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Existenzphilosophie: A) Zitatensammlung

Diese Seite will ausgewählte Kapitel aus dem grundlegenden Buch von O.F. Bollnow [Existenzphilosophie, Stuttgart (Kohlhammer) 1949] für den Unterricht erschließen. Dazu verfährt sie doppelgleisig: A) Zitate von Kierkegaard, Heidegger, Japers und Rilke, die als Diskussionsgrundlage und Einstieg in ein Teilthema dienen, B) Interpretierende Exzerpte und Zusammenfassungen aus Bollnow. Beide Abschnitte sollen miteinander verlinkt werden.
[Alle Zitate sind aus Bollnow übernommen].

 

II. Der existierende Denker III. Die existentielle Erfahrung IV. Der Begriff der Existenz
V. Das Verhältnis zur Welt VI. Mensch und Gemeinschaft VII. Situation und Grenzsituation
  1. Der existierende Denker
    • (2) "Während das objektive Denken gegen das denkende Subjekt und dessen Existenz gleichgültig ist, ist der subjektive Denker an seinem Denken wesentlich interessiert: er existiert ja darin. (Kierk. VI 155)
    • Der abstrakte Denker muss sein Dasein "beiseitestellen, wie man einen Stock wegstellt" (Kierk. VII 2)
    • Das Existieren läßt sich nicht denken" (Kierk.)
    • "In der Existenz ist der Gedanke in einem fremden Medium" (Kierk. VII 29)
    • "Der Existierende denkt momentweise, er denkt im voraus und denkt hintennach. Sein Denken bekommt keine absolute Kontinuierlichkeit" (Kierk. VIII 26)

  2. Die existentielle Erfahrung
    • (4) Unamuno deutet den "Don Quijote" des Cervantes in eigenwilliger Weise: "Sicherlich wird es Leute geben, die es Don Quijote verargen werden, dass er Sancho von neuem aus seinem ruhigen und gemächlichen Leben herausriss, von seiner friedlichen Arbeit abzog und ihn dazu bestimmte, Frau und Kinder zu verlassen, um trügerischen Abenteuern nachzujagen... Es gibt kleinliche Geister, die da behaupten, es sei besser, ein sattes Schwein zu sein als ein unglücklicher Mensch; und es gibt auch solche, die die heilige Einfalt in allen Tonarten preisen. Allein, wer einmal von der Menschlichkeit gekostet hat, der zieht sie - selbst noch im tiefsten Unglück - der Sattheit des Schweines vor. Daher muss man die Seelen seiner Nächsten in Unruhe erhalten, indem man sie in ihren tiefsten Tiefen aufwühlt... Man soll die Seelen beunruhigen und eine mächtige Sehnsucht in ihnen entfachen, selbst wenn man überzeugt ist, dass sie das Ziel ihres Strebens nie erreichen werden. Man muss den Sancho aus seinem Heim herauslocken, ihn aus dem Kreise seiner Frau reißen und ihn dahin bringen, hinauszugehen, um nach Abenteuern zu suchen: man muss ihn zum Menschen machen. Es gibt eine tiefe, in sich verschlossene, innerliche Ruhe, und diese Ruhe kann nur errungen werden, wenn man die scheinbare Ruhe des häuslichen Friedens des häuslichen Friedens und des Landlebens von sich abschüttelt." (Miguel de Unamuno, Das Leben Don Quijotes und Sanchos, München, o.J. II 25f)

     

  3. Der Begriff der Existenz
    • (1) "Nie kann ich von mir selbst, als ob ich ein Bestand wäre, sagen, was ich sei" (Jasp. II 5)
    • "Existenzphilosophie würde sogleich verloren sein, wenn sie wieder zu wissen glaubt, was der Mensch ist (Jasp. Sit. 146)
    • dass "die Wesensbestimmung dieses Seienden (Existenz) nicht durch Angabe eines sachhaltigen Was vollzogen werden kann" (Heid. SuZ. 12)
    • Das Was-sein (essentia) dieses Seienden muss, sofern überhaupt davon gesprochen werden kann, aus seinem Sein (existentia) begriffen werden" (Heid. SuZ. 42)
    • "Das Wesen des Daseins liegt in seiner Existenz" (Heid. SuZ. 42)
    • "Die an diesem Seienden herausgestellten Charaktere sind daher nicht vorhandene 'Eigenschaften' eines so oder so 'aussehenden' Seienden, sondern je ihm mögliche Weisen zu sein und nur das" (Heid. SuZ. 42)
    • (2) "Das Selbst des Menschen" ist "ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält und in diesem Zu-sich-selbst-verhalten sich zu einem anderen (Gott) verhält" (Kierk. VIII 10)
    • "Existenz ist, was sich zu sich selbst und darin zu seiner Transzendenz verhält" (Jasp. I 15)
    • "Existenz ergreift sich in ihrer Freiheit nur, indem sie in demselben Akt zugleich ein ihr Anderes wahrnimmt" (Jasp. III 4)
    • "Existenz ist nur in bezug auf Transzendenz oder gar nicht" (Jasp. III 6)
    • "Das Dasein ist ein Seiendes, dem es in seinem Sein um dieses Selbst geht" (Heid. SuZ. 191 u.a.)
    • (3) "Singender steige, preisender steige zurück in den reinen Bezug" (Rilke III 356)
    • Der Mensch "eine Brücke und kein Zweck" (Nietzschwe  VI 6)
    • (4) "Nicht mein Dasein also ist Existenz, sondern der Mensch ist im Dasein mögliche Existenz" (Jasp. II 2)
    • "Dieses Seiende, das wir ja selbst sind..., fassen wir terminologisch als Dasein" / "Das Sein selbst, zu dem das Dasein sich so oder so verhalten kann und immer irgendwie verhält, nennen wir Existenz (Heid. SuZ. 7/12)
    • "Das 'Wesen' des Daseins liegt in seiner Existenz" (Heid. SuZ. 42)
    • (5) "die beiden Seinsmodi der Eigentlichkeit und Uneigentlichkeit" (Heig. SuZ. 43)
    • "Die Uneigentlichkeit bedeutet... nicht etwa ein 'weniger' Sein oder einen 'niedrigeren' Seinsgrad. Die Uneigentlichkeit kann vielmehr das Dasein nach seiner vollsten Konkretion bestimmen in seiner Geschäftigkeit, Angeregtheit, Interessiertheit, Genußfähigkeit" (Heid. SuZ. 43)
    • Dasein "seinem Wesen nach mögliches eigentliches" (Heid. SuZ. 42)

     

  4. Das Verhältnis zur Welt
    • (1) "Das In-der-Welt-sein überhaupt als Grundverfassung des Daseins" (Heid. SuZ. 52)
    • (2) "In der Existenz gibt es keine Identität von Denken und Sein" (Kierk. VII 27)
    • (3)
      "Und die findigen Tiere merken es schon,
      dass wir nicht sehr verläßlich zu Haus sind
      in der gedeuteten Welt" (Rilke III 259)
                 "Noch war die neue
      Stadt wie verwehrt, und die unüberredete Landschaft
      finsterte hin, als wär ich nicht. Nicht gaben die nächsten
      Dinge sich Müh, mir verständlich zu sein. An der Laterne
      drängte die Gasse herauf: ich sah, dass sie fremd war." (Rilke III 406)
    • (4) "die Geworfenheit dieses Seienden in sein Da" (Heid. SuZ. 133)

     

  5. Mensch und Gemeinschaft
    • (1) "Ich bin nur in Kommunikation mit den Anderen" (Jasp. II 50)
    • "Dasein ist wesenhaft Mitsein" (Heid. SuZ. 120)
    • "Auch das Alleinsein des Daseins ist Mitsein in der Welt. Fehlen kann der andere nur in einem und für ein Mitsein. Das Alleinsein ist ein defizienter Modus des Mitseins, seine Möglichkeit ist der Beweis für dieses" (Heid. SuZ 120)
    • (2) "Nichts bleibt als nur das gesellschaftliche Dasein, und ich bin darin, was ich in ihm an Rechten und Pflichten habe. Ein jeder ist im Prinzip wie der andere, nur noch ein Exemplar, das auf gleiche Art an den gesellschaftlichen Möglichkeiten, Versorgung, Arbeit und Genuß, teilnehmen soll. Als dieses soziale Ich werde ich alle" (Jasp. II 30)
    • "Im naiven Dasein tue ich, was alle tun, glaube, was alle glauben, denke, wie alle denken. Meinungen, Ziele, Ängste, Freuden übertragen sich von einem zum anderen, ohne dass er es merkt, weil eine ursprüngliche, fraglose Identifizierung aller stattfindet" (Jasp. II 51)
    • (3) "Die Sache ist so, weil man es sagt" (Heid. SuZ. 168)
    • "Das Gerede ist die Möglichkeit, alles zu verstehen ohne vorgängige Aneignung der Sache. Das Gerede behütet vor der Gefahr, bei einer solchen Zueignung zu scheitern" (Heid. SuZ. 169)
    • "Alles sieht aus wie echt verstanden, ergriffen und gesprochen und ist es im Grunde doch nicht" (Heid. SuZ. 175)
    • "verloren in die Öffentlichkeit des Man", "verfallen" an das Massendasein (Heid.)
    • (4) "Was man die Welt nennt, besteht aus lauter solchen Menschen, die sich sozusagen der Welt verschreiben" (Kierk. VIII 32)
    • (Die Welt nichts als die beiden Seinsweisen) "des Zuhandenen und Vorhandenen" (Heid. SuZ.)
    • (5) "existentielle Gemeinschaft", "existentielle Kommunikation" (Jasp.)
    • "eigentliches Mitsein" (Heid.)
    • "Ich kann nicht selbst werden, ohne in Kommunikation zu treten, und ich kann nicht in Kommunikation treten, ohne einsam zu sein. In aller Aufhebung der Einsamkeit durch Kommunikation wächst eine neue Einsamkeit, die nicht verschwinden kann, ohne dass ich selbst als Bedingung der Kommunikation aufhöre" (Jasp.II 61)
    • "Dieser Prozeß des Wirklichwerdens, des Offenbarwerdens vollzieht sich nicht in der isolierten Existenz, sondern nur mit dem Anderen. Ich bin als einzelner für mcih weder offenbar noch wirklich" (Jasp. II 65)
    • "liebender Kampf, in dem beide rückhaltlos sich zu zeigen und in Frage stellen zu lassen wagen" (Jasp. II 65)
    • (6) "Ich bin in Kommunikation mit dem (!) Anderen" (Jasp. II 50)
    • "Das Sein der Existenz aber, von dem getragen für uns im Dasein anderes Sein erst Gewicht hat, ist als die sich verwirklichende Unbedingtheit die Gemeinschaft, welche gestiftet wird, geschichtlich bleibt und nie bestätigt wird" (Jasp. II 427f.)

     

  6. Situation und Grenzsituation
    • (1) Situation heißt eine nicht nur naturgesetzliche, vielmehr sinnbezogene Wirklichkeit, die weder psychisch noch physisch, sondern beides zugleich als die konkrete Wirklichkeit ist, die für mein Dasein Vorteil oder Schaden, Chance oder Schranke bedeutet" (Jasp. II 202)
    • (2) Weil Dasein ein Sein in Situation ist, so kann ich niemals aus der Situation heraus, ohne in eine andere einzutreten" (Jasp. II 203)
    • (3) ("Grenzsituationen":)
      • grundsätzliche Situationsverhaftetheit
      • Tatsache, dass ich sterben muss
      • Unvermeidbarkeit von Schuld
      • Ausgeliefertsein an den Zufall
      • Unvermeidbarkeit von Leiden und Schmerz
      • Notwendigkeit von Kampf zur Selbstbehauptung
    • "Sie (die Grenzsituationen) wandeln sich nicht, sondern nur in ihrer Erscheinung; sie sind, auf unser Dasein bezogen, endgültig. Sie sind nicht überschaubar; in unserem Dasein sehen wir hinter ihnen nichts anderes mehr. Sie sind wie eine Wand, an die wir stoßen, an der wir scheitern. Sie sind durch uns nicht zu verändern, sondern nur zur Klarheit zu bringen, ohne sie aus einem andern erklären und ableiten zu können. Sie sind mit dem Dasein selbt" (Jasp. II 203)
    • "Deren Gemeinsames ist, dass... nichts Festes da ist, kein unbezweifelbar Absolutes, kein Halt, der jeder Erfahrung und jedem Denken standhielte. Alles fließt, ist in ruheloser Bewegung des In Frage-gestellt-werdens, alles ist relativ, endlich, in Gegensätzen aufgespalten" (Jasp. Ps. 229)
    • "Wir werden wir selbst, indem wir in die Grenzsituation offenen Auges eintreten" (Jasp. II 204)
    • "Grenzsituationen erfahren und Existieren ist dasselbe" (Jasp. II 204)
Sententiae excerptae:
w30
Literatur:

2 Funde
3  Abbagnano, N.
Philosophie des menschlichen Konflikts. Einführung in den Existentialismus
Hamburg 1957
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4273  Schwan, Alexander
Humanismus und Christentum
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.19, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
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