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Publius Cornelius Tacitus

Historiae

1,1-3

Prooemium

 
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1
Initium mihi operis Servius Galba iterum Titus Vinius consules erunt. nam post conditam urbem octingentos et viginti prioris aevi annos multi auctores rettulerunt, dum res populi Romani memorabantur, pari eloquentia ac libertate: postquam bellatum apud Actium atque omnem potentiam ad unum conferri pacis interfuit, magna illa ingenia cessere; simul veritas pluribus modis infracta, primum inscitia rei publicae ut alienae, mox libidine adsentandi aut rursus odio adversus dominantis: ita neutris cura posteritatis inter infensos vel obnoxios.Den Anfang dieses Werkes soll das zweite Konsulat des Servius Galba und das Konsulat des Titus Vinius bilden. Denn die achthundertzwanzig Jahre der früheren Zeit seit der Gründung Roms haben viele Geschichtsschreiber beschrieben; und zwar, solange die Geschichte des römischen Volkes erzählt wurde, mit ebenso viel Beredsamkeit wie Freimut. Seitdem aber nach dem Kampf bei Actium die Vereinigung aller Gewalt in einer Hand im Interesse des Friedens gefordert war, sind jene großen Talente verschwunden. Zugleich wurde die Wahrheit auf mancherlei Weise getrübt: einmal durch mangelnde Vertrautheit mit den öffentlichen Angelegenheiten, als wären sie fremd; sodann durch die Sucht zu schmeicheln oder umgekehrt durch den Hass gegen die Gewalthaber. So wurde von keiner Seite, weder von den Erbitterten noch von den Abhängigen, für die Nachwelt gesorgt.
sed ambitionem scriptoris facile averseris, obtrectatio et livor pronis auribus accipiuntur; quippe adulationi foedum crimen servitutis, malignitati falsa species libertatis inest.Indes kann man sich gegen die Gunstbuhlerei des Geschichtsschreibers leicht verschließen. Der Missgunst oder Scheelsucht aber leiht man leicht sein geneigtes Ohr. Ruht ja doch auf der Kriecherei der schimpfliche Vorwurf eines sklavischen Sinnes, während Gehässigkeit den falschen Schein des Freimuts an sich hat.
mihi Galba Otho Vitellius nec beneficio nec iniuria cogniti. dignitatem nostram a Vespasiano inchoatam, a Tito auctam, a Domitiano longius provectam non abnuerim: sed incorruptam fidem professis neque amore quisquam et sine odio dicendus est.Ich habe von Galba, Otho, Vitellius weder Wohltaten noch Kränkungen zu erfahren gehabt. Dass durch Vespasian meine äußere Würde begründet, von Titus weiter gefördert, von Domitian noch höher gehoben wurde, will ich nicht in Abrede stellen. Allein, wer sich einmal zu unbestechlichen Wahrheitsliebe bekannt hat, darf keinen mit Liebe oder Hass schildern.
quod si vita suppeditet, principatum divi Nervae et imperium Traiani, uberiorem securioremque materiam, senectuti seposui, rara temporum felicitate, ubi sentire, quae velis, et, quae sentias, dicere licet.Sollte mir das Leben vergönnt sein, so habe ich die Regierung des verewigten Nerva und die Herrschaft Traians als einen reichen und harmloseren Stoff für mein Alter vorbehalten, da uns das seltene Glück einer Zeit zu Teil wurde, in der man denken darf, was man will, und sagen, was man denkt.
anmerk.  
2
Opus adgredior opimum casibus, atrox proeliis, discors seditionibus, ipsa etiam pace saevum. quattuor principes ferro interempti: trina bella civilia, plura externa ac plerumque permixta: prosperae in Oriente, adversae in Occidente res: turbatum Illyricum, Galliae nutantes, perdomita Britannia et statim omissa: coortae in nos Sarmatarum ac Sueborum gentes, nobilitatus cladibus mutuis Dacus, mota prope etiam Parthorum arma falsi Neronis ludibrio.Ich beginne ein Werk, das reich ist an Wechselfällen, blutigen Schlachten, Zwietracht und Aufruhr, wo selbst der Friede voll Wut ist. Vier Fürsten durch Waffengewalt dhingerafft, drei Kriege unter Bürgern, mehrere auswärtige, oft auch beides zugleich; Erfolge im Morgenland, Unglück im Abendland; Illyrien unruhig, Gallien wankend; Britannien bezwungen und sogleich wieder aufgegeben; die Völker der Sarmaten und Sueben im Aufstand gegen uns; die Daker durch wechselseitige Niederlagen zu Ehren gekommen; beinahe auch ein Waffengang mit den Parthern durch das freche Trugspiel eines falschen Nero.
iam vero Italia novis cladibus vel post longam saeculorum seriem repetitis adflicta. haustae aut obrutae urbes fecundissima Campaniae ora; et urbs incendiis vastata, consumptis antiquissimis delubris, ipso Capitolio civium manibus incenso. pollutae caerimoniae, magna adulteria: plenum exiliis mare, infecti caedibus scopuli.Aber auch Italien von völlig neuen, oder doch erst nach langer Reihe von Jahrhunderten wiederholten Unglücksfällen betroffen: Städte verschlungen oder verschüttet auf Campaniens gesegneter Küste; die Hauptstadt durch Feuersbrünste verwüstet, uralte Tempel niedergebrannt, das Kapitol selbst durch Bürgerhände in Brand gesteckt; der Gottesdienst geschändet; Aufsehen erregende Ehebrüche; das Meer wimmelt von Verbannten, die Meeresfelsen von Mordblut befleckt.
atrocius in urbe saevitum: nobilitas, opes, omissi gestique honores pro crimine et ob virtutes certissimum exitium. nec minus praemia delatorum invisa quam scelera, cum alii sacerdotia et consulatus ut spolia adepti, procurationes alii et interiorem potentiam, agerent, verterent cuncta odio et terrore. corrupti in dominos servi, in patronos liberti; et quibus deerat inimicus per amicos oppressi.Grausamer noch das Wüten in der Stadt: Adel, Vermögen, verschmähte wie angenommene Ehrenstellen als Verbrechen angesehen; die Tugend vom sichersten Untergang bedroht. Die Belohnungen der Denunzianten nicht minder hassenswert als ihre Untaten, die, nachdem sie teils Priesterwürden und Konsulate, teils Prokuratorenstellen und geheimen Einfluss als Beute erjagt haben, alles durch Hass und Schrecken aufregen, umstürzen. Sklaven gegen ihre Gebieter, Freigelassene gegen ihre Schutzherrn gekauft; wer keinen Feind hat, durch Freundeshand zu Fall gebracht.
anmerk.  
3
Non tamen adeo virtutum sterile saeculum, ut non et bona exempla prodiderit. comitatae profugos liberos matres, secutae maritos in exilia coniuges: propinqui audentes, constantes generi, contumax etiam adversus tormenta servorum fides; supremae clarorum virorum necessitates fortiter toleratae et laudatis antiquorum mortibus pares exitus.Dennoch war dieses Zeitalter an Tugenden nicht so unfruchtbar, dass es nicht auch Vorbilder des Guten aufgestellt hätte: Mütter, die ihre flüchtigen Söhne begleiteten; Gattinnen, die ihren Männern in die Verbannung folgten; entschlossene Verwandte; standhafte Schwiegersöhne; Sklaven von unerschütterlicher Treue selbst der Folter gegenüber; hervorragende Männer, die, zum Äußersten gezwungen, die Schicksalsstunde selbst mannhaft ertrugen und deren Tod dem gepriesenen Ende von Männern der alten Zeit glichen.
praeter multiplicis rerum humanarum casus caelo terraque prodigia et fulminum monitus et futurorum praesagia, laeta tristia, ambigua manifesta; nec enim umquam atrocioribus populi Romani cladibus magisve iustis indiciis adprobatum est non esse curae deis securitatem nostram, esse ultionem.Außer diesen mannigfaltigen Wechselfällen menschlichen Geschicks Wunderzeichen am Himmel und auf der Erde, warnende Blitze und Andeutungen der Zukunft, frohe und traurige, zweifelhafte und offenkundige. Denn noch nie haben härtere Schläge des römischen Volkes, nie so untrügliche Zeichen dargetan, dass die Götter nicht unsere Sicherheit, sondern unsere Bestrafung wollen.
anmerk.  
     
  Deutsche Übersetzung nach: F.Baur bearbeitet von E.Gottwein    
       
Aufgabenvorschläge:
  1. Informieren Sie sich über die im Text genannten Personen und ihre Bedeutung für Tacitus und sein Werk: Servius Galba, Titus Vinius, Actium, Galba, Otho, Vitellius, Vespasian, Domitian, Nerva, Traian
  2. Inwiefern ist Actium für Tacitus ein epochales Ereignis?
Sententiae excerptae:w30
204 Vulgus, ut mos est, cuiuscumque motus novi cupidum
  Der Pöbel ist, wie es seine Art ist, auf jeden Umsturz versessen
  Tac.hist.1,80,2
Literatur:
27 Funde
4533  Ammann, Paul
Der künstlerische Aufbau von Tacitus, Historien I 12-II 51
Zürich (Leemann) 1931 (Bern, Univ., Diss., 1931)
4270  Büchner, Karl
Tacitus und Ausklang
Wiesbaden 1964 (Stud. zur röm. Lit. IV)
4536  Eisenhardt, Konrad
Über die Reden in den Historien und Annalen des Tacitus. Programm des K. Humanistischen Gymnasiums Ludwigshafen am Rhein, 1910/11 und 1911/12
Ludwigshafen am Rhein : Wörle, 1911
2083  Kierdorf, W.
Proömien zu Tacitus' Hauptwerken. Spiegel einer Entwicklung?
in: Gymn 85/1978
2086  Klingner, F.
Geschichte Kaiser Othos bei Tacitus
in: Studien, Zürich (Artemis) 1964
2087  Klingner, F.
Geschichte Kaiser Othos bei Tacitus. Historien
in: Pöschl: Tacitus, WBG 1969 (WdF 97)
2088  Klingner, F.
Geschichte Kaiser Othos bei Tacitus. Historien.Tac.Hist.Tac.hist.1,.Tac.hist.2,.Tac.hist.3,.Tac.hist.4,.Tac.hist.5,.
in: Pöschl: Tacitus, WBG 1969 (WdF 97)
2095  Klinz, A.
Eingang von Tacitus' Historien - Aufbau, Form, Gedankengang
in: AU VII 5,38
4534  Koester, Ferdinand
Der Marsch der Invasionsarmee des Fabius Valens vom Niederrhein nach Italien (Anfang 69 n. Chr., Untersuchungen über Tacitus, Historien I 61-66, II 14-15,27-30)
Münster, Phil. Diss. v. 23. Juli 1928
2100  Koestermann, E.
Charakterbild Galbas bei Tacitus. Historien.
in: Pöschl: Tacitus, WBG 1969 (WdF 97)
2120  Martin, J.
Zur Quellenfrage in den Annalen und Historien des Tacitus
Stuttgart (Kohlhammer) 1936
4517  Röver-Till
Lehrerkommentar zu Tacitus Annalen und Historien, I,II.
Stuttgart (Klett) 1962/1969
4531  Seyfarth, Wolfgang
Untersuchung zur Kompositionsweise des Tacitus in den Historien
B.-Hermsdorf (Möller) 1934 (Berlin, Univ., Diss., 1934)
4521  Stegner, Klaus
Die Verwendung der Sentenz in den Historien des Tacitus
Stuttgart (Steiner) 2004
4271  Syme, R.
Tacitus I,II
Oxford1958
2045  Tacitus / Bahrdt, C.F.
Sämtliche Werke. Übers. v. Carl Fr. Bahrdt.
Halle, J. J. Gebauer, 1781; Wien und Prag, Haas, 1796 / 1801; München / Leipzig, G. Müller 1918
4516  Tacitus / Baur
Des P.Cornelius Tacitus Werke, III. Abteilung: Geschichtsbücher (Historien), auf der Grundlage von H.Gutmann's Übersetzung neu bearbeitet von Dr.Ferdinand Baur.
Stuttgart (Metzler) 1857
4512  Tacitus / Greve
Tacitus, Auswahl aus den Annalen und Historien, herausgegeben v. Rudolf Greve, Text und Kommentar
Münster (Aschendorff) 5/1954
4511  Tacitus / Heraeus
Cornelii Taciti Historiarum libri qui supersunt. Schulausgabe von Dr. C.Heraeus, Bd. I-II
Leipzig, Berlin (Teubner) 4/1899, 5/1904
4527  Tacitus / Heubner
P. Cornelius Tacitus, Die Historien, Bd.1, Kommentar von Heinz Heubner.
Heidelberg (Winter) 1961
4509  Tacitus / Hross
Historien, lateinisch - deutsch ed. J. Borst unter Mitarbeit von Helmut Hross und elmut Borst
München (Heimeran) 2/1969
4535  Tacitus / Roth
P. Cornelius Tacitus' Werke, deutsch mit Erl., Rechtfertigungen u. geschichtl. Supplementen von Karl Ludwig Roth, Bdch. 7: Historien, Buch 1 - 5 nebst Summarien [Langenscheidtsche Bibliothek sämtlicher griechischen und römischen Klassiker, 107. 108]
Berlin-Schöneberg : Langenscheidt) 6,1917
4510  Tacitus / Sontheimer
Tacitus, Historien. Deutsche Gesamtausgabe, übersetzt und mit Anmerkungen versehen von Wilhelm Sontheimer
Stuttgart (Kröner) 1959
4532  Tacitus / Stegmann
P. Cornelius Tacitus. Annalen und Historien in Ausw. hrsg. von Carl Stegmann. Heft 1: Tiberus: Annalen I-VI nebst Ergänzungen aus Velleius, Sueton und Dio Cassius : Text m. Einl. (B. G. Teubners Schülerausgaben griechischer und lateinischer Schriftsteller). Heft 2: Nero (Annalen XII-XVI : Historien I-V)
Leipzig (u.a.) (Teubner) 5/1927, 1933
4518  Tacitus / Till
Cornelius TacitusHistoriarum Libri. Textbearbeitung mit krit. Anhangvon Dr. Rudolf Till. Einleitung mit Namensverzeichnis von Dr. Matthias Gelzer
Heidelberg (Kehrle) 1963
4520  Tacitus / Vretska
P. Cornelius Tacitus, Historien, Lateinisch/Deutsch. Übers. und hrsg. von Helmuth Vretska
Stuttgart (Reclam) 2009
4513  Tacitus / Wotke
Auswahl aus den Schriften des P. Cornelius Tacitus. Mit Einleitung und Namensverzeichnis herausgegeben von Dr. Friedrich Wotke. Text und Kommentar. 9. Auflage von Dr. H. Malicsek
München (G.Freytag Verlag) o.J.

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