost.
Gönn', o Verwalter, der Erde die Rast nach vollendeter Aussaat,
Gönne den Männern die Rast, die dir bestellten das Feld!
Festschmuck zeige das Dorf. EntsĂĽhnet das Dorf, ihr Bewohner,
et date paganis annua liba focis.
placentur frugum matres, Tellusque Ceresque,
farre suo gravidae visceribusque suis:
officium commune Ceres et Terra tuentur;
haec praebet causam frugibus, illa locum.
Weihet auf ländlichem Herd Gaben des Danks für das Jahr!
Sühnend mit eigenem Spelt und Geweide des trächtigen Schweines,
Fleht zu den MĂĽttern der Frucht, Tellus und Ceres zugleich!
Üben doch einen Beruf Ceres und die göttliche Erde:
Bietet die eine den Keim, bietet die andre den Raum.
consortes operis, per quas correcta vetustas
quernaque glans victa est utiliore cibo,
frugibus immensis avidos satiate colonos,
ut capiant cultus praemia digna sui.
vos date perpetuos teneris sementibus auctus,
O werkeinige Mächte, durch die sich entwildert die Vorzeit
Hat, und des Eichbaums Nuss wich der veredelten Frucht,
Stillt – nie wird's ihm zuviel – mit dem reichsten Ertrage den Landmann,
Dass ihm ein wĂĽrdger Gewinn lohne die MĂĽhen des Jahrs!
Schenket ein dauernd Gedeihen den zart aufkeimenden Saaten,
nec nova per gelidas herba sit usta nives.
cum serimus, caelum ventis aperite serenis;
cum latet, aetheria spargite semen aqua.
neve graves cultis Cerialia rura cavete
agmine laesuro depopulentur aves.
Lasst nie frostigen Schnee töten das werdende Grün!
Heitert den Himmel uns auf, wenn wir säen, durch klärende Winde!
Träufelt ätherisches Nass, birgt sie die Erd', auf die Saat!
Wacht über Ceres' Geschenk, dass es nimmer verwüsten die Vögel,
Die unzähligen Schwarms zieh'n zu der Fluren Verderb!
vos quoque, formicae, subiectis parcite granis:
post messem praedae copia maior erit.
interea crescat scabrae robiginis expers
nec vitio caeli palleat ulla seges,
et neque deficiat macie nec pinguior aequo
Unter der Erd' auch schont, ihr Ameisen, keimende Körner:
Größerer Beute Gewinn stellt nach der Ernte sich ein.
Wachse derweil die Saat, stets frei von zerfressendem Mehltau;
Nimmer verkümmere sie, schädlichen Lüften ein Raub!
Nicht auch kränk'le sie mager dahin, noch werde sie jemals
divitiis pereat luxuriosa suis;
et careant loliis oculos vitiantibus agri,
nec sterilis culto surgat avena solo;
triticeos fetus passuraque farra bis ignem
hordeaque ingenti fenore reddat ager.
Unter der eigenen Last ĂĽppigen Wuchers erstickt!
Fern von den Fluren verbleibe das augenverderbenden Tollkorn,
Kein Flughafer empor steig' auf bebauetem Feld!
Weizen und Hafer und Spelt, der zweimal duldet am Feuer
Gebe mit reichstem Ertrag wieder der Acker zurĂĽck!
haec ego pro vobis, haec vos optate coloni,
efficiatque ratas utraque diva preces.
Solches erfleh' ich fĂĽr euch, Landbauer, erflehet es selber!
Möchtet, o Göttinnen, ihr hören auf unser Gebet!
  Ăśbers. nach E. KluĂźmann bearbeitet von E. Gottwein