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C.Sallustius Crispus

Die Catilinarische Verschwörung

De Catilinae coniuratione
ΣΑΛΛΟΥΣΤΙΟΥ ΚΑΤΙΛΙΝΑΣ

50-55

Senatssitzung zur Bestrafung, Caesars und Catos Reden, Synkrisis

 
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  1. Der weitere Verlauf der Regierungsmaßnahmen bis zur Hinrichtung der Verschwörer (50-55):
  1. Umtriebe in der Stadt veranlassen den Konsul, die Senatssitzung vom 5. Dez. einzuberufen. Es geht um das Strafmaß für die Verschwörer.
    1. Reden Caesars und Catos in großer Form.
    2. Der historische Vergleich der beiden Charaktere (Synkrisis)
    3. Das Todesurteil, das im Anschluss an Catos Rede gefällt und noch vor Einbruch der Nacht vom Konsul vollstreckt wird, erscheint allgemein als gerecht.
  2. Sinn des Rededuells
    1. Wie Catilina am Anfang vor dem Hintergrund der Vergangenheit gezeichnet wird, so stellt sich jetzt hinter den Figuren Caesar und Cato die Frage nach der Zukunft des Staates. Beide sind Träger von virtus, aber nicht der vollen staatstragenden virtus, sondern nur jeweils eines Teilbereiches. Rom brauchte eine Persönlichkeit, die beide Teilbereiche verbunden hätte. So bliebt die Zukunft Roms im Dunkeln (was Sallust Auffassung entspricht).
Caesar
Cato
Caesar spielt die Staatsraison aus,
verdeckt damit aber nur seine egoistischen Ziele
Cato verficht die politische Notwendigkeit,
ohne zur staatsmännischen Aktivität durchzustoßen.
  • Bändigung der Affekte;
  • Mahnung zu Unparteilichkeit;
  • Hinweis, man müsse auf das Urteil der Öffentlichkeit Rücksicht nehmen (Je höher die Stellung, desto stärker die Bindung);
  • Warnung vor einer Maßnahme, die dem Wesen des Staates nicht entspricht (51,18);
  • Drohung mit den Folgen des Präzedenzfalls.
  • Es geht weniger umd Bestrafung als um Vorbeugung für die Zukunft (52,2-4) [in der Folge aber nur Gedanken an den Augenblick].
  • Die Senatoren werden an ihrem Egoismus gepackt (52,5)
  • Der Kern der Entartung liegt darin, dass die Dinge nicht mehr beim richtigen Namen genannt werden (52,11f.).
  • Bedeutung des Senatsbeschlusses für die weitere Niederwerfung der Verschwörung in Italien.

Zusammenfassung zu J.Vogt (39-71)

   
L (1) Während dies im Senat verhandelt wurde und während den Gesandten der Allobroger und Titus Volturcius in Anerkennung ihrer verdienstvollen Angaben Belohnungen zuerkannt wurden, durcheilten die Freigelassenen und einzelne Klienten des Lentulus in verschiedenen Richtungen die Stadt und versuchten teils die Handwerker und Sklaven auf den Straßen zu einem Aufstand zu bewegen, teils die gewöhnlichen Führer bei Zusammenrottungen ausfindig zu machen, die schon oft für Geld die öffentliche Ruhe gefährdet hatten. (2) Cethegus aber forderte durch Boten seine Hausgenossen und Freigelassenen, ausgesuchte und geübte Leute, dringend auf, sie sollten sich bewaffnen und in geschlossenen Haufen den Weg in sein Gefängnis bahnen. (3) Als der Konsul von diesen Vorhaben erfuhr, stellte er Wachposten auf, wie es die Sachlage und der Ernst des Augenblicks erforderte, berief dann den Senat und stellte zur Abstimmung, was mit denen geschehen solle, die in sicheren Gewahrsam gebracht worden waren. Schon vorher aber hatte sie der Senat mit großer Mehrheit für Hochverräter erklärt.  (4) Nun wurde Decimus Iunius Silanus, weil er zu dieser Zeit designierter Konsul war, zuerst nach seiner Meinung befragt. Er hatte sich dahin erklärt, dass an denen, die sich in Gewahrsam befanden, und an Lucius Cassius, Publius Furius, Publius Umbrenus und Quintus Annius, wenn sie aufgegriffen würden, die Todesstrafe zu vollziehen sei. Später sagte er, unter dem Eindruck der Rede des Gaius Caesar, er werde sich bei der Abstimmung dem Antrag des Tiberius Nero anschließen. Dieser hatte nämlich beantragt, erst die Wachen zu verstärken und dann den Sachverhalt neu zu verhandeln. (5) Als aber die Reihe an Caesar gekommen war und er vom Konsul um seine Stellungnahme gebeten wurde, sagte er folgendes: (50,1) Dum haec in senatu aguntur et dum legatis Allobrogum et T. Volturcio, conprobato eorum indicio, praemia decernuntur, liberti et pauci ex clientibus Lentuli divorsis itineribus opifices atque servitia in vicis ad eum eripiundum sollicitabant, partim exquirebant duces multitudinum, qui pretio rem publicam vexare soliti erant. (50,2) Cethegus autem per nuntios familiam atque libertos suos, lectos et exercitatos, orabat, ut grege facto cum telis ad sese inrumperent. (50,3) consul ubi ea parari cognovit, dispositis praesidiis, ut res atque tempus monebat, convocato senatu refert, quid de iis fieri placeat, qui in custodiam traditi erant. sed eos paulo ante frequens senatus iudicaverat contra rem publicam fecisse. (50,4) tum D. lunius Silanus primus sententiam rogatus, quod eo tempore consul designatus erat, de iis, qui in custodiis tenebantur, et praeterea de L. Cassio, P. Furio, P. Umbreno, Q. Annio, si deprehensi forent, supplicium sumundum decreverat; isque postea permotus oratione C. Caesaris pedibus in sententiam Ti. Neronis iturum se dixit, quod de ea re praesidiis additis referundum censuerat. (50,5) sed Caesar, ubi ad eum ventum est, rogatus sententiam a consule huiusce modi verba locutus est:
LI (1) Senatoren! Es ist die Pflicht aller Menschen, die über ernsthafte Fragen einen Beschluss zu fassen haben, sich von Hass wie von Liebe, von Zorn wie von Mitleid frei zu halten. (2) Nicht leicht trifft man das Rechte, sobald einen jene Regungen blenden und keiner von allen hat je den Erfordernissen der Vernunft und der Leidenschaft zugleich Rechnung getragen. (3) Setze deinen Verstand ein, so wirkt er; zieht die Leidenschaft ein, spielt sie die Herrin, der Verstand wirkt nichts. (4) Ich könnte, ihr Senatoren, eine große Menge von üblen Ratschlüssen vorführen, die Könige und Völker aus Erbitterung oder Mitleid fassten; aber ich ziehe es vor, rechte und pflichtgemäße Handlungen zu erwähnen, die unsere Vorfahren gegen den Trieb ihres leidenschaftlichen Herzens vollzogen. (5) Im Makedonischen Krieg, den wir gegen den König Perseus führten, zeigte sich der mächtige und glanzvolle Staat der Rhodier, der durch unsere Förderung emporgekommen war, uns gegenüber treulos und feindlich. Als man aber nach dem Ende des Krieges über das Verhalten der Rhodier beriet, ließen unsere Vorfahren sie ohne Strafe, damit keiner behaupten könne, sie hätten den Krieg eher angefangen, um sich zu bereichern, als weil man ihnen Unrecht zugefügt habe. (6) Ebenso vergalten sie selbst in keinem der Punischen Kriege trotz mancher Gelegenheit Gleiches mit Gleichem, obgleich die Karthager sowohl im Frieden als auch in Zeiten des Waffenstillstandes viele gottlose Taten verübt hatten. Sie fragten danach, was ihnen Ehre mache, nicht, was man mit Recht gegen jene machen könne. (7) Dies muss auch eure Sorge sein, Senatoren, dass die Ruchlosigkeit des Publius Lentulus und der anderen auf euch keinen entscheidenderen Einfluss ausübe als eure Ehre, dass ihr nicht mehr auf die Befriedigung eurer Entrüstung als die Erhaltung eures Leumunds seht. (8) Wenn sich nämlich eine ihren Taten entsprechende Strafe finden lässt, so heiße ich eine außerordentliche Maßregel gut; wenn aber die Größe ihres Verbrechens alles Denken übersteigt, so stimme ich dafür die Strafe zu verhängen, die durch die Gesetze geboten ist.  (51,1) 'Omnis homines, patres conscripti, qui de rebus dubiis consultant, ab odio, amicitia, ira atque misericordia vacuos esse decet. (51,2) haud facile animus verum providet, ubi illa officiunt, neque quisquam omnium lubidini simul et usui paruit. (51,3) ubi intenderis ingenium, valet; si lubido possidet, ea dominatur, animus nihil valet. (51,4) magna mihi copia est memorandi, patres conscripti, quae reges atque populi ira aut misericordia inpulsi male consuluerint. sed ea malo dicere, quae maiores nostri contra lubidinem animi sui recte atque ordine fecere. (51,5) bello Macedonico, quod cum rege Perse gessimus, Rhodiorum civitas magna atque magnifica, quae populi Romani opibus creverat, infida et advorsa nobis fuit. sed postquam bello confecto de Rhodiis consultum est, maiores nostri, ne quis divitiarum magis quam iniuriae causa bellum inceptum diceret, inpunitos eos dimisere. (51,6) item bellis Punicis omnibus, quom saepe Carthaginienses et in pace et per indutias multa nefaria facinora fecissent, numquam ipsi per occasionem talia fecere: magis quid se dignum foret, quam quid in illos iure fieri posset, quaerebant. (51,7) hoc item vobis providendum est, patres conscripti, ne plus apud vos valeat P. Lentuli et ceterorum scelus quam vostra dignitas, neu magis irae vostrae quam famae consulatis. (51,8) nam si digna poena pro factis eorum reperitur, novom consilium adprobo; sin magnitudo sceleris omnium ingenia exuperat, his utendum censeo, quae legibus conparata sunt. 
(9) Die meisten von denen, die vor mir Anträge gestellt haben, haben in wohlgesetzter und schmuckreicher Rede das Unglück des Staates bejammert; haben aufgezählt, welche Abscheulichkeiten der Krieg mit sich führe, welche Schicksale die Besiegten treffen; dass Mädchen und Jungen geraubt, Kinder aus den Armen ihrer Eltern gerissen, an Hausfrauen jedes Gelüst der Sieger verübt, Tempel und Häuser geplündert, gemordet und gesengt, kurz alles mit Waffen und Leichen, Blut und Wehklagen erfüllt werde. (10) Doch, bei den unsterblichen Göttern, worauf zielten denn solche Reden? Etwa darauf, euch gegen die Verschwörer ergrimmt zu machen? Natürlich, denjenigen, auf den so ernste und so schreckliche Tatsachen keinen Eindruck gemacht haben, den werden Worte in Glut setzen! (11) Nein, nein. Kein Sterblicher sieht Vergehen, die ihn betreffen,  als gleichgültig an, viele haben sie ernster als billig geachtet. (12) Aber nicht allen wird gleiche Freiheit des Handelns zugestanden, Senatoren. Wenn Leuten, die niedrig im Dunkel leben, aus Jähzorn ein Versehen unterlauft, so wissen wenige darum; ihr Ruf und ihre gesellschaftliche Stellung sind einander gleich. Dagegen kennt die gesamte Menschheit die Handlungen derer, die mit großer Macht bekleidet auf der Höhe des Lebens stehen. (13) Deshalb ist die Freiheit in der höchsten Stellung am geringsten; weder Lieben noch Hassen, am wenigstens Zürnen macht Ehre. (14) Was man bei anderen Jähzorn nennt, das heißt beim Machthaber Frevel und Grausamkeit. (15) Ich bin, Senatoren, zu tiefst überzeugt, dass alle Martern für deren Verbrechen zu gering sind; aber die meisten Sterblichen behalten nur das Ende in Erinnerung, vergessen bei gottlosen Menschen ihr Verbrechen und bekritteln nur die Strafe, wenn sie etwas zu streng ausgefallen ist.   (51,9) Plerique eorum, qui ante me sententias dixerunt, conposite atque magnifice casum rei publicae miserati sunt. quae belli saevitia esset, quae victis adciderent, enumeravere: rapi virgines, pueros; divelli liberos a parentum conplexu; matres familiarum pati, quae victoribus conlubuissent; fana atque domos spoliari; caedem, incendia fieri; postremo armis, cadaveribus, cruore atque luctu omnia conpleri. (51,10) sed, per deos inmortalis, quo illa oratio pertinuit? an uti vos infestos coniurationi faceret? scilicet, quem res tanta et tam atrox non permovit, eum oratio adcendet. (51,11) non ita est, neque quoiquam mortalium iniuriae suae parvae videntur, multi eas gravius aequo habuere. (51,12) sed alia aliis licentia est, patres conscripti. qui demissi in obscuro vitam habent, si quid iracundia deliquere, pauci sciunt, fama atque fortuna eorum pares sunt; qui magno imperio praediti in excelso aetatem agunt, eorum facta cuncti mortales novere. (51,13) ita in maxuma fortuna minuma licentia est; neque studere neque odisse, sed minume irasci decet; (51,14) quae apud alios iracundia dicitur, ea in imperio superbia atque crudelitas appellatur. (51,15) equidem ego sic existumo, patres conscripti, omnis cruciatus minores quam facinora illorum esse. sed plerique mortales postrema meminere et in hominibus inpiis sceleris eorum obliti de poena disserunt, si ea paulo severior fuit. 
(16) Von Decimus Silanus, diesem tapferen und tüchtigen Mann, weiß ich zwar gewiss, dass alles, was er gesagt hat, nur dem Eifer für das Gemeinwohl entstammt, dass er bei einer so wichtigen Angelegenheit sich weder von Sympathien noch von Antipathien leiten lässt - ich kenne ja seinen Charakter, seine Selbstlosigkeit -; (17) aber sein Antrag erscheint mir nicht etwa als grausam - denn gibt es Grausamkeit gegen solche Menschen? - sondern als dem Charakter unseres Staates nicht entsprechend. (18) Denn gewiss können dich, Silanus, den Konsul des künftigen Jahres, entweder nur Besorgnis um die Ruhe oder Entrüstung über das Verbrechen veranlasst haben, eine außerordentliche Strafe zu beantragen. (19) Von Ängstlichkeit bei dir ein Wort zu verlieren, wäre ganz überflüssig, zumal durch die Sorgsamkeit des höchstgeachteten Konsuls eine so große Schutztruppe in Waffen steht. (20) Von der Strafe aber darf ich sagen, was in der Natur der Sache begründet ist, dass in Kummer und Leiden der Tod ein Ausruhen von Mühsal, keine Qual ist, dass er alles Elend der Sterblichen in nichts auflöst, dass im Jenseits weder Sorge noch Freude Raum hat. (21) Nun, bei den unsterblichen Göttern, warum hast du in deinen Antrag nicht aufgenommen, sie sollten vorher die Geißelung erleiden? (22) Vielleicht weil das Porcische Gesetz es verbietet? Aber andere Gesetze gebieten ja ebenso, verurteilten Bürgern nicht das Leben zu nehmen, sondern Verbannung zu gestatten. (23) Vielleicht weil Geißelung schmerzlicher ist als Tötung? Kann denn gegen Leute, die eines so schweren Verbrechens überführt sind, von Schmerzhaftem oder gar zu Hartem die Rede sein? (24) Sagst du, weil es erträglicher ist, nun wie reimt sich das, beim kleineren Ding vor dem Gesetz Scheu zu hegen, nachdem man es bei dem größeren ganz unbeachtet gelassen hat?  (51,16) D. Silanum, virum fortem atque strenuom, certo scio, quae dixerit, studio rei publicae dixisse, neque illum in tanta re gratiam aut inimicitias exercere: eos mores eamque modestiam viri cognovi. (51,17) verum sententia eius mihi non crudelis - quid enim in talis homines crudele fieri potest? - sed aliena a re publica nostra videtur. (51,18) nam profecto aut metus aut iniuria te subegit, Silane, consulem designatum genus poenae novom decernere. (51,19) de timore supervacuaneum est disserere, quom praesertim diligentia clarissumi viri consulis tanta praesidia sint in armis. (51,20) de poena possum equidem dicere, id quod res habet, in luctu atque miseriis mortem aerumnarum requiem, non cruciatum esse; eam cuncta mortalium mala dissolvere; ultra neque curae neque gaudio locum esse. (51,21) sed, per deos inmortalis, quam ob rem in sententiam non addidisti, uti prius verberibus in eos animadvorteretur? (51,22) an quia lex Porcia vetat? at aliae leges item condemnatis civibus non animam eripi, sed exilium permitti iubent. (51,23) an quia gravius est verberari quam necari? quid autem acerbum aut nimis grave est in homines tanti facinoris convictos? (51,24) sin quia levius est, qui convenit in minore negotio legem timere, quom eam in maiore neglexeris? 
(25) Aber, höre ich, wer wird denn tadeln, was über Vaterlandsverräter verhängt wird? Die Zukunft, die Zeit, das Schicksal, dessen Willkür über die Völker gebietet. (26) Jene wird mit Recht treffen, was immer beschlossen wird, aber ihr, Senatoren, bedenkt, was ihr gegen andere zur Regel macht.    (51,25) At enim quis reprehendet, quod in parricidas rei publicae decretum erit? tempus, dies, fortuna, quoius lubido gentibus moderatur. (51,26) illis merito adcidet, quicquid evenerit; ceterum vos, patres conscripti, quid in alios statuatis, considerate. 
(27) Alle schlechten Regeln sind aus guten Beispielen hervorgegangen. Natürlich, wenn die Macht an unkundige oder wenig rechtschaffene Leute gelangt, wird das früher außerordentliche Verfahren von solchen, die es verdient hatten und auf die es anwendbar war, auf Leute übertragen, die es nicht verdienen und auf die es nicht anwendbar ist. (28) Die Lakedaimonier setzten nach der endgültigen Niederlage der Athener zur Regierung ihres Staates dreißig Männer ein. (29) Diese töteten zuerst gerade die Schlechtesten und allen Verhassten ohne gerichtliches Urteil. Darüber freute sich das Volk und erklärte, es sei mit Recht geschehen. (30) Als dann aber allmählich die Willkür gewachsen war, töteten sie nach Laune in gleicher Weise Gute und Böse und hielten alle übrigen durch ein Schreckensregiment nieder. (31) So büßte das Volk unter der schweren Last des Sklavenjochs die törichte Freude. (32) Als in den von uns erlebten Zeiten Sulla nach seinem Sieg Damasippus und andere seines Schlages, die aus dem Unglück des Staates den größten Vorteil gezogen hatten, hinrichten ließ, lobte da nicht jeder sein Handeln? Als ruchlose und streitsüchtige Menschen, die den Staat durch Aufstände geängstigt hätten, seien sie verdientermaßen getötet worden, behauptete man. Aber dieser Vorfall war der Anfang zu schweren Schlägen. (33) Denn wenn einer jemandes Haus oder Landgut, ja Gefäß oder Kleid begehrte, so bemühte er sich, jenen auf die Liste der Geächteten setzen zu lassen. (34) So wurden jene, denen Damasippus' Tod eine Freude gewesen war, bald selbst beim Schopfe genommen; und nicht eher hörte das Schlachten auf, bis Sulla alle seine Anhänger in Reichtum gesättigt hatte. (35) Freilich fürchte ich solches nicht von Marcus Tullius noch unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Aber in einem großen Volk gibt es viele verschiedenartige Geister. (36) Möglich, dass zu anderer Zeit, unter einem anderen Konsul, dem ebenfalls ein Heer zu Gebote steht, eine Lüge Glauben findet. Sobald nach dem Muster des gegenwärtigen Verfahrens der Konsul auf einen Senatsbeschluss gestützt dann das Schwert zieht, wer will ihm ein Ziel setzen oder wer ihn mäßigen?  (51,27) omnia mala exempla ex rebus bonis orta sunt. sed ubi imperium ad ignaros eius aut minus bonos pervenit, novom illud exemplum ab dignis et idoneis ad indignos et non idoneos transfertur. (51,28) Lacedaemonii devictis Atheniensibus triginta viros inposuere, qui rem publicam eorum tractarent. (51,29) ii primo coepere pessumum quemque et omnibus invisum indemnatum necare: ea populus laetari et merito dicere fieri. (51,30) post ubi paulatim licentia crevit, iuxta bonos et malos lubidinose interficere, ceteros metu terrere: (51,31) ita civitas servitute oppressa stultae laetitiae gravis poenas dedit. (51,32) nostra memoria victor Sulla quom Damasippum et alios eius modi, qui malo rei publicae creverant, iugulari iussit, quis non factum eius laudabat? homines scelestos et factiosos, qui seditionibus rem publicam exagitaverant, merito necatos aiebant. sed ea res magnae initium cladis fuit. (51,33) nam uti quisque domum aut villam, postremo vas aut vestimentum aliquoius concupiverat, dabat operam, uti is in proscriptorum numero esset. (51,34) ita illi, quibus Damasippi mors laetitiae fuerat, paulo post ipsi trahebantur, neque prius finis iugulandi fuit, quam Sulla omnis suos divitiis explevit. (51,35) atque haec ego non in M. Tullio neque his temporibus vereor, sed in magna civitate multa et varia ingenia sunt. (51,36) potest alio tempore, alio consule, quoi item exercitus in manu sit, falsum aliquid pro vero credi. ubi hoc exemplo per senatus decretum consul gladium eduxerit, quis illi finem statuet aut quis moderabitur? 
(37) Unsere Vorfahren, Senatoren, waren nie um Rat und Wagemut verlegen, aber Stolz hinderte sie nicht, fremde Einrichtungen, wenn sie nur zweckmäßig waren, sich anzueignen: (38) Angriffs- und Verteidigungswaffen entlehnten sie von den Samniten, die meisten Insignien der Beamten von den Etruskern; kurz, was ihnen irgendwo bei Bundesgenossen oder Feinden tauglich schien, das verwendeten sie mit größtem Eifer auch zu Hause. Sie wollten das Gute lieber nachahmen als missgönnen. (39) Aber zu eben jener Zeit übten sie nach griechischer Sitte an Mitbürgern Prügelstrafe, verhängten über Verurteilte die Todesstrafe. (40) Nachdem aber ihr Gemeinwesen erstarkt war und durch die große Zahl der Bürger die Parteien Kraft gewonnen hatten,  wurden, als man Unschuldige zu verurteilen und anderes dergleichen zu verüben begann, das Porcische Gesetz und andere Gesetze gegeben, durch die den Verurteilten die Verbannung ermöglicht wurde. (41) Dies halte ich, ihr Senatoren, für den stärksten Grund, keine außerordentliche Maßregel zu ergreifen. (42) In der Tat verfügten die Alten, die mit geringen Mittel ein so großes Reich gewonnen haben, über größere Tüchtigkeit und Weisheit als wir, die wir das rühmlich Erworbene kaum behaupten.    (51,37) Maiores nostri, patres conscripti, neque consili neque audaciae umquam eguere; neque illis superbia obstabat. quo minus aliena instituta, si modo proba erant, imitarentur. (51,38) arma atque tela militaria ab Samnitibus, insignia magistratuum ab Tuscis pleraque sumpserunt. postremo, quod ubique apud socios aut hostis idoneum videbatur, cum summo studio domi exequebantur: imitari quam invidere bonis malebant. (51,39) sed eodem illo tempore Graeciae morem imitati verberibus animadvortebant in civis, de condemnatis summum supplicium sumebant. (51,40) postquam res publica adolevit et multitudine civium factiones valuere, circumveniri innocentes, alia huiusce modi fieri coepere, tum lex Porcia aliaeque leges paratae sunt, quibus legibus exilium damnatis permissum est. (51,41) hanc ego causam, patres conscripti, quo minus novom consilium capiamus, in primis magnam puto. (51,42) profecto virtus atque sapientia maior illis fuit, qui ex parvis opibus tantum imperium fecere, quam in nobis, qui ea bene parta vix retinemus. 
(43) Stimme ich also dafür, sie zu entlassen und dadurch Catilinas Heer zu verstärken? Durchaus nicht, sondern ich stelle folgenden Antrag: Ihr Vermögen ist zu konfiszieren, sie selbst aber sind in den Municipien, die über die meisten Mittel verfügen, gefangen zu halten. Niemand soll in Zukunft einen auf sie bezogenen Antrag im Senat stellen noch vor dem Volk verhandeln. Wer zuwider handelt, gilt dem Senat als Hochverräter am Staat und am Gemeinwohl."  (51,43) Placet igitur eos dimitti et augeri exercitum Catilinae? minume. sed ita censeo: publicandas eorum pecunias, ipsos in vinculis habendos per municipia, quae maxume opibus valent; neu quis de iis postea ad senatum referat neve cum populo agat; qui aliter fecerit, senatum existumare eum contra rem publicam et salutem omnium facturum.'
LII (1) Nachdem Caesar seine Rede beendet hatte, stimmten die übrigen in kurzen Äußerungen unterschiedlich teils dem, teils jenem zu. Aber Marcus Porcius Cato hielt, als er um seine Stellungnahme gebeten wurde, eine Rede folgenden Inhalts:   (52,1) Postquam Caesar dicundi finem fecit, ceteri verbo alius alii varie adsentiebantur. at M. Porcius Cato rogatus sententiam huiusce modi orationem habuit:  
(2) Da denke ich ganz anders, ihr Senatoren, wenn ich unsere gefahrvolle Lage ins Auge fasse und mir die Stellungnahmen einiger Vorredner durch den Kopf gehen lasse. (3) Diese haben sich, wie mir scheint, nur mit deren Bestrafung  auseinandergesetzt, die gegen ihr eigenes Vaterland, ihre Eltern, Altar und Herd Krieg führen wollten. Die Sachlage aber gebietet, uns vor jenen zu sichern, nicht zu beraten, was wir gegen sie verhängen wollen. (4) Alle anderen Verbrechen mag man nämlich bestrafen, wenn sie verübt sind, verhütet man aber in diesem Fall nicht, dass es eintritt, dürfte man, wenn es passiert ist, umsonst die Gerichte anrufen. Ist die Stadt erobert, bleibt den Besiegten nichts. (5) So rufe ich denn, bei den unsterblichen Göttern, euch auf, denen Häuser und Landgüter, Bildsäulen und Gemälde stets mehr wert waren als das Gemeinwesen: wollt ihr dies, mag sein, wie es will, was ihr ans Herz drückt, retten, wollt ihr euch Ungestörtheit zu euren Vergnügungen schaffen, so wacht endlich aus dem Schlaf auf und greift beim Staat mit an! (6) Es geht nicht um Steuereinnahmen, um Unrecht an den Bundesgenossen: unsere Freiheit und unser Leben stehen auf dem Spiel! (52,2) 'Longe alia mihi mens est, patres conscripti, quom res atque pericula nostra considero, et quom sententias nonnullorum ipse mecum reputo. (52,3) illi mihi disseruisse videntur de poena eorum, qui patriae, parentibus, aris atque focis suis bellum paravere; res autem monet cavere ab illis magis quam, quid in illos statuamus, consultare. (52,4) nam cetera maleficia tum persequare, ubi facta sunt; hoc nisi provideris, ne adcidat, ubi evenit, frustra iudicia inplores: capta urbe nihil fit reliqui victis. (52,5) sed, per deos inmortalis, vos ego appello, qui semper domos, villas, signa, tabulas vostras pluris quam rem publicam fecistis: si ista, quoiuscumque modi sunt, quae amplexamini, retinere, si voluptatibus vostris otium praebere voltis, expergiscimini aliquando et capessite rem publicam. (52,6) non agitur de vectigalibus neque de sociorum iniuriis: libertas et anima nostra in dubio est. 
(7) Oft, ihr Senatoren, habe ich in dieser Versammlung gesprochen, oft über die Verschwendung und die Habsucht unserer Mitbürger Klage geführt und mir dadurch viele Menschen zu Feinden gemacht. (8) Ich, der ich mir, meinem Herzen, nie einen Fehltritt nachgesehen, habe deswegen auch der Lüsternheit eines anderen nicht gern ein Verbrechen nachgesehen. (9) Doch obwohl ihr darauf keinen Wer legtet, war der Staat sicher; seine Macht konnte eure Gleichgültigkeit wettmachen. (10) Jetzt aber handelt es sich nicht darum, ob wir gute oder schlechte Lebensgewohnheiten haben, auch nicht um die Größe und den Glanz des römischen Reiches, sondern ob dies alles hier, mag man darüber denken, wie man will, uns oder mit uns fortan den Feinden gehören soll. (11) Da spricht mir nun einer von Menschlichkeit und Barmherzigkeit. Ja, längst sind uns die rechten Namen für die Dinge abhanden gekommen. Weil fremdes Gut verschenken edle Freigebigkeit, Verwegenheit im Bösen Tapferkeit heißt, eben deshalb schwebt der Staat am Rande des Abgrunds. (12) Mögen sie, weil es nun einmal so mit den Sitten steht, freigebig mit dem Raub an den Bundesgenossen sein, mögen sie mitleidig sein gegen Diebe am Staatsschatz, aber mögen sie nicht unser Blut verschenken, mögen sie nicht, indem sie einige Ruchlose schonen, uns alle ins Verderben stürzen!  (52,7) Saepenumero, patres conscripti, multa verba in hoc ordine feci, saepe de luxuria atque avaritia nostrorum civium questus sum, multosque mortalis ea causa advorsos habeo. (52,8) qui mihi atque animo meo nullius umquam delicti gratiam fecissem, haut facile alterius lubidini male facta condonabam. (52,9) sed ea tametsi vos parvi pendebatis, tamen res publica firma erat, opulentia neglegentiam tolerabat. (52,10) nunc vero non id agitur, bonisne an malis moribus vivamus, neque quantum aut quam magnificum imperium populi Romani sit, sed haec, quoiuscumque modi videntur, nostra an nobiscum una hostium futura sint. (52,11) hic mihi quisquam mansuetudinem et misericordiam nominat. iam pridem equidem nos vera vocabula rerum amisimus: quia bona aliena largiri liberalitas, malarum rerum audacia fortitudo vocatur, eo res publica in extremo sita est. (52,12) sint sane, quoniam ita se mores habent, liberales ex sociorum fortunis, sint misericordes in furibus aerari: ne illi sanguinem nostrum largiantur et, dum paucis sceleratis parcunt, bonos omnis perditum eant. 
(13) In schönen und wohlgesetzten Worten hat Gaius Caesar vorhin in dieser Versammlung über das Verhältnis von Leben und Tod gepredigt, natürlich weil er die Lehren von der Unterwelt für Lügen hält, dass nämlich die Bösen abgesondert von den Guten Räume voll Schmutz und Unrat voll Ekel und Schrecken bewohnen. (14) Und so hat er beantragt, ihr Vermögen zu konfiszieren und sie in Municipien verteilt gefangen zu halten; natürlich aus Furcht, sie könnten, wenn sie in Rom blieben, von ihren Mitverschwörern oder von einer gemieteten Rotte gewaltsam befreit werden. (15) Gerade so, als gäbe es Schurken und Verbrecher nur in der Hauptstadt, nicht überall in ganz Italien, oder als vermöchte Verwegenheit nicht da mehr, wo die Mittel zur Abwehr geringer sind! (16) Also ist der Rat gewiss töricht, wenn er von jenen Gefahren fürchtet; ist ihm bei so großer allgemeiner Besorgnis allein nicht bange, muss mir um so mehr um mich und um euch bange zu sein. (52,13) Bene et conposite C. Caesar paulo ante in hoc ordine de vita et morte disseruit, credo falsa existumans ea, quae de inferis memorantur: divorso itinere malos a bonis loca taetra, inculta, foeda atque formidulosa habere. (52,14) itaque censuit pecunias eorum publicandas, ipsos per municipia in custodiis habendos, videlicet timens, ne, si Romae sint, aut a popularibus coniurationis aut a multitudine conducta per vim eripiantur; (52,15) quasi vero mali atque scelesti tantummodo in urbe et non per totam Italiam sint, aut non ibi plus possit audacia, ubi ad defendundum opes minores sunt. (52,16) quare vanum equidem hoc consilium est, si periculum ex illis metuit; si in tanto omnium metu solus non timet, eo magis refert me mihi atque vobis timere. 
(17) Seid deshalb versichert, dass ihr, wenn ihr über Publius Lentulus und die übrigen abstimmt, zugleich über Catilinas Heer und über alle Verschwörer beschließt. (18) Je ernster ihr das tut, um so schwächer wird ihr Mut werden; sehen sie euch nur ein wenig lasch, werden alle sofort unerschrocken dastehen. (19) Glaubt ja nicht, dass unsere Vorfahren durch Waffen den Staat aus einem kleinen groß gemacht haben. (20) Wäre es so, müssten wir ihn jetzt in schönster Vollendung vorfinden: An Bundesgenossen und Bürgern, sodann an Waffen und Pferden haben wir ja größeren Reichtum als jene. (21) Nein, was sie groß gemacht hat, war etwas ganz anderes und ist bei uns gar nicht mehr vorhanden: zu Hause Fleiß, draußen gerechte Regierung, in der Beratung ein freier, weder durch Schuld noch durch Lust gebundener Sinn. (22) Statt dessen haben wir Verschwendung und Habsucht, leere Staatskassen, gefüllte Privatsäckel; wir lieben den Mammon und ergehen uns in Faulheit. Gute und Schlechte gelten uns gleich, allen Lohn der Tüchtigkeit nimmt das Buhlen um Ämter in Beschlag. (23) Kein Wunder! Wenn ihr jeder nach seinem Sonderinteresse eure Entschließungen trefft, wenn ihr zu Hause dem Vergnügen, hier dem Gold oder der Liebdienerei frönt, - nun daher kommt es, dass der Staat das wehlose Ziel frecher Angriffe wird.  (52,17) qua re, quom de P. Lentulo ceterisque statuetis, pro certo habetote vos simul de exercitu Catilinae et de omnibus coniuratis decernere. (52,18) quanto vos adtentius ea agetis, tanto illis animus infirmior erit; si paulum modo vos languere viderint, iam omnes feroces aderunt. (52,19) Nolite existumare maiores nostros armis rem publicam ex parva magnam fecisse. (52,20) si ita esset, multo pulcherrumam eam nos haberemus: quippe sociorum atque civium, praeterea armorum atque equorum maior copia nobis quam illis est. (52,21) sed alia fuere, quae illos magnos fecere, quae nobis nulla sunt: domi industria, foris iustum imperium, animus in consulendo liber, neque delicto neque lubidini obnoxius. (52,22) pro his nos habemus luxuriam atque avaritiam, publice egestatem, privatim opulentiam. laudamus divitias, sequimur inertiam. inter bonos et malos discrimen nullum, omnia virtutis praemia ambitio possidet. (52,23) neque mirum: ubi vos separatim sibi quisque consilium capitis, ubi domi voluptatibus, hic pecuniae aut gratiae servitis, eo fit, ut impetus fiat in vacuam rem publicam. 
(24) Doch Schluss damit! Bürger des höchsten Adels haben sich verschworen, die Vaterstadt in Brand zu stecken, sie rufen das Volk der Gallier, das alles hasst, was römisch heißt, zum Krieg herbei; der Führer der Feinde sitzt uns mit seinem Heer im Nacken; (25) und ihr zaudert noch immer und seid unsicher, was ihr mit den innerhalb der Mauern ergriffenen Feinden machen sollt? (26) Seid mitleidig, rate ich - junge Leutchen haben aus Ehrgeiz einen Fehltritt getan - ja, lasst sie mit ihren Waffen laufen! (27) Wahrlich, eure Menschenfreundlichkeit und euer Mitleiden dürfte sich, wenn jene die Waffen zur Hand nehmen, in Notleiden verkehren. (28) Ach so: die Sachlage ist schlimm, aber ihr habt davor keine Angst. Ganz im Gegenteil, die größte; aber aus Faulheit und Schlaffheit zaudert ihr, indem einer auf den anderen wartet, natürlich im festen Vertrauen auf die unsterblichen Götter, die diesen unseren Staat oft in den größten Gefahren gerettet haben. (29) Nicht durch Gelübde und Weibertränen wird Hilfe von den Göttern erlangt: durch Wachen, Handeln, gutes Planen wird alles gut. Hat man sich der kopflosen Saft- und Kraftlosigkeit hingegeben, wird man vergebens die Götter anrufen: sie sind aufgebracht und abweisend.  (52,24) Sed ego haec omitto. coniuravere nobilissumi cives patriam incendere, Gallorum gentem infestissumam nomini Romano ad bellum arcessunt, dux hostium cum exercitu supra caput est; (52,25) vos cunctamini etiam nunc et dubitatis, quid intra moenia deprensis hostibus faciatis? (52,26) misereamini censeo ‑ deliquere homines adulescentuli per ambitionem ‑ atque etiam armatos dimittatis: (52,27) ne ista vobis mansuetudo et misericordia, si illi arma ceperint, in miseriam convortat. (52,28) scilicet res ipsa aspera est, sed vos non timetis eam. immo vero maxume. sed inertia et mollitia animi alius alium expectantes cunctamini, videlicet dis inmortalibus confisi, qui hanc rem publicam saepe in maxumis periculis servavere. (52,29) non votis neque suppliciis muliebribus auxilia deorum parantur; vigilando, agundo, bene consulendo prospere omnia cedunt. ubi socordiae te atque ignaviae tradideris, nequiquam deos inplores: irati infestique sunt. 
(30) Zur Zeit unserer Vorfahren ließ Titus Manlius Torquatus im Krieg gegen die Gallier seinen Sohn, weil er entgegen dem Befehl mit einem Feind gekämpft hatte, hinrichten. (31) Der herausragende Jüngling büßte seine übermäßige Tapferkeit mit dem Tod; und ihr fragt euch zögerlich, was über unmenschliche Mörder verhängen sollt? Freilich steht ihr sonstiges Leben zu ihrem jetzigen Verbrechen im Widerspruch! (32) Ja, nehmt Rücksicht auf den hohen Rang des Lentulus, wenn er selbst auf seine Achtbarkeit, seinen Ruf, auf Götter und Menschen je Rücksicht genommen hat! (33) Verzeiht der Jugend des Cethegus, wenn er nicht schon zum zweiten Mal gegen das Vaterland Krieg angefangen hat. (34) Und Gabinius, Statilius, Caeparius, was soll ich über sie sagen? Hätten sie je ein Gewissen gehabt, sie hätten nicht solche Pläne gegen den Staat gehegt. (52,30) apud maiores nostros A. Manlius Torquatus bello Gallico filium suom, quod is contra imperium in hostem pugnaverat, necari iussit, (52,31) atque ille egregius adulescens inmoderatae fortitudinis morte poenas dedit; vos de crudelissumis parricidis quid statuatis, cunctamini? videlicet cetera vita eorum huic sceleri obstat. (52,32) verum parcite dignitati Lentuli, si ipse pudicitiae, si famae suae, si dis aut hominibus umquam ullis pepercit. (52,33) ignoscite Cethegi adulescentiae, nisi iterum patriae bellum fecit. (52,34) nam quid ego de Gabinio, Statilio, Caepario loquar? quibus si quicquam umquam pensi fuisset, non ea consilia de re publica habuissent. 
(35) Schließlich würde ich, ihr Senatoren, wenn es, bei Gott, hinnehmbar wäre, Fehler zu machen, euch durch Schaden klug werden lassen, da ihr ja Worte missachtet. Aber wird sind auf allen Seiten umzingelt. Catilina geht uns mit seinem Heer an die Gurgel, andere Feinde sind innerhalb der Mauern, ja im Herzen der Stadt; keine Maßnahme kann von ihnen unbemerkt getroffen, kein Entschluss gefasst werden: um so größere Eile tut Not. (36) Daher lautet mein Antrag: Da durch den gottlosen Plan ruchloser Bürger der Staat in die höchste Gefahr gestürzt ist und diese durch das Geständnis des Titus Volturcius und der allobrogischen Gesandten überführt und selbst geständig sind, dass sie zu Mord, Brand und anderen unmenschlichen Gräueltaten an ihren Mitbürgern und am Vaterland entschlossen waren, so ist an denen, die gestanden haben und wie an denen, die todeswürdiger Verbrechen überführt wurden, nach dem Beispiel unserer Vorfahren die Todesstrafe zu vollziehen.  (52,35) postremo, patres conscripti, si mehercule peccato locus esset, facile paterer vos ipsa re conrigi, quoniam verba contemnitis. sed undique circumventi sumus. Catilina cum exercitu faucibus urget; alii intra moenia atque in sinu urbis sunt hostes; neque parari neque consuli quicquam potest occulte: quo magis properandum est. (52,36) Quare ego ita censeo, quom nefario consilio sceleratorum civium res publica in summa pericula venerit, iique indicio T. Volturci et legatorum Allobrogum convicti confessique sint caedem, incendia aliaque se foeda atque crudelia facinora in civis patriamque paravisse, de confessis, sicuti de manufestis rerum capitalium, more maiorum supplicium sumundum.'
LIII (1) Nachdem Cato sich niedergesetzt hat, spenden alle Consulare und die Mehrheit des Senats seinem Antrag Beifall, loben seine mutige Einstellung bis zum Himmel und schelten sich gegenseitig Feiglinge. Cato allein gilt als großes und leuchtendes Vorbild; der Senatsbeschluss entspricht unverändert seinem Antrag.      (53,1) Postquam Cato adsedit, consulares omnes itemque senatus magna pars sententiam eius laudant, virtutem animi ad caelum ferunt, alii alios increpantes timidos vocant. Cato clarus atque magnus habetur; senati decretum fit, sicuti ille censuerat. 
(2) Vielfach habe ich gelesen und vielfach gehört, welche ruhmreiche Taten das römische Volk im Krieg und im Frieden zu Wasser und zu Land vollbracht hat. So kam mir der Gedanke, darauf zu achten, was am meisten zur Überwindung so großer Gefahren beigetragen hat. (3) Ich wusste, dass es oft mit geringer Mannschaft gegen starke Feindesscharen gestritten hatte; es war mir bekannt, dass es mit kleinen Mitteln gegen mächtige Könige Kriege geführt hatte; dass es zusätzlich oft Schicksalsschläge ausgehalten hatte, dass die Griechen den Römern in der Beredsamkeit, die Gallier im Kriegsruhm voraus waren. (4) Doch bei vielfachen Überlegungen wurde es mir gewiss, dass alles die ausgezeichnete Tüchtigkeit einzelner Bürger zu Stande gebracht hatte, dass es dadurch so gekommen ist, dass die Armut über den Reichtum, die geringe Zahl über die große den Sieg errang. (5) Aber nachdem durch Verschwendung und Lässigkeit die <Moral der> Bürgerschaft verdorben war, glich wieder der Staat durch seine Macht aus, was schlechte Feldherrn und Beamten verdarben.  Als hätte sich die Kraft der Eltern erschöpft, gab es während langer Zeit so gut wie überhaupt keinen herausragenden Leistungsträger in Rom. (6) Doch in meiner Zeit lebten zwei Männer von außerordentlicher Tüchtigkeit, aber entgegengesetztem Charakter, Marcus Cato und Gaius Caesar. Weil mich der Zusammenhang auf sie geführt hat, beabsichtige ich nicht, stillschweigend an ihnen vorüberzugehen, ohne beider Wesensart und Charakter, soweit ich das leisten kann, zu schildern. (53,2) Sed mihi multa legenti, multa audienti, quae populus Romanus domi militiaeque, mari atque terra praeclara facinora fecit, forte lubuit adtendere, quae res maxume tanta negotia sustinuisset. (53,3) sciebam saepenumero parva manu cum magnis legionibus hostium contendisse; cognoveram parvis copiis bella gesta cum opulentis regibus, ad hoc saepe fortunae violentiam toleravisse, facundia Graecos, gloria belli Gallos ante Romanos fuisse. (53,4) ac mihi multa agitanti constabat paucorum civium egregiam virtutem cuncta patravisse, eoque factum, uti divitias paupertas, multitudinem paucitas superaret. (53,5) sed postquam luxu atque desidia civitas conrupta est, rursus res publica magnitudine sui imperatorum atque magistratuum vitia sustentabat ac, sicuti effeta parentum vi, multis tempestatibus haud sane quisquam Romae virtute magnus fuit. (53,6) sed memoria mea ingenti virtute, divorsis moribus fuere viri duo, M. Cato et C. Caesar. quos quoniam res obtulerat, silentio praeterire non fuit consilium, quin utriusque naturam et mores, quantum ingenio possum, aperirem.
LIV (1) Abstammung, Alter, Beredsamkeit waren ihnen annähernd gleich. Gleich war ihre Beherztheit, ebenso auch der Ruhm, doch von verschiedener Art: (2) Caesar galt wegen seiner Wohltätigkeit und Freigebigkeit für groß, wegen seiner persönlichen Integrität Cato. (3) Caesar gewann durch Schenken, Helfen und Verzeihen Ruhm, Cato dadurch, dass er nichts nachsah. Caesar bot den Unglücklichen Zuflucht, Cato bereitete den Schlechten Verderben. An Caesar rühmte man die Umgänglichkeit, an Cato die Beständigkeit. (4) Endlich lag es in Caesars Sinn, sich bei Tag und Nacht abzumühen, zu wachen; über Anstrengungen für die Interessen seiner Freunde vergaß er die eigenen, nichts schlug er ab, was ein würdiges Geschenk sein konnte. Er wünschte sich ein Kommando, ein Heer, einen außergewöhnlichen Krieg, in dem seine Stärke erstrahlen konnte. (5) Dagegen ging Catos Bemühen auf Einfachheit und Ehrbarkeit, aber vor allem auf Tugendstrenge. (6) Er suchte nicht den Reichen an Reichtum, den Parteimann an Parteilichkeit zu überbieten, sondern den Tüchtigen an Sittlichkeit, den Bescheidenen an Zurückhaltung, den Ehrlichen an Enthaltsamkeit; gut sein wollte er, nicht scheinen: und so holte ihn der Ruhm, je weniger er ihm nachjagte, um so mehr ein.      (54,1) igitur iis genus, aetas, eloquentia prope aequalia fuere, magnitudo animi par, item gloria, sed alia alii. (54,2) Caesar beneficiis ac munificentia magnus habebatur, integritate vitae Cato. ille mansuetudine et misericordia clarus factus, huic severitas dignitatem addiderat. (54,3) Caesar dando sublevando ignoscundo, Cato nihil largiundo gloriam adeptus est. in altero miseris perfugium erat, in altero malis pernicies. illius facilitas, huius constantia laudabatur. (54,4) postremo Caesar in animum induxerat laborare, vigilare; negotiis amicorum intentus sua neglegere, nihil denegare, quod dono dignum esset; sibi magnum imperium, exercitum, bellum novom exoptabat, ubi virtus enitescere posset. (54,5) at Catoni studium modestiae, decoris, sed maxume severitatis erat; (54,6) non divitiis cum divite neque factione cum factioso, sed cum strenuo virtute, cum modesto pudore, cum innocente abstinentia certabat; esse quam videri bonus malebat: ita, quo minus petebat gloriam, eo magis illum adsequebatur.
LV (1) Nachdem sich, wie gesagt, der Senat Catos Antrag angeschlossen hatte, erachtete es der Konsul als das Zweckmäßigste, die bevorstehende Nacht sofort zu nutzen, damit nicht in diesem Zeitraum ein Aufstand versucht würde. Er befiehlt also den Triumvirn, die für die Hinrichtung erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. (2) Er ließ Wachposten aufstellen und führte persönlich Lentulus ins Gefängnis; (3) mit den übrigen verfahren die Praetoren entsprechend. Im Gefängnis befindet sich, wenn man etwas nach links hinaufgeht, das so genannte Tullianum, ein Raum, der ungefähr zwölf Fuß in die Erde eingelassen ist. (4) Ringsum ist er ausgemauert und hat oben eine durch steinerne Bogen getragene gewölbte Decke; sein Äußeres aber erregt durch Schmutz, Finsternis und Geruch Ekel und Schauer. (5) Nachdem Lentulus in diesen Raum hinabgebracht war, schnürten ihm die Henker mit dem Strick die Kehle ab. (6) So fand er , ein Patrizier aus dem glanzvollen Geschlecht der Cornelier, der in Rom die Konsulwürde bekleidet hatte, ein durch seine Sitten und Taten verdientes Lebensende. An Cethegus, Gabinius und Caeparius wurde die Todesstrafe in gleicher Weise vollzogen.    (55,1) Postquam, ut dixi, senatus in Catonis sententiam discessit, consul optumum factu ratus noctem, quae instabat, antecapere, ne quid eo spatio novaretur, tresviros, quae ad supplicium postulabat, parare iubet. (55,2) ipse praesidiis dispositis Lentulum in carcerem deducit; (55,3) idem fit ceteris per praetores. est in carcere locus, quod Tullianum appellatur, ubi paululum ascenderis ad laevam, circiter duodecim pedes humi depressus; (55,4) eum muniunt undique parietes atque insuper camera lapideis fornicibus iuncta; sed incultu tenebris odore foeda atque terribilis eius facies est. (55,5) in eum locum postquam demissus est Lentulus, vindices rerum capitalium, quibus praeceptum erat, laqueo gulam fregere. (55,6) ita ille patricius ex gente clarissuma Corneliorum, qui consulare imperium Romae habuerat, dignum moribus factisque suis exitum vitae invenit. de Cethego, Statilio, Gabinio, Caepario eodem modo supplicium sumptum est.
   
Sententiae excerptae:
w36
Literatur:

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