Nostri consocii (Google, Affilinet) crustulis memorialibus utuntur. Concedis, si legere pergis.
 
 
 
top

Publius Cornelius Tacitus

DE ORIGINE ET SITU GERMANORUM LIBER

28-29

 Die Kelten und die Germanen im Imperium Romanum

 
vorherige Seite folgende Seite
 
 
Italienkarte
Italienkarte
Italien

Germanien

Germanien
Britannien
Britannien
Imperium Romanum
 Imperium Romanum
(1) Dass die gallische Macht einst größer war (als die germanische), bezeugt der gewichtigste Gewährsmann, der verewigte Iulius Caesar; daher ist glaubhaft, dass auch Gallier (Kelten) nach Germanien hinübergingen. Denn wie wenig konnte der Strom ein Hindernis dafür sein, dass ein Volk, sobald es angewachsen war, andere Wohnsitze einnahm und beibehielt, als diese noch Gemeingut und nicht in selbständige Reiche aufgeteilt waren! (2) So wohnten zwischen dem herkynischen Wald und den Flüssen Rhein und Main die Helvetier, weiterhin (nach Osten) die Boier, beides gallische Völkerschaften. Noch ist der Name Boihaemum vorhanden und deutet auf die alte Geschichte des Landes hin, obwohl es nun andere Bewohner hat. (3) Ob aber die Aravisker von den Osen aus, als einem ursprünglich germanischen Stamm, nach Pannonien oder die Osen von den Araviskern aus, nach Germanien eingewandert sind, da sie noch die selbe Sprache, die selben Einrichtungen und Sitten haben, ist ungewiss, weil bei der einstigen Gleichheit von Armut und Freiheit beide Ufer (der Donau) die selben Vorzüge und Nachteile besaßen. (4) Die Treverer und Nervier bilden sich hinsichtlich ihrer angeblich germanischen Abkunft sogar noch etwas ein, als ob dieser Adel des Blutes sie von der Ähnlichkeit mit den schlaffen Galliern abgrenzte. Das Rheinufer selbst bewohnen unzweifelhaft germanische Völkerschaften, die Vangionen, Triboker und Nemeter. (5) Selbst die Ubier schämen sich, obwohl sie für ihre Verdienste zu einer römischen Colonie erhoben wurden und sich lieber nach dem Namen ihrer Stifterin Agrippinenser nennen, nicht ihrer germanischen Abstammung. Sie waren vor Zeiten herübergekommen und wurden für ihre bewährte Treue unmittelbar an das Rheinufer versetzt, um abzuwehren, nicht um bewacht zu werden. (28,1) Validiores olim Gallorum res fuisse summus auctorum, divus Iulius, tradit; eoque credibile est etiam Gallos in Germaniam transgressos. quantulum enim amnis obstabat, quo minus, ut quaeque gens evaluerat, occuparet permutaretque sedes, promiscas adhuc et nulla regnorum potentia divisas! (28,2) igitur inter Hercyniam silvam Rhenumque et Moenum amnes Helvetii, ulteriora Boii, Gallica utraque gens, tenuere. manet adhuc Boihaemi nomen signatque loci veterem memoriam quamvis mutatis cultoribus. (28,3) sed utrum Aravisci in Pannoniam ab Osis, Germanorum natione, an Osi ab Araviscis in Germaniam commigraverint, cum eodem adhuc sermone institutis moribus utantur, incertum est, quia pari olim inopia ac libertate eadem utriusque ripae bona malaque erant. (28,4) Treveri et Nervii circa adfectationem Germanicae originis ultro ambitiosi sunt, tamquam per hanc gloriam sanguinis a similitudine et inertia Gallorum separentur. ipsam Rheni ripam haud dubie Germanorum populi colunt, Vangiones, Triboci, Nemetes. (28,5) ne Ubii quidem, quamquam Romana colonia esse meruerint ac libentius Agrippinenses conditoris sui nomine vocentur, origine erubescunt, transgressi olim et experimento fidei super ipsam Rheni ripam collocati, ut arcerent, non ut custodirentur.
29. Bataver, Mattiaker, Zehentland (agri decumates)
(1) Die tapfersten aller dieser Volksstämme, die Bataver, haben vom eigentlichen Ufer nur wenig inne, wohl aber die Rheininsel: vormals waren sie ein chattischer Stamm und wanderten infolge innerer Zerwürfnisse in diese Gegend aus, wo sie ein Bestandteil des römischen Reiches werden sollten. (2) Noch besteht ein Verhältnis der Achtung und die Auszeichnung des uralten Bündnisses: keine entwürdigende Steuer wird ihnen auferlegt, kein Staatspächter saugt sie aus; sie bleiben befreit von Lasten und Beiträgen und werden einzig zur Verwendung im Krieg gleichsam als Wehr- und Waffenrüstung für die Kämpfe aufgespart. (3) In der gleichen Art der Abhängigkeit steht auch der Stamm der Mattiaker. Denn die Größe des römischen Volkes hat auch über den Rhein und die alten Grenzen hinaus die Achtung vor seiner Herrschergewalt ausgedehnt. So leben sie nach Wohnsitz und Grenzen auf dem eigenen Ufer, nach Denkweise und Willensrichtung auf unserer Seite, in allen Beziehungen den Batavern ähnlich, nur dass schon der Boden und das Klima ihres Heimatlandes sie noch hitziger stimmt. (4) Nicht zu den germanischen Völkern möchte ich, obwohl sie jenseits von Rhein und Donau ihre Wohnsitze aufgeschlagen haben, diejenigen zählen, die das Zehentland bebauen. Gerade die leichtfertigsten unter den Galliern haben, durch ihre Armut verwegen gemacht, diesen Boden bei unklaren Besitzverhältnissen eingenommen. Seitdem danach der Grenzwall gezogen und die Besatzungen weiter vorgeschoben wurden, gilt dieses Gebiet als Ausläufer unseres Reichs und als Teil unserer Provinz. (29,1) Omnium harum gentium virtute praecipui, Batavi, non multum ex ripa, sed insulam Rheni amnis colunt, Chattorum quondam populus et seditione domestica in eas sedes transgressus, in quibus pars Romani imperii fierent. (29,2) manet honos et antiquae societatis insigne; nam nec tributis contemnuntur nec publicanus atterit; exempti oneribus et collationibus et tantum in usum proeliorum sepositi, velut tela atque arma, bellis reservantur. (29,3) est in eodem obsequio et Mattiacorum gens; protulit enim magnitudo populi Romani ultra Rhenum ultraque veteres terminos imperii reverentiam. ita sede finibusque in sua ripa, mente animoque nobiscum agunt, cetera similes Batavis, nisi quod ipso adhuc terrae suae solo et caelo acrius animantur. (29,4) Non numeraverim inter Germaniae populos, quamquam trans Rhenum Danuviumque consederint, eos, qui Decumates agros exercent: levissimus quisque Gallorum et inopia audax dubiae possessionis solum occupavere; mox limite acto promotisque praesidiis sinus imperii et pars provinciae habentur.
Deutsche Übersetzung nach: Teuffel, W.S. bearbeitet von E.Gottwein Empfohlene Kommentare: Fehrle/Hünnerkopf und R.Much.
Sententiae excerptae:
w42
151 Primi in omnibus proeliis oculi vincuntur.
  Als erstes wird in allen Schlachten das Auge besiegt.
  Tac.Germ.43,5
197 velocitas iuxta formidinem, cunctatio propior constantiae est
  Schnelligkeit ist Nachbarin der Furcht, Zaudern ist nĂ€her der Standfestigkeit
  Tac.Germ.30,3
Literatur:

24 Funde
1153  Alföldi, G.
Hifstruppen der römischen Provinz Germania inferior
Bonn (Habelt) 1968
abe  |  zvab  |  look
2047  Drexler, H.
Germania des Tacitus
in: Gymn 59/1952,52
abe  |  zvab  |  look
1738  Follmann-Schulz, A.B.
Die römischen Tempelanlagen in der Provinz Germania inferior
in: ANRW II.18.1 (1986) 672-793
abe  |  zvab  |  look
3191  Grohn-Menard, C.
Caesaris expeditio in Germaniam. Comic-Projekt in..EinfĂŒhrungsphase
in: AU XXXIII 1+2/1990,69
abe  |  zvab  |  look
2762  Herrmann, Joachim (Hg.)
Griechische und lateinische Quellen zur FrĂŒhgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtausends u. Z. I: Von Homer bis Plutrach; II: Tacitus, Germania; III: Von Tacitus bis Ausonius; IV: Von Ammianus Marcellinus bis Zosimos.
Berlin, Akademie-Verlag, (Schriften und Quellen der alten Welt, 37,1-37,4) 1992
abe  |  zvab  |  look
2072  Heubner, H.
Neues zum "Namenssatz" des Tacitus (Germ.2,2)
in: Gymn 69/1962
abe  |  zvab  |  look
2079  Jankuhn, H.
GlaubwĂŒrdigkeit des Tacitus in seiner "Germania"..ArchĂ€ologie
in: Radke: Politik und.., Stuttgart 1971
abe  |  zvab  |  look
2080  Jankuhn, H. / Timpe, D. (Hg.)
BeitrÀge zum VestÀndnis der Germania des Tacitus, I
Göttingen (V&R) 1986
abe  |  zvab  |  look
3269  Kaufmann, G.
Der Ackerbau der Germanen. Eine ErlÀuterung von Germania 26 und Caesar bell. gall. VI, 22
in: JahrbĂŒcher fĂŒr Nationalökonomie und Statistik, Bd. 25 (1875), S.128-149
abe  |  zvab  |  look
2099  Koch, H.
Zum VerstÀndnis des "Namensatzes" in Tacitus' Germania
in: Gymn 82/1975
abe  |  zvab  |  look
2102  Köhler, H.E.
Unsere Ahnen, die Germanen. 45 Zeichnungen zu Tacitus Germania
Freiburg (HT 594) 1976
abe  |  zvab  |  look
1830  Kunow, J.
Römisches Importgeschirr in der Germania Libera bis zu den Markomannenkriegen: Metall- und GlasgefĂ€ĂŸe
in: ANRW II.12.3 (1985) 229-279
abe  |  zvab  |  look
1856  Lund, A.A.
Versuch einer Gesamtinterpretation der "Germania" des Tacitus, mit einem Anhang: Zu Entstehung und Geschichte des Namens und Begriffs "Germani" [Indices pp. 2347-2382]
in: ANRW II.33.3 (1991) 1858-1988
abe  |  zvab  |  look
1858  Lund, A.A.
Kritischer Forschungsbericht zur "Germani" des Tacitus (oben S. 1989-2222): Teil V: Bibliographische Übersicht ĂŒber "Germania"- Editionen und -Kommentare aus den Jahren 1880 bis 1989
in: ANRW II.33.3 (1991) 2341-2344
abe  |  zvab  |  look
1859  Lund, A.A.
Versuch einer Gesamtinterpretation der "Germania" des Tacitus (oben S. 1858-1988) - Kritischer Forschungsbericht zur "Germania" des Tacitus (oben S. 1989-2222 und S. 2341-2344): Indices
in: ANRW II.33.3 (1991) 2347-2382
abe  |  zvab  |  look
2115  Lund, A.A.
Neue Studien zum VerstÀndnis der NamensÀtze in der Germania des Tacitus
in: Gymn 89/1982
abe  |  zvab  |  look
2116  Lund, A.A.
Probleme der Germania-Forschung
in: Philol.133/1989,260
abe  |  zvab  |  look
1857  Lund, A.A. / Fischer, F. / Heiligmann, J.,
Kritischer Forschungsbericht zur "Germania" des Tacitus (Teile I-IV; Teil V: Bibliographische Übersicht uber "Germania"-Editionen und Kommentare aus den Jahren 1880 bis 1989, pp. 2341-2344) [Indices pp. 2347-2382]
in: ANRW II.33.3 (1991) 1989-2222
abe  |  zvab  |  look
2128  Much, R.
Germania des Tacitus
Heidelberg (Winter) 1937 (2/1959)
abe  |  zvab  |  look
2130  Nesselhauf, H.
Tacitus und Domitian (Agricola/Germania)
in: Pöschl: Tacitus, WBG 1969 (WdF 97)
abe  |  zvab  |  look
2131  Neumann, G. / Seemann, H. (Hg)
BeitrÀge zum VerstÀndnis der Germania des Tacitus II
Göttingen (V&R) 1992
abe  |  zvab  |  look
2132  Norden, E.
Germanische Urgeschichte in Tacitus' Germania
Leipzig (Teubner) 3,1923
abe  |  zvab  |  look
1936  Sallmann, K.
Der Traum des Historikers: Zu den "Bella Germaniae" des Plinius und zur julisch-claudischen Geschichtsschreibung
in: ANRW II.32.1 (1984) 578-601
abe  |  zvab  |  look
1989  Ternes, C.M. / Chevallier, R.
Die Provincia Germania Superior im Bilde der jĂŒngeren Forschung (mit BeitrĂ€gen von R. Chevallier)
in: ANRW II.5.2 (1976) 721-1260
abe  |  zvab  |  look

[ Homepage | Hellas 2000 | Stilistik | Latein | Latein. LektĂŒre | Lateinisches Wörterbuch | Lateinischer Sprachkurs | Lateinische Grammatik | Lat.Textstellen | Römische Geschichte | Griechisch | Griech. LektĂŒre | Griechisches Wörterbuch | Griechischer Sprachkurs | Griechische Grammatik | Griech.Textstellen | Griechische Geschichte | Landkarten | Beta-Converter | Varia | Mythologie | Bibliographie | Ethik | Links | Literaturabfrage | Forum zur Homepage ]
Site-Suche:
Benutzerdefinierte Suche
bottom© 2000 - 2017 - /Lat/tac/Germ28.php - Letzte Aktualisierung: 02.12.2017 - 07:08