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Lateinische Übungstexte zu Ciceros Reden mit einer wörtlichen deutschen Übersetzung und Anmerkungen. 

 

Besonders zur Vorbereitung auf das Latinum 

 
(Cic.Verr.2,1,46-48)

 

Cic.Verr.2,1,46-48

Cicero greift, um Verres zu charakterisieren und um zu zeigen, dass seine Verhaltensmuster eine lange Vorgeschichte haben, in die Jahre 80-79 zurück, in denen er unter dem siizilischen Statthalter Dolabella als Legatus diente.

(46) Delum venit <Gaius Verres>. Ibi ex fano Apollinis religiosissimo noctu clam sustulit signa pulcherrima atque antiquissima, eaque in onerariam navem suam conicienda curavit. Postridie cum fanum spoliatum viderent ii, qui Delum incolebant, graviter ferebant; est enim tanta apud eos eius fani religio atque antiquitas, ut in eo loco ipsum Apollinem natum esse arbitrentur. Verbum tamen facere non audebant, ne forte ea res ad Dolabellam ipsum pertineret.
Gaius Verres kam nach Delos. Dort schaffte er aus dem hochheiligen Tempel Apollons bei Nacht heimlich die schönsten und ältesten Standbilder fort und ließ sie in sein Lastschiff verladen. Als die Einwohner von Delos (diejenigen, die Delos bewohnten) am nächsten Tag den Tempel geplündert sahen, waren sie empört. Denn die Verehrung und das Alter dieses Tempels haben bei ihnen einen solchen Rang, dass sie glauben, an diesem Ort sei Apollon selbst geboren. Dennoch wagten sie es nicht, ein Wort darüber verlauten zu lassen, weil sie fürchteten, der Vorfall gehe auf Dolabella persönlich zurück.
Tum subito tempestates coortae sunt maximae, iudices, ut non modo proficisci cum cuperet Dolabella non posset, sed vix in oppido consisteret: ita magni fluctus eiciebantur. Hic navis illa praedonis istius, onusta signis religiosis, expulsa atque eiecta fluctu frangitur; in litore signa illa Apollinis reperiuntur; iussu Dolabellae reponuntur. Tempestas sedatur, Dolabella Delo proficiscitur.
Dann brachen plötzlich sehr heftige Stürme los, ihr Richter, so dass Dolabella, obwohl er es wünschte, nicht nur nicht abfahren konnte, sondern kaum in der Stadt bleiben konnte. So hohe Fluten wurden gegen das Land geworfen. Da wird jenes mit den heiligen Standbildern beladene Schiff dieses Räubers hinausgetrieben und von der Flut wieder an Land geworfen und geht zu Bruch. Am Strand finden sich jene Standbilder Apollons; auf Dolabellas Befehl werden sie zurückgestellt. Der Sturm legt sich, Dolabella reist aus Delos ab.
(47) Non dubito, quin, tametsi nullus in te sensus humanitatis, nulla ratio umquam fuit religionis, nunc tamen in metu periculoque tuo tuorum tibi scelerum veniat in mentem. Potestne tibi ulla spes salutis commoda ostendi, cum recordaris, in deos immortalis quam impius, quam sceleratus, quam nefarius fueris? Apollinemne tu Delium spoliare ausus es? Illine tu templo tam antiquo, tam sancto, tam religioso manus impias ac sacrilegas adferre conatus es? Si in pueritia non iis artibus ac disciplinis institutus eras, ut ea, quae litteris mandata sunt, disceres atque cognosceres, ne postea quidem, cum in ea ipsa loca venisti, potuisti accipere id, quod est proditum memoria ac litteris, (48) Latonam ex longo errore et fuga gravidam et iam ad pariendum temporibus exactis confugisse Delum atque ibi Apollinem Dianamque peperisse?
(47) Ich zweifle nicht, dass dir jetzt, obwohl du nie ein Gefühl der Menschlichkeit in dir hattest, nie Rücksicht auf Heiliges nahmst, in deiner Furcht und Gefahr deine Verbrechen in den Sinn kommen. Kann sich dir auch nur eine begründete Hoffnung auf Rettung zeigen, wenn du bedenkst, wie gottlos, wie verbrecherisch, wie frevelhaft du gegen Götter gewesen bist? Hast du es gewagt, den Apollon von Delos zu berauben? Hast du versucht, deine gottlosen und verruchten Hände an jenen so alten, so heiligen, so verehrten Tempel zu legen? Wenn du in deiner Kindheit nicht in den Kunstfertigkeiten und Fächern ausgebildet wurdest, dass du dir Wissen und Kenntnisse von dem, was schriftlich überliefert ist, hättest aneignen können, so konntest du nicht einmal später, als du in diese Gegen selbst kamst, dir sagen lassen (annehmen, erfahren), was mündlich und schriftlich (im Gedächtnis und im Schrifttum) überliefert ist, (nämlich) dass Latona (Leto) nach langem Umherirren und langer Flucht schwanger, als die Zeit zum Gebären schon abgelaufen war, auf Delos Zuflucht fand und dort Apollon und Artemis gebar?
Qua ex opinione hominum illa insula eorum deorum sacra putatur, tantaque eius auctoritas religionis et est et semper fuit, ut ne Persae quidem, cum bellum toti Graeciae, dis hominibusque, indixissent, et mille numero navium classem ad Delum adpulissent, quicquam conarentur aut violare aut attingere. Hoc tu fanum depopulari, homo improbissime atque amentissime, audebas? Fuit ulla cupiditas tanta, quae tantam exstingueret religionem? Et si tum haec non cogitabas, ne nunc quidem recordaris nullum esse tantum malum, quod non tibi pro sceleribus tuis iam diu debeatur?
Nach diesem Glauben der Menschen gilt jene Insel diesen Götten als heilig, und das Ansehen dieser kultischen Verehrung ist und war immer so groß, dass nicht einmal die Perser, als sie ganz Griechenland, den Göttern und Menschen, den Krieg erklärt hatten und mit einer Flotte von tausend Schiffen auf Delos landeten, versuchten, etwas zu verletzen oder auch nur anzurühren. Diesen Tempel wagtest du höchst verkommener und rasender Mensch, zu verheeren? War je eine Begierde so groß, eine so große Verehrung auszulöschen? Auch wenn du damals nicht darüber nachdachtest, wird dir nicht einmal jetzt bewusst, dass keine Strafe (kein Übel) so groß ist, dass sie (es) dir gemessen an deinen Verbrechen nicht schon längst geschuldet wird?
 
Cic.Arch.12-14 Cic.Catil.4,7 Cic.Deiot.12  Cic.Manil.65 Cic.Mur.6-7
Cic.Mur.83,9 Cic.Phil.3,1-5 Cic.Phil.4,11 Cic.Phil.5,42-45 Cic.Phil.5,49-51
Cic.Phil.7,19f; 27 Cic.Phil.8,8-10 Cic.Planc.64,7 Cic.Sest.46 Cic.Sest.50
Cic.S.Rosc.4-5 Cic.div.in Caec.11-14 Cic.div.in Caec.19-21 Cic.Verr.1,18 Cic.Verr.1,47-50
Cic.Verr.2,1,46-48 Cic.Verr.2,1,54-57 Cic.Verr.2,4,94-95   Lektuere

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