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Marcus Tullius Cicero
de re publica I

Cic.rep.1,42-46: Die drei grundlegenden Verfassungsformen

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I 42-46

(1,42) Deinde (id consilium) aut uni tribuendum est aut delectis quibusdam aut suscipiendum est multitudini atque omnibus. Quare cum penes unum est omnium summa rerum, regem illum unum vocamus et regnum eius rei publicae statum. Cum autem est penes delectos, tum illa civitas optimatium arbitrio regi dicitur. Illa autem est civitas popularis (sic enim appellant), in qua in populo sunt omnia. Atque horum trium generum quodvis, si teneat illud vinclum, quod primum homines inter se rei publicae societate devinxit, non perfectum illud quidem neque mea sententia optimum <est>, sed tolerabile tamen, ut aliud alio possit esse praestantius. Nam vel rex aequus ac sapiens vel delecti ac principes cives vel ipse populus, quamquam id est minime probandum, tamen nullis interiectis iniquitatibus aut cupiditatibus posse videtur  aliquo esse non incerto statu. (42) Weiterhin muss (diese planende Instanz) entweder einem übertragen sein, oder einer Anzahl von Auserlesenen, oder die Menge und die Gesamtheit muss sie übernehmen. Ist die Hauptleitung des Ganzen in der Hand eines Einzelnen, so nennen wir diesen einen König und die Verfassung eines solchen Staates Königtum. Ist sie in den Händen Auserlesener, dann sagt man, ein solcher Staat werde aristokratische regiert. Ein demokratischer Staat aber (denn so nennt man ihn) ist der, in dem die höchsten Gewalt (Souveränität) auf dem Volke ruht. Von allen diesen drei Arten (der Verfassung) ist jede, wenn sie jenes Band festhält, das zuerst die Menschen zur Verbindung zu einem Gemeinwesen veranlasst hat, zwar nicht vollkommen (und nach meiner Ansicht nicht die beste), aber es lässt sich doch unter ihr leben; nur ist die eine allenfalls besser als die andere. Denn je nachdem entweder der König unparteiisch und weise, oder die Auserwählten und Vornehmen es sind, oder das Volk selbst (wiewohl damit am wenigsten zu rechnen ist) - doch wenn sich nicht Rechtsungleichheit oder Leidenschaftlichkeit einmischen, so kann der Staat immerhin auf einem ziemlich festen Fuß stehen.
(1,43) Sed et in regnis nimis expertes sunt ceteri communis iuris et consilii, et in optimatium dominatu vix particeps libertatis potest esse multitudo, cum omni consilio communi ac potestate careat, et cum omnia per populum geruntur quamvis iustum atque moderatum, tamen ipsa aequabilitas est iniqua, cum habet nullos gradus dignitatis. Itaque si Cyrus ille Perses iustissimus fuit sapientissimusque rex, tamen mihi populi res (ea enim est, ut dixi antea, publica) non maxime expetenda fuisse illa videtur, cum regeretur unius nutu ac modo; si Massilienses, nostri clientes, per delectos et principes cives summa iustitia reguntur, inest tamen in ea condicione populi similitudo quaedam servitutis; si Athenienses quibusdam temporibus sublato Areopago nihil nisi populi scitis ac decretis agebant, quoniam distinctos dignitatis gradus non habebant, non tenebat ornatum suum civitas. 27. (43) Allein so wie in einem Königreich alle Staatsbürger (außer den König) Gleichheit der Rechte und Teilnahme an der Beratung (des Staatswohls) entbehren und, wo die Vornehmen herrschen, der Menge kaum noch ein (gehöriger) Anteil von Freiheit bleiben kann, da sie weder das Gemeinwohl mitberaten darf noch die vollziehende Gewalt besitzt, so ist auch, wo das Volk die ganze Regierung des Staates in Händen hat, sei es auch gerecht und gemäßigt, in diesem Fall selbst die (vollkommenen) Gleichheit ungleich (und unbillig), da keine Abstufung der Würdigkeit beachtet wird. Darum scheint mir die (Repräsentation der) Volkssache (denn das ist, wie ich gesagt habe, der Staat) durch den berühmten Perserkönig Kyros , wenn er auch noch so gerecht und weise war, doch nicht eben die wünschenswert beste gewesen zu sein, da die Regierung von dem Wink und der Leitung eines einzigen abhing. Werden auch immerhin die Massilier, meine Klienten, durch ausgewählte und angesehene Bürger mit der höchsten Gerechtigkeit regiert, so ist doch auch dort das Volk dort in einer Lage, die einer Sklaverei ähnlich sieht. Gab es zu Athen eine gewisse Periode, wo der Areopag aufgehoben war und die Athener nichts taten, als was das (souveräne) Volk entschied und beschloss, so hatte der Staat seine eigentümliche Zierde verloren, weil sich unter den Bürgern keine Abstufung des Rangs (nach Verdienst) fand.
(1,44) Atque hoc loquor de tribus his generibus rerum publicarum non turbatis atque permixtis, sed suum statum tenentibus. Quae genera primum sunt in iis singula vitiis, quae ante dixi, deinde habent perniciosa alia vitia; nullum est enim genus illarum rerum publicarum, quod non habeat iter ad finitimum quoddam malum praeceps ac lubricum. Nam illi regi, ut eum potissimum nominem, tolerabili aut, si voltis, etiam amabili, Cyro, subest ad inmutandi animi licentiam crudelissimus ille Phalaris, cuius in similitudinem dominatus unius proclivi cursu et facile delabitur. Illi autem Massiliensium paucorum et principum administrationi civitatis finitimus est, qui fuit quodam tempore apud Athenienses triginta <virorum> consensus et factio. Iam Atheniensium populi potestatem omnium rerum ipsi, ne alios requiramus, ad furorem multitudinis licentiamque conversam pesti . . . 28. (44) Was ich hier sage, gilt von jenen drei Arten von Staatsverfassung in ihrer (absoluten) Reinheit, ohne Mischung betrachtet, sondern ganz in ihrem Urbestand. Diese Arten haben erstlich jede an sich die eben vorhin gerügten Fehler; und dann liegt in ihnen die Richtung (oder Neigung) zu noch anderen höchst verderblichen Mängeln: denn es gibt keine unter den genannten Staatsverfassungen, die nicht gar rasch und leicht zu einer ihr ganz nahe liegenden Ausartung abgleiten könnte. Denn jener (souveräne) König, um eben jenen als Beispiel beizubehalten, Kyros, unter dem es sich erträglich leben ließ, oder der, wenn ihr wollt, sogar liebenswürdige war, grenzt, was die Möglichkeit angeht, seine Gesinnung umzuwandeln, an jenen so furchtbar grausamen Phalaris, zu dessen Weise sich die Alleinherrschaft nur gar zu leicht im raschen Eilschritt hinneigt; so wie die oligarchische Staatsverwaltung der Aristokraten in Massilia nur gar zu nahe an die eine Zeit lang zu Athen herrschende und eng zusammenhaltende Faktion der 30 Tyrannen hinstreift. Dass aber die Volkssouveränität der Athener bis zur frechsten Pöbelwut ausgeartet war, beweist, um keine anderen Beispiele aufzusuchen die Geschichte. ***
(1,45) . . . deterrimus et ex hac vel optimatium vel factiosa tyrannica illa vel regia vel etiam persaepe popularis, itemque ex ea genus aliquod ecflorescere ex illis, quae ante dixi, solet, mirique sunt orbes et quasi circumitus in rebus publicis commutationum et vicissitudinum; quos cum cognosse sapientis est, tum vero prospicere inpendentis in gubernanda re publica moderantem cursum atque in sua potestate retinentem magni cuiusdam civis et divini paene est viri. Itaque quartum quoddam genus rei publicae maxime probandum esse sentio, quod est ex his, quae prima dixi, moderatum et permixtum tribus. 29. (45) *** Der furchtbarste (Feind des Glücks der Staaten erhebt sich oft) aus der aristokratischen Partei, den Parteiungen (zur Erringung) der Tyrannengewalt, dem Königtum, oft auch der Volksherrschaft; und es geht (aus der Verwirrung) dann wieder eine der von mir genannten Verfassungen hervor. So findet sich denn ein wunderbarer Kreislauf und gleichsam eine regelmäßige Abwechslung von Veränderungen und Umwälzungen in den Staaten. Es gehört jedoch Weisheit dazu, sie zu erkennen, aber nur ein Bürger von großem Talent und ein Mann von beinahe göttlichem Geist vermag sie bestimmt vorauszusehen, wenn sie herandrohen, (zur rechten Zeit) das Steuer der Regierung des Staates zu ergreifen, ihrem Lauf selbst die Richtung zu geben und dadurch ihrer Herr zu bleiben. Darum muss sich denn eine vierte Art von Verfassung eines Staates für die allerbester erklären, nämlich eine aus den drei angegebenen ursprünglichen gemischte und (dadurch) gemäßigte.
(1,46) Hic Laelius: Scio tibi ita placere, Africane; saepe enim ex te audivi; sed tamen, nisi molestum est, ex tribus istis modis rerum publicarum velim scire quod optimum iudices. 30. (46) Ich weiß, fiel für Laelius ein, dass dies deine Lieblingsidee ist, mein Africanus. Denn ich habe dich oft schon in diesem Sinn sprechen hören. Doch möchte ich, wenn du es nicht zu ungern tust, von dir eine Erklärung vernehmen, welche von den genannten drei Verfassungen du für die beste hältst. ***
Sententiae excerptae:
w37
Literatur:

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