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Gaius Petronius Arbiter

Satyricon

In der Bildergalerie, Eumolpus' Gedicht vom Fall Troias

Petron.88,1-90,7

 
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(88,1) erectus his sermonibus consulere prudentiorem coepi . . . aetates tabularum et quaedam argumenta mihi obscura simulque causam desidiae praesentis excutere, cum pulcherrimae artes perissent, inter quas pictura ne minimum quidem sui vestigium reliquisset. (88,2) tum ille 'pecuniae' inquit 'cupiditas haec tropica instituit. priscis enim temporibus, cum adhuc nuda virtus placeret, vigebant artes ingenuae summumque certamen inter homines erat, ne quid profuturum saeculis diu lateret. (88,3) itaque hercule herbarum omnium sucos Democritus expressit et, ne lapidum virgultorumque vis lateret, aetatem inter experimenta consumpsit. (88,4) Eudoxos [quidem] in cacumine excelsissimi montis consenuit, ut astrorum caelique motus deprehenderet, et Chrysippus, ut ad inventionem sufficeret, ter elleboro animum detersit. (88,5) verum ut ad plastas convertar, Lysippum statuae unius lineamentis inhaerentem inopia extinxit, et Myron, qui paene animas hominum ferarumque aere comprehendit, non invenit heredem. (88,6) at nos vino scortisque demersi ne paratas quidem artes audemus cognoscere, sed accusatores antiquitatis vitia tantum docemus et discimus. (88,7) ubi est dialectica? ubi astronomia? ubi sapientiae †consultissima† via? quis umquam venit in templum et votum fecit, si ad eloquentiam pervenisset? quis, si philosophiae fontem attigisset? (88,8) ac ne bonam quidem mentem aut bonam valetudinem petunt, sed statim antequam limen [Capitolii] tangant, alius donum promittit, si propinquum divitem extulerit, alius, si thesaurum effoderit, alius, si ad trecenties sestertium salvus pervenerit. (88,9) ipse senatus, recti bonique praeceptor, mille pondo auri Capitolio promittere solet et, ne quis dubitet pecuniam concupiscere, Iovem quoque peculio exornat. (88,10) noli ergo mirari, si pictura defecit, cum omnibus diis hominibusque formosior videatur massa auri quam quicquid Apelles Phidiasque, Graeculi delirantes, fecerunt. 88. Da diese ErzĂ€hlung meinen Mut wieder belebt hatte, wandte ich mich an den erfahreneren Mann. Ich fragte nach dem Alter der Bilder, nach dem Sinn einiger Darstellungen, der mir dunkel war, und nach der Ursache des jetzigen Nachlassens der KĂŒnste: die Glanzleistungen wĂ€ren erstorben, von denen die Malkunst nicht den leisesten Schatten ihrer BlĂŒte bewahrt hĂ€tte. "Es ist die Geldgier", sagte er, "die diesen Wandel geschaffen hat. In alten Zeiten, als noch die schlichte Tugend in Ehre stand, blĂŒhten die freien KĂŒnste, und es war unter den Menschen der grĂ¶ĂŸte Wetteifer, nichts im Verborgenen zu lassen, was kĂŒnftigen Jahrhunderten nĂŒtzen könnte. So hat Demokrit den Saft aller Pflanzen ausgepresst und sein Leben mit Experimenten hingebracht, damit die KrĂ€fte der Steine und StrĂ€ucher nicht unerforscht blieben. Eudoxos alterte auf dem Gipfel des höchsten Berges, um die Bewegung der Sterne und des Himmels zu erforschen; Chrysipp hat seinen Geist dreimal mit Nieswurz gereinigt, damit er fĂŒr Erfindungen tĂŒchtig wĂŒrde. Und wenn ich mich der Plastik zuwende: Lysipp starb vor Entbehrung, als er in die LinienfĂŒhrung einer einzigen Statue vertieft war, und Myron ist, der fast die Seelen der Menschen und Tiere in Erz festgehalten hatte, hinterließ seinen Erben nichts. Wir dagegen, in Weingenuss und Dirnenknechtschaft versunken, bringen es nicht einmal zu einem VerstĂ€ndnis der fertigen Kunstwerke, sondern lernen und lehren als Kritiker des Altertums nur Falsches und Fehlerhaftes. Wo finden wir Dialektik? Wo die wohlgepflegten Wege der Philosophie? Kommt jemals einer in den Tempel und tut GelĂŒbde, um in den Besitz der Beredsamkeit zu gelangen? Oder um zu den Quellen der Philosophie vorzudringen? Nicht einmal fĂŒr einen gesunden Geist und fĂŒr gute Gesundheit betet man, nein, sogleich beim Betreten der Schwelle des kapitolinischen Iupiter gelobt ihm der eine ein Geschenk, wenn er seinen reichen Verwandten zu Grabe tragen dĂŒrfe, ein anderer, wenn er einen Schatz hebe, wieder ein anderer, wenn er es glĂŒcklich zu drei Millionen brĂ€chte. Sogar der Senat, der Lehrmeister des Rechten und Guten, pflegt dem Kapitoliner tausende Pfunde Goldes zu versprechen und schmĂŒckt den Jupiter auch mit ReichtĂŒmern aus, damit nur ja keiner Bedenken trage, sich Geld zu erbitten. Drum wundere dich nicht, wenn die Malerei zurĂŒckgeht, da ein Klumpen Gold allen Göttern und Menschen von grĂ¶ĂŸerer Schönheit zu sein scheint als alles, was ein Apelles, ein Phidias, diese nĂ€rrischen Griechlein, geschaffen haben.
(89,1) sed video te totum in illa haerere tabula, quae Troiae halosin ostendit. itaque conabor opus versibus pandere: 89. Aber ich sehe dich ganz schön versunken in dieses Bild da, das die Einnahme von Troia darstellt. Ich will daher versuchen, das Werk durch Verse zu beleben:
(89,1vs) iam decuma maestos inter ancipites metus
Phrygas obsidebat messis et vatis fides
Calchantis atro dubia pendebat metu,
cum Delio profante caesi vertices
5 Idae trahuntur scissaque in molem cadunt
robora, minacem quae figurabunt equum.
aperitur ingens antrum et obducti specus,
qui castra caperent. huc decenni proelio
irata virtus abditur, stipant graves
10 Danai recessus, in suo voto latent.
o patria, pulsas mille credidimus rates
solumque bello liberum: hoc titulus fero
incisus, hoc ad fata compositus Sinon
firmabat et mens semper in damnum potens.
15 iam turba portis libera ac bello carens
in vota properat. fletibus manant genae
mentisque pavidae gaudium lacrimas habet.
quas metus abegit. namque Neptuno sacer
crinem solutus omne Laocoon replet
20 clamore vulgus. mox reducta cuspide
uterum notavit, fata sed tardant manus,
ictusque resilit et dolis addit fidem.
iterum tamen confirmat invalidam manum
altaque bipenni latera pertemptat. fremit
25 captiva pubes intus, et dum murmurat,
roborea moles spirat alieno metu.
ibat iuventus capta, dum Troiam capit,
bellumque totum fraude ducebat nova.
ecce alia monstra: celsa qua Tenedos mare
30 dorso replevit, tumida consurgunt freta
undaque resultat scissa tranquillo †minor† ,
qualis silenti nocte remorum sonus
longe refertur, cum premunt classes mare
pulsumque marmor abiete imposita gemit.
35 respicimus: angues orbibus geminis ferunt
ad saxa fluctus, tumida quorum pectora
rates ut altae lateribus spumas agunt.
dat cauda sonitum, liberae ponto iubae
consentiunt luminibus, fulmineum iubar
40 incendit aequor sibilisque undae fremunt.
stupuere mentes. infulis stabant sacri
Phrygioque cultu gemina nati pignora
Lauconte. quos repente tergoribus ligant
angues corusci. parvulas illi manus
45 ad ora referunt, neuter auxilio sibi,
uterque fratri: transtulit pietas vices
morsque ipsa miseros mutuo perdit metu.
accumulat ecce liberûm funus parens,
infirmus auxiliator. invadunt virum
50 iam morte pasti membraque ad terram trahunt.
iacet sacerdos inter aras victima
terramque plangit. sic profanatis sacris
peritura Troia perdidit primum deos.
iam plena Phoebe candidum extulerat iubar
55 minora ducens astra radianti face,
cum inter sepultos Priamidas nocte et mero
Danai relaxant claustra et effundunt viros.
temptant in armis se duces, veluti solet
nodo remissus Thessali quadrupes iugi
60 cervicem et altas quatere ad excursum iubas.
gladios retractant, commovent orbes manu
bellumque sumunt. hic graves alius mero
obtruncat et continuat in mortem ultimam
somnos, ab aris alius accendit faces
65 contraque Troas invocat Troiae sacra.'
  "Schon kam zum zehnten Mal der Sommer wieder,
Doch eingekerkert noch in ihren Mauern
Erzitterten die Phryger vor den Griechen,
Die aber packte sorgenvoller Zweifel
An dem, was Kalchas' Mund verkĂŒndet hatte,
Als auf des delphischen Apoll Orakel
5] Sich Eichen von des Ida Gipfel stĂŒrzten,
Aus denen sich eine Ross die Griechen bauten,
In dessen Riesenleib sich bergen konnte
Ein ganzes Lager Waffentragender.
Erbittert ĂŒber die zehnjĂ€hrgen KĂ€mpfe,
Verbargen sich darin der Griechen Helden,
10] Gar dicht gedrÀngt in ihrem Heiligtum,
Und fĂŒhrten so den Krieg mit neuen Listen.
O, Vaterland, wie erwÀhnten schon, die Flotte
Mit ihren tausend Schiffen wÀr' vertrieben
Und unser Boden wÀr' des Krieges ledig!
Darin bestÀrkt uns, was auf dem Rosse
Mit Erz geschrieben war, darin die TĂ€uschung,
Die Sinon sich ersann, und unser Leichtsinn,
Der immer, uns zum Schaden, wirksam war.
15] Aus Troias Toren drÀngt die freie Menge,
Vom Krieg erlöst, zu dem Geschenk der Griechen.
Da rollen FreudentrÀnen von den Wangen,
Die bange Sorge schlÀgt ihn Wonnen um,
Die ihnen jede Furcht bemeistern. Sieh, da nahet
Laokoon, der Priester des Neptunus,
Und drÀngt sich schreiend durch die Menschenmenge.
20] Er zĂŒckt den Speer und trifft den Leib des Rosses,
Allein das Unheil schwÀcht ihm seine Rechte,
Ab springt der Speer, in unserem Wahn uns stÀrkend.
Noch einmal rafft er seine Kraft zusammen,
Erprobt sie mit der Axt an dessen Weichen.
25] Die Helden drinnen ĂŒberfĂ€llt ein Schauer,
Ein dumpfes Murren tönt, dem Holzkolosse
EntfĂ€hrt ein Schnauben unbekannter Ängste.
Nun zog man die gefangnen jungen Helden
Zur Stadt hinauf zu unserm eignen Unheil.
Doch sieh, ein neues Wunder! Wo die Höhe
30] Von Tenedos sich breit im Meere lagert,
Wo Fluten wild sich bÀumen und die Woge
Zerschellt zurĂŒckspringt und in Gischt sich wandelt,
Von wo in stiller Nacht der Schlag der Ruder
Weithin ertönt, so oft auf MeeresrĂŒcken
Die Flotten lasten, und die MarmorflÀchen,
Vom Ruderschlag getroffen, klagend rauschen,
35] Da sehen wir zwei Schlangen Fluten werfen,
Die an den Klippen branden; hohen Schiffen
Vergleichbar wirbeln sie mit ihren Leibern
Der Wellen Schaum empor. Die SchwÀnze klatschen,
Befreite Inseln, die mit ihrem Glitzern
Dem Meere gleichen. Ihre FeuerkÀmme
40] EntzĂŒnden auch die Fluten, die erzittern
Vor ihres Zischens Wut. Ein starres Staunen!
Mit ihren heilgen Priesterbinden standen
In frommer Phrygertracht die beiden Söhne
Laokoons, die PfÀnder reiner Liebe.
Und plötzlich ketten sie mit ihren Leibern
Die Feuerschlangen enge aneinander.
Nach Hilfe strecken sie die zarten HĂ€nde,
45] Denn keiner kann sich selbst und keiner kann auch
Den Bruder retten: Einer ist im Wechsel
Besorgt nur um den andern, gegenseitig
Ist ihre Furcht, und jeder von den Armen
Erleidet fĂŒr den Bruder Todesqualen.
Und sieh, freiwillig mehrt die Zahl der Opfer
Ihren Vater, dem die Kraft zur Rettung mangelt:
50] Die Schlangen, von dem Mord gemĂ€stet, stĂŒrzen
Sich auf den Alten, ziehen ihn zu Boden.
So liegt der Priester zwischen den AltÀren
Als Opfer da und wÀlzt sich auf der Erde.
O, Ilion, so hast du deine Götter
GeschÀndet, dir den Untergang bereitet!
Schon hob in vollem Silberglanze Luna
Ihren Strahlenhaupt, mit ihrer hellen Fackel
55] Die kleinen Sterne fĂŒhrend. Wie begraben
Im Schlaf und Rausche lagen die Trojaner.
Da lösten auf des Rosses innre Riegel
Die Griechenhelden, selber sich befreiend.
Die FĂŒhrer ĂŒbten sich in ihren Waffen.
So schĂŒttelt, seiner Fesseln ledig, seinen
Gewölbten Nacken und die stolze MÀhne
60] Vorm Rennen auch der Hengst von edlem Blute.
Man zĂŒckt die Schwerter, nimmt zur Hand die Schilde,
Der Kampf beginnt. Der eine schlachtet Feinde,
Die schwerer Wein bezwang, und gibt so diesen
Zum letzten Schlaf die Ewigkeit des Todes.
Und der entzĂŒndet Fackeln am Altare
65] Und ruft die HeiligtĂŒmer Troias selber
Herbei zum Kampfe gegen die Trojaner."
(90,1) * ex is, qui in porticibus spatiabantur, lapides in Eumolpum recitantem miserunt. at ille, qui plausum ingenii sui noverat, operuit caput extraque templum profugit. (90,2) timui ego ne me poetam vocaret . itaque subsecutus fugientem ad litus perveni, et ut primum extra teli coniectum licuit consistere, (90,3) 'rogo' inquam 'quid tibi vis cum isto morbo? minus quam duabus horis mecum moraris, et saepius poetice quam humane locutus es. (90,4) itaque non miror, si te populus lapidibus persequitur. ego quoque sinum meum saxis onerabo, ut quotiescumque coeperis a te exire, sanguinem tibi a capite mittam'. (90,5) movit ille vultum et 'o mi' inquit 'adulescens, non hodie primum auspicatus sum. immo quotiens theatrum, ut recitarem aliquid, intravi, hac me adventicia excipere frequentia solet. (90,6) ceterum ne [et] tecum quoque habeam rixandum, toto die me ab hoc cibo abstinebo'. 'immo' inquam ego 'si eiuras hodiernam bilem, una cenabimus' * 90. Von den Leuten, die in den SĂ€ulenhallen lustwandelten, warfen manche Steine nach dem deklamierenden Eumolpus. Er kannte schon diesen Beifall fĂŒr sein Talent, zog sich den Mantel ĂŒber den Kopf und floh aus dem Bereich des Tempels. Ich war in Angst, sie könnten mich verwunden, folgte ihm daher bei seiner Flucht und kam an den Strand. Sobald wir außer dem Bereich der SteinwĂŒrfe haltmachen konnten, fragte ich ihn: "Bitte, was willst du nun mit deiner Torheit? Du bist noch nicht zwei volle Stunden mit mir beisammen, und da hast du mehr in Versen als in natĂŒrlicher Sprache gesprochen. Kein Wunder, wenn dir die Leute mit Steinen nachstellen. Ich werde mir auch den Gewandbausch mit Steinen vollpacken, um dir die Hitze aus dem Kopf zu treiben, so oft du außer dem HĂ€uschen zu geraten drohst." Dann nahm er einen anderen Gesichtsausdruck an und sagte: "Mein junger Freund, das ist heute nicht das erste Mal, dass ich solches erfahre. Nein, allemal wenn ich zum Deklamieren ins Theater komme, bereitet wie die Menge einen solchen Empfang. Übrigens, um zu verhĂŒten, dass nicht auch du mit jedermann in Streit gerĂ€tst, wenn ich dich in meiner Gesellschaft habe, so will ich mich heute wĂ€hrend des ganzen Tages dieser meiner Kost enthalten." "Jawohl," sagte ich, "wenn du fĂŒr heute deiner Dichtwut abschwörst, wollen wir zusammen speisen."
  Ich gebe einem Portier des HĂ€uschens den Auftrag, fĂŒr ein bescheidenes Mahl zu sorgen.
Übersetzung: (nach) L.Gurlitt  
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Sententiae excerptae:
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Literatur:

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