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Gaius Petronius Arbiter

Satyricon - Cena Trimalchionis

Personen - Inhalt (Gliederung) - Literatur - Zitate

 
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HANDELNDE PERSONEN

(nach L.Gurlitt)

  • Agamemnon, pedantischer Lehrer der Beredsamkeit. Spöttische Beziehungen auf Seneca lassen sich nicht erweisen. Auch sonst muss man sich hüten, Beziehungen zu Zeitgenossen des Petronius zu suchen.
  • Askyltos, ἄσκυλτος (nicht zerzaust, ungequält, ungeängstigt), ein junger, lebensfrischer Grieche. Zeitweise Gefährte des Encolpius, mit dem er um Giton rivalisiert.
  • Chrysis, die "Goldene, Schöne", junge Dienerin der Circe, häufiger Beiname der Aphrodite, auch Hetärenname. Angeblich lässt sie sich nicht mit Sklaven ein, sondern unterhält Beziehungen zum Ritterstand. Sie sucht Encolpius für ihre Herrin zu gewinnen.
  • Circe, Schönheit in Kroton, Geliebte des Encolpius-Polyaenus. Ihr Name soll ausdrücken, dass sie, wie die Κίρκη bei Homer bezaubert. Im Gegesatz zu Odysseus ist Encolpius aber ihrem Zauber nicht gewachsen: Ihre Bemühungen münden in eine einzige Enttäuschung.
  • Korax, "Rabe", Diener des Eumolpos. Ziemlich arbeitsscheu, doch lässt er sich für Liegestützen unter dem Bett des Eumolpos gewinnen.
  • Doris, Geliebte des Encolpius.
  • Encolpius, ἐγκόλπιος, "der auf dem Schoß Sitzende, an der Brust Liegende, im späten Griechisch: das Amulett, bezeichnete den, der beständig in Liebeshändel verstrickt ist. Er ist Träger und Erzähler der Handlung, ein schöner Jüngling, Freigelassener von guter Bildung. Bei Frauen erweist er sich meistens als Schwächling.
  • Eumolpos, älterer, mittelloser, aufdringlicher Dichter; sein Name erinnert an den des berühmten thrakischen Sängers Εὔμολπος, der nach dem Mythos in Attika die Eleusinischen Mysterien stiftete. Er entwickelt poetische Grundsätze für ein historisches Epyllions und realisiert sie in seinem Gedicht vom Bürgerkrieg. In Kroton inszeniert er, um an Geld zu kommen, erfolgreich eine Erbschleicherposse, in der er den großen Herrn spielt.
  • Fortunata, "die Beglückte", Gemahlin des Trimalchio, aus dem Sklavenstand erhoben.
  • Ganymedes, Echion, Nikeros, Phileros sind Tischgäste des Trimalchio, Freigelassene.
  • Giton, γείτων , "Nachbar", ist ein Name des Lieblingssklaven, der an der Seite des Herrn ruht. Nach Encolpius die zweite Hauptperson (Heinze). Vor die Wahl gestellt entscheidet er sich gegen Encolpius für Askyltos, kehrt aber später reumütig zurück.
  • Habinnas, niederer Beamter, wohl karthagische Name.
  • Hermeros, klingt an Hermes an, frecher Freund des Trimalchio.
  • Lichas, im Mythos Diener des Herakles, aber auch sonst gebräuchlich. Liebhaber der Tryphaena und Besitzer eines Handelsschiffes, auf dem die Gesellschaft um Eumolpos nach Tarent unterwegs ist. Lichas kommt im Schiffbruch um. Die Geretteten begeben sich zu Fuß nach Kroton.
  • Oenothea, "Weingießerin", betagte Priesterin des Priapus in Kroton.
  • Pannychis, πάννυχις, "die ganze Nacht", Name eines anmutigen jungen Mädchens, Hetärenname.
  • Philomela, bekannter Name der griechischen Mythologie, Tochter des Pandion, "die Sangesfrohe", da sie in eine Nachtigall oder Schwalbe verwandelt wurde. Hier eine abgelebte Schönheit aus Kroton, die ihre Kinder an reiche Erblasser, hier Eumolpus, verkuppelt.
  • Polyaenus, πολύαινος, Pseudonym des Encolpius mit der Bedeutung "viel gelobt" oder "reich an klugen Reden", Schwerenöter; diesenNamen führt Encolpius wahrscheinlich in Kroton als Sklave im Rahmen der Erbschleicherposse. Auch sonst griechischer Männername.
  • Proselenos, alte Zauberin in Kroton, die sich nur mit vordergründigem Erfolg um die Liebesfähigkeit des Encolpius bemüht.
  • Psyche, "Seele", Hetärenname, Dienerin der Quartilla.
  • Quartilla, Priesterin des Priapus, der Name mit Beziehung auf quarta gibt wohl den "Preis" an.
  • Scintilla, "Funke", Frau des Habinnas, ein Weib ohne Wert.
  • Trimalchio, zusammengesetzt aus τρίς und μαλακός "sehr weichlich, sehr üppig", also "Schlemmer", aus Sybaris.
  • Tryphaena, nach τρυφή - “Luxus, Wollust", griechischer Hetärenname; sie ist die Geliebte des Lichas.

GLIEDERUNG DES INHALTS

(Gliederung nach O.Weinreich, 213f.; O.Schönberger, 29-31; C.Schnur, 197f.)
  1. Gesperrt für nicht registrierte Nutzer. Information durch Anklicken dieses Symbols.Ereignisse vor der Cena (Petron1-26)
    1. Encolpius beklagt den Niedergang der Beredsamkeit und gibt der verfehlten Ausbildung durch die Rhetoriklehrer die Schuld. (Petron.1,1)
    2. Der RhetoriklehrerAgamemnon verteidigt (in Prosa und Dichtung) die gängige Unterrichtsmethode mit der praktischen Notwendigkeit, zu verhindern, dass die Schüler davonlaufen. (Petron.3,1)
    3. Encolpius stiehlt sich davon, um Askyltos zu suchen. Beide gelangen auf verschiedenem Weg in ein Lupanar, treffen sich dort wieder und erzählen sich ihre Erlebnisse. (Petron.6,1)
    4. Zusammen mit Giton wieder in der Absteige. Eifersüchteleien. (Petron.9,1)
    5. Eine Gaunergeschichte, in der Encolpius und Askyltos den Kürzeren ziehen. Sie kommen um Goldstücke, die sie in eine Tunika eingenäht hatten. (Petron.12,1)
    6. Zu den drei bisherigen Handlungsträgern Encolpius, Askyltos und Giton gesellen sich in der Hauptsache drei Anhängerinnen des Priapus: Quartilla, ihre Dienerin Psyche und das Mädchen Pannychis, was zu schnell wechselnden erotischen Beziehungen führt. (Petron.16,1)
  2. Cena Trimalchionis (Gliederung nach O.Weinreich)
    1. Szenen im Bad und Ereignisse bis zum ersten Auftreten Trimalchios. Rede des Hermeros (37f.); Rede Trimalchios (39). Trimalchio räumt die Bühne für geraume Zeit, um seine Notdurft zu verrichten. Petron.27-41,8
      1. Aufbruch zur Cena. Vorstellung Trimlchios. Seine Badefreuden (26-27)
      2. Trimalchios Haus und seine Sehenswürdigkeiten (28-30)
      3. Beginn der Mahlzeit (31)
      4. Der Hausherr zieht ein. Kulinarisches (32-33)
      5. Freut euch des Lebens! (34)
      6. Astrologisches Schaumenü (35)
      7. der Zerleger "Schneider" (36)
      8. Vorstellung von Trimalchios Frau Fortunata (37)
      9. Trimalchios Reichtum. Porträt eines Leichnbestatters (38)
      10. Trimalchio als Humanist und Astrologe (39)
      11. Der Freiheits-Eber. Dionysos-Liber. Trimalchio muss auf die Toilette (40-41)
    2. Freimütige und sich in Länge und Stoffülle steigernde Reden der Freigelassenen Damas, Seleucus, Phileros, Ganymed, Echion (Logomachia) Petron.41,9-46
      1. Damas, der Realist (41)
      2. Seleucus hält die Leichenrede (42)
      3. Phileros eine andere (43)
      4. Ganymed lässt sich über die Teuerung, die Dürre und die gute alte Zeit aus (44)
      5. Echion redet über "panem et circenses", Wahlen und seinen vielversprechenden Sohn (45-46)
    3. Trimalchio kommt zurück. Seine Reden stehen im Folgenden im Mittelpunkt. Eingelegt der singuläre Bericht seines Buchhalters (53). Hermeros' Schimpfrede auf Askyltos und Giton (57f.); Werwolfgeschichte des Nikeros (61f.); Hexengeschichte Trimlachios (63); Petron.47-64
      1. Trimalchio äußert sich nach seiner Rückkehr über die Gefährlichkeit on Blähungen (47)
      2. Trimalchio stellt seine rhetorische und mythologische Bildung unter Beweis (48)
      3. Das nicht ausgenommene Schwein (49)
      4. Trimalchio als Kunstkenner. Das schlimme Schicksal des Erfinders des unzerbrechlichen Glases (50-52).
      5. Bericht des Buchhalters. Jongleure. Ein glimpflich ablaufender Unfall (53-54)
      6. Trimalchio über Literatur, allerlei Berufe und den Nutzen der Tiere (55-56)
      7. Schimpfrede des Hermeros auf Askyltos und Giton. Sein Rätsel. Kritik an der Schule (57-58)
      8. Trimalchio sorgt für Frieden. Auftreten der Homeristen. Trimalchio gibt einen weiteren Beweis seiner mythologischen Bildung (59)
      9. Überraschung (60)
      10. Die Gespenstergeschichten vom Werwolf und vom exenspuk (61-63)
      11. Musikalische Darbietungen. Hundeduell. Trimalchio und sein Liebling (64)
    4. Habinnas und Scintilla treffen ein (Personenwechsel), die neben Trimalchio und Fortunata die Hauptpersonen darstellen. Habinnas führt nur kurz das Wort (66). Nach einem Trialog zwischen Habinnas, Scintilla und Trimalchio (69) macht Trimalchio sein Testament und seine BGrabmalspläne bekannt (71). Petron.65-71
      1. Späte Gäste: Habinnas und Scintilla (65)
      2. Habinnas erzählt von einem anderen Gastmahl (66)
      3. Die beiden Freundinnen Fortunata und Scintilla (67)
      4. Ein talentierter Sklave (68-69)
      5. Ein Meisterkoch (70)
      6. Trimalchios Testament. Anweisungen für sein rabmal (71)
    5. Ortswechsel: Im Bad (symmetrisch zum Anfang der Cena) soll der Trunkenheit abgeholfen werden. Gegen Ende Schimpfrede Trimalchios auf Fortunata und Darstellung seiner Vita (74,13-77). Den Abschluss bildet die Generalprobe für sein Begräbnis. Petron.72-78
      1. Ortswechsel ins Bad. Vereitelte Flucht und unfreiwilliges Bad (72)
      2. Freiwillige Badevergnügen (73)
      3. Ein Hahn kräht zur falschen Zeit. Ein Ehestreit (74)
      4. Habinnas Vermittlungsversuch. Trimalchio schimpft weiter. Trimalchios Lebenslauf (75-77)
      5. Generalprobe für Trimalchios Begräbnis (78)
  3. Gesperrt für nicht registrierte Nutzer. Information durch Anklicken dieses Symbols.Auseinandersetzungen nach der Cena (Petron.79-99)
    1. Flucht und Trennung nach der Cena. Bekanntschaft mit Eumolpus (Petron.79-88)
      1. Beschwerliche Rückkehr in die Herberge (79)
      2. Eifersüchtiger Streit des Encolpius mit Askyltos und Trennung. Giton entscheidet sich für Askyltos und verlässt mit ihm die Herberge (80)
      3. Enkolp sucht die Einsamkeit am Meer, klagt über die Verkommenheit seiner untreuen Gefährten uns sinnt auf Rache mit dem Schwert (81)
      4. Enkolp wird von einem marodierenden Soldaten seiner Waffen beraubt. Beruhigung (82)
      5. In der Bildergalerie Begegnung mit dem Dichter Eumolpos: Die Unverträglichkeit von geistiger Leistung und Reichtum (83-84)
      6. Eumolpus erzählt seine amourösen Abenteuer mit einem Epheben aus Pergamon (Novelle) (85-87)
    2. Weitere Kostproben des Dichters Eumolpus und Flucht aus der Galerie. Petron.88-90
      1. Der Niedergang der Künste (88)
      2. Der Fall Troias, ein Gedicht (89)
    3. Flucht aus der Galerie (90)
    4. Encolpius, Eumolpus und Giton in der Herberge. Aufbruch (Petron.91-99)
      1. Wiedertreffen mit Giton. Auch Eumolpus kommt in die Herberge. Eifersucht, Streit, gespielter Selbstmord (91-94)
      2. Schlägerei in der Gaststätte. Versöhnung (95-96)
      3. Hausdurchsuchung. Aufbruch zu Seefahrt nach Tarent (97-99)
  4. Gesperrt für nicht registrierte Nutzer. Information durch Anklicken dieses Symbols.Die Seereise. Erneutes Zusammentreffen mit Lichas und Tryphaena. Streitereien und Versöhnung, Liebeleien. Literarische Einlagen. Schiffbruch und Tod des Lichas (100-115)
    1. Auf dem Schiff des Lichas und der Tryphaena unterwegs nach Tarent (100-110,5)
      1. Eine böse Überraschung: Das Schiff gehört Lichas und Tryphaena ist auch auf dem Schiff (100 -101,6)
      2. Beratung einer erfolgversprechenden List, um sich, wie Odysseus, aus der "Höhle des Kyklopen" zu retten (101,7 - 103,4)
      3. Vorahnungen des Lichas und der Tryphaena aufgrund von Träumen (104)
      4. Scheitern der List, Entdeckung. Diskussion der Bestrafung (105 - 106)
      5. Verteidigungsrede des Eumolpus, Gegenargumente des Lichas (107)
      6. Lichas lässt sich nicht von einer körperlichen Bestrafung der Übeltäter abbringen. "Kriegerische" Aktionen (108,1 - 108,11)
      7. Verhandlungen und Friedensvertrag nach der Intervention des Steuermanns (108,12 - 109,7)
      8. Elegie und Hendekasyllaben des Eumolpus auf die Kahlköpfe Encolpius und Giton. Perücken als Abhilfe (109,8 - 110,5)
    2. Eumolpos erzählt die Novelle von der Witwe aus Ephesus. Petron.110,6-113,2
    3. Schiffbruch. Tod des Lichas. Liebevoller Abschied von Giton. Rettung durch Fischer (114).
    4. Die Rettung des in sein Dichten versunkenen Eumolpos. Die Nacht nach der Rettung. Beisetzung des Lichas am nächsten Tag (115).
  5. Gesperrt für nicht registrierte Nutzer. Information durch Anklicken dieses Symbols. Unterwegs nach Kroton, Erbschleicher-Posse für Kroton, die Poetik des Eumolpus und sein Bürgerkriegsgedicht (116-125).
    1. Unterwegs nach Kroton. Ein Fremder klärt über eine charakterliche Eigenart der Bürger von Kroton auf (116).
    2. Eumolpus plant ein Possenspiel, um die Erbschleichermentalität der Krotoniaten auszunutzen: Rollenverteilung (117).
    3. Das episch-poetische Programm des Eumolpus (118).
    4. Praktische Anwendung seiner Poetik: Eumolpus' Epyllion vom römischen Bürgerkrieg (119-124)
    5. Ernsthafte Zweifel des Encolpius am Bestand des großen Glücks (125).
  6. Gesperrt für nicht registrierte Nutzer. Information durch Anklicken dieses Symbols.Schelmenstreiche in Kroton (126-141)
    1. Chrysis versucht, Encolpius für ihre Herrin Circe zu interessieren. Verführung (126,1-127,10)
    2. Die große Enttäuschung (128,1 - 129,2)
    3. Spöttischer Brief der Circe an Polyaenus-Encolpius (129,3-129,10)
    4. Antwortbrief des Polyaenus-Encolpius: Schuldgeständnis und Sühnebereitschaft (130,1-130,7)
    5. Zaubertherapie statt Anwendung von Viagra. Probe aufs Exempel. (131,1-131,11)
    6. Encolpius lässt sich durch Endymion ablenken, wird deswegen von Circe bestraft und verkriecht sich ins Bett (132,1-132,7)
    7. Encolpius rechtet mit seiner mentula. (132,8-133,2)
    8. Proselenos lässt Encolpius im Tempel des Priapus durch die Priesterin Oenothea entsühnen (Intermezzo mit den heiligen Gänsen) (133,3-139,4)
    9. Neue Erbschleicher bei Eumolpos: Philomela und ihre beiden Kinder (139,5-140,1)
    10. Das kannibalische Testament des Eumolpus (141,2-141,11)
 
 
 
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Sententiae excerptae:
Lat. zu "Petron"
241
plenissimis (plenis) velis (navigare)
mit vollen Segeln, mit aller Kraft (πάντα κάλων ἐκτείνειν - alle Segel aufspannen, Zenob.5,62)
Cic.dom.10,24; Petron.45

158
Qualis dominus, talis est servus. (οἵαπερ ἡ δέσποινα, τοία χἠ κύων)
Wie der Herr, so ist der Sklave.
Petron 58

1817
Putant se in alium orbem terrarum delatos
Sie glauben, in einen andere Welt versetzt zu sein
Petron.1,2

1818
Ego adulescentulos existimo in scholis stultissimos fieri.
Ich glaube, dass die jungen Leute in den Schulen nur verdummt werden.
Petron.1,3

1819
Omnia dicta factaque quasi papavere et sesamo sparsa.
Alle Worte und Taten gleichsam mit Mohn und Sesam bestreut.
Petron.1,3

1829
An audirem sententias, cum fame morerer?
Hätte ich mir etwa schöne Reden anhören sollen, als ich vor Hunger fast gestorben bin?
Petron.10,1

1830
Tardum est differre, quod placet.
Man soll, was man vorhat, nicht auf die lange Bank schieben! (was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen!)
Petron.10,7

1872
Non commune est, quod natura optimum fecit?
Sind nicht die schönsten Naturerzeugnisse Gemeingut?
Petron.100,1

1873
Sol omnibus lucet.
Die Sonne leuchtet für alle.
Petron.100,1

1874
Nolo habere bona, nisi quibus populus inviderit.
Lieber will ich kein Glück genießen, wenn mich nicht alle Welt darum beneidet.
Petron.100,1

1875
Aliquando totum me, Fortuna, vicisti!
Fortuna, jetzt hast du mich endlich ganz überwunden!
Petron.101,1

1876
Vestes quoque diutius vinctas ruga consumit, et chartae alligatae mutant figuram.
Ein zu lange geschnürtes Gewand bekommt Falten, angenageltes Papier verändert seine Form
Petron.102,12

1814
A capillis usque ad ungues
Von den Haaren bis zu den Zehennägeln (Vom Scheitel bis zur Sohle)
Petron.102,13

1878
Multa una oportet consentiant ratione, ut mendacium constet.
Vieles muss widerspuchsfrei zusammenstimmen, wenn die Täuschung gelingen soll.
Petron.102,14

1877
Color arte compositus inquinat corpus, non mutat.
Künstliche Färbung besudelt den Leib, verwandelt ihn aber nicht.
Petron.102,15

1879
Patrimonii reliquias olere.
Nach den Resten des väterlichen Vermögens duften. (An etwas sein ganzes Vermögen verschwenden).
Petron.105,3

1880
Vide, ut possit illis ignosci, quos ad poenam ipse deus deduxit.
Überlege, wie man die begnadigen darf, die die Gottheit selbst der Bestrafung zuführt.
Petron.106,3

1887
Qui ignotos laedit, latro appellatur, qui amicos, paulo minus quam parricida.
Wer Fremde schädigt, heißt Räuber, wer Freunde, den darf man fast dem Vatermörder gleich bewerten.
Petron.107,11

1881
Omnis vector nihil prius quaerit, quam cuius se diligentiae credat.
Jeder Passagier kümmert sich zuerst darum, wem er sein Leben anvertraut.
Petron.107,2

1882
Patimini liberos homines ire sine iniuria, quo destinant.
Lasst freie Menschen ungehindert gehen, wohin sie wollen!
Petron.107,3

1883
Saevi quoque implacabilesque domini crudelitatem suam impediunt
Selbst strenge, unversöhnliche Herren bezwingen ihre Grausamkeit.
Petron.107,4

1884
Dediticiis hostibus parcimus.
Wir schonen Feinde, die sich freiwillig ergeben.
Petron.107,4

1885
Noli causam confundere, sed impone singulis modum.
Bringe die Sache nicht durcheinander, sondern gib jedem Punkt seinen angemessenen Platz!
Petron.107,7

1886
Vultum qui permutat, fraudem parat, non satisfactionem.
Wer sein Aussehen verwandelt, sinnt auf Betrug, nicht auf Verständigung.
Petron.107,8

1888
Quis furor, exclamat, pacem convertit in arma?
Welche Raserei verwandelte den Frieden in Kampf?
Petron.108,14

1889
Contemptus amor vires habet.
Verschmähte Liebesglut entlädt sich (oft) in Gewalt.
Petron.108,14

1890
Cui non est mors una satis?
Wer begnügt sich nicht mit einem Todesopfer?
Petron.108,14

1891
Praeterita aboleri osculis placet.
Ein Versöhnungskuss lässt Vergangenes vergessen.
Petron.109,4

1892
O fallax natura deum: quae prima dedisti | aetati nostrae gaudia, prima rapis.
O du trügerische Natur der Götter: Die Freuden, die du als erste unserer Jugend schenktest, nimmst du als erste hinweg!
Petron.109,9

1893
Nulla est feminam tam pudica, quae non peregrina libidine usque ad furorem avertatur.
Keine Frau ist so keusch, dass sie sich nicht durch die Leidenschaft für einen fremden Mann bis zum Wahnsinn fortreißen lässt.
Petron.110,7

1895
Ipsum te iacentis corpus admonere debet, ut vivas.
Die Leiche selbst, die vor dir liegt, nötigt dich zu leben.
Petron.111,12

1896
Nemo invitus audit, cum cogitur aut cibum sumere aut vivere
Niemand hört es ungern, wenn man ihn zwingt, Speise zu sich zu nehmen und zu leben.
Petron.111,13

1894
Omnium idem est exitus et idem domicilium
Alle erwartet das selbe Ende und die selbe Wohnung. (Wir müssen alle sterben! Das ist nun einmal nicht zu ändern!)
Petron.111,8

1897
Placitone etiam pugnabis amori?
Warum denn kämpfen gegen eine Liebe, die dir Freude macht?
Petron.112,2

1898
Malo mortuum impendere quam vivum occidere.
Besser den Toten aufhängen, als einen Lebendigen umbringen.
Petron.112,7

1900
Veluti lecto funebri aptatus expecto mortem iam non molestam.
Gleichsam auf der Totenbahre erwarte ich den schon nicht mehr schmerzlichen Tod.
Petron.114,12

1899
Da oscula, dum licet
Gib Küsse, solange es dir vergönnt ist
Petron.114,9

1902
En homo quemadmodum natat!
Da sieh den Menschen, wie er schwimmt! (Der Mensch: ein Spielball der Wellen!")
Petron.115,10

1903
Si bene calculum ponas, ubique naufragium est.
Berechnet man es genau, so ist überall Schiffbruch.
Petron.115,16

1904
Quicquid feceris, omnia haec eodem ventura sunt.
Man mag tun, was man will, alles kommt auf das Gleiche hinaus.
Petron.115,18

1901
Sinite me sententiam explere; laborat carmen in fine.
Lasst mich meinen Gedanken zu Ende bringen; am Schluss ist mein Gedicht noch nicht in Ordnung
Petron.115,4

1905
Homines (Crotone) aut captantur aut captant.
Die Leute (in Croton) werden entweder betrogen oder betrügen.
Petron.116,6

1908
Quod bene feliciterque eveniat!
Glück und Segen!
Petron.117,11

1909
Quid, vos iumentum me putatis esse aut lapidariam navem?
Glaubt ihr denn, ich sei ein Lasttier oder ein Frachtschiff für Steinfuhren?
Petron.117,12

1910
Hominis operas locavi, non caballi.
Ich habe mich als einen Menschen verdingt, aber nicht als Pferd.
Petron.117,12

1911
Non minus liber sum quam vos, etiam si pauperem pater me reliquit.
Ich bin nicht weniger frei als ihr, wenn mich mein Vater auch in Armut zurückgelassen hat.
Petron.117,12

1906
Quid cessamus mimum componere?
Warum zögern wir, eine Posse in Szene zu setzen?
Petron.117,4

1907
Nemo ausus est artem damnare nihil auferentem.
Keiner kann einem Plan verurteilen, das nichts kostet.
Petron.117,5

1912
Multos carmen decepit.
Viele irren sich in der Poesie. (Viele hat die Posie schon getäuscht.)
Petron.118,1

1913
Ut quisque versum pedibus instruxit sensumque teneriorem verborum ambitu intexuit, putavit se continuo in Heliconem venisse.
Sobald einer den Vers rhythmisch gebaut und seinen feineren Gedanken in die rechten Worte gekleidet hat, bildet er sich ein, er habe schon den Helikon erstiegen.
Petron.118,1

1915
Non concipere aut edere partum mens potest nisi ingenti flumine litterarum inundata
Kein Talent ist zu der Empfängnis und der Geburt fähig, wenn es sich nicht mit dem gewaltigen Strom der Literatur getränkt hat
Petron.118,3

1916
Generosior spiritus vanitatem non amat.
Ein edler Geist hält nichts vom eitlen Aufputz.
Petron.118,3

1917
Curandum est, ne sententiae emineant extra corpus orationis expressae, sed intexto vestibus colore niteant.
Man hat dafür zu sorgen, dass kein Gedanke aus dem Rahmen des Ganzen herausfalle, sondern das Gedicht wie ein harmonisch gefärbtes Gewand glänze.
Petron.118,5

1918
Quaerit se natura nec invenit.
Die Natur sucht ihre Erfüllung und kann sie nicht finden.
Petron.119,1,,24

1919
Ingeniosa gula est.
Die Schlemmer sind erfindungsreich. (Hunger ist der beste Koch)
Petron.119,1,33

1920
Venalis populus, venalis curia patrum: est favor in pretio.
käuflich ist das Volk und käuflich sind die Vertreter in der Kurie. Es steht die Gunst in Wert.
Petron.119,1,41f.

1923
Iudice Fortuna cadat alea!
Entscheide, Glück! Dein Würfel sei gefallen.
Petron.121,1,174

1922
Inter tot fortes armatus nescio vinci.
Unbesiegbar bin ich bei so vieler Helden Beistand.
Petron.121,1,176

1921
Destruet istas idem, qui posuit, moles deus.
Vernichten wird diesen Koloss der Gott, der sie schuf.
Petron.121,1,8f.

1924
Quantum quisque timet, tantum fugit.
Das Maß der Furcht bestimmt das Maß der Eile! (Wie sehr einer fürchtet, so schnell flieht er.)
Petron.123,1,221

1925
Quam male est extra legem viventibus! quicquid meruerunt, semper expectant.
Wie schwer sich's lebt außerhalb des Gesetzes! Beständig fürchtet man, was man verdient.
Petron.125,4

1927
Haec vera est Danae.
Hier ist die wahre Danae.
Petron.126,18

1926
Quaedam feminae sordibus calent.
Es gibt Frauen, deren Sinn nur nach Männern der Gasse steht. (Es gibt Frauen, die sich am Schmutz erwärmen )
Petron.126,5

1928
In umbra voluptatis diutius luditur.
Im Schatten der Wollust spielt sich's länger. (Im Vorhof der Lust hält das Vergnügen länger an).
Petron.129,4

1831
O lusum fortunae mirabilem!
Welch seltsames Spiel des Glücks!
Petron.13,1

1832
Scis rediisse ad nos thesaurum, de quo querebar?
Weißt du, dass der Schatz, dessen Verlust ich beklagte, zu uns zurückgekehrt ist?
Petron.13,2

1929
Paratus miles arma non habui.
Ich war ein kampfbereiter Krieger, hatte aber keine Waffen.
Petron.130,4

1931
Rogas potius quam temptas?
Warum fragst du? Versuche es doch lieber! (Wer lange fragt, geht lange irr. Frisch gewagt ist halb gewonnen)
Petron.131,11

1815
Aliis leporem excitavi.
Für andere habe ich einen Hasen aufgescheucht.
Petron.131,7

1930
Dignus amore locus.
Ein Liebesort!
Petron.131,8

1932
Sermonis puri non tristis gratia ridet.
Eine ehrliche Rede lacht in heiterer Anmut.
Petron.132,15

1933
Veneris quis gaudia nescit?
Wer kennt nicht die Freuden der Venus?
Petron.132,15

1934
Nihil est hominum inepta persuasione falsius nec ficta severitate ineptius.
Nichts ist verkehrter als der läppische Versuch, die Menschen überzeugen zu wollen, nichts Alberner als erheuchelte Strenge. (Nichts ist verkehrter auf der Welt als dumme Borniertheit, nichts dummer als scheinheilige Muckerei.)
Petron.132,16

1935
Quisquis peccat inops, minor est reus.
Wer sich aus Schwäche vergeht, hat mindere Strafe zu fürchten.
Petron.133,3

1936
Et operam et sudorem perdidisti.
Du hast dich vergebens in Schweiß gebracht. (Du hast Mühe und Schweiß vergeudet).
Petron.134,2

1937
Die feriarum etiam lugentes rident.
An einem Festtag lachen selbst Trauernde (Leidtragende).
Petron.134,7

1938
Ego tibi pro ansere struthocamelum reddam.
Ich gebe dir für deine Gans einen Strauß zurück.
Petron.137,4

1939
Rogo expiare manus pretio liceat!
Lass mich btte meine Hände mit einem Bußgeld entsühnen!
Petron.137,6

1940
Quisquis habet nummos, secura naviget aura.
Wer Gold in seinem Beutel hat, | Der fährt mit guten Winden.
Petron.137,9

1941
Quod vis, nummis praesentibus opta, et veniet.
Wer Wünsche hegt, | Der lasse Münzen blinken: | Dann kommt Fortuna angefegt; | Sonst pflegt sie arg zu hinken. (Wer Geld hat, kann sich jeden Wunsch erfüllen.)
Petron.137,9,9

1942
Prende furem!
Halte den Dieb!
Petron.138,3

1833
Quid faciunt leges, ubi sola pecunia regnat, || aut ubi paupertas vincere nulla potest?
Was denn vermögen Gesetze, wo doch nur Vermögen entscheidet, || Armut niemals den Sieg sich zu erringen vermag? (Geld regiert die Welt).
Petron.14,2

1834
Ipsi qui Cynica traducunt tempora pera, || non numquam nummis vendere vera solent.
Kaufen doch selbst die Männer, bepackt mit dem kynischen Ranzen,|| Häufig mit Geld sich ein, was sie als Wahrheit erkannt.
Petron.14,2

1835
Iudicium nihil est nisi publica merces.
Ein Gerichtsurteil ist nicht anderes als eine käufliche Ware.
Petron.14,2

1836
Pretium maioris compendii levior facit iactura.
Durch einen kleineren Verlust lässt sich (mitunter) ein größerer Gewinn erzielen.
Petron.14,4

1943
Nihil est commodius quam semper cum sapientia loqui.
Nichts ist vorteilhafter, als immer mit ruhiger Überlegung zu sprechen.
Petron.140,14

1944
Nulli celerius homines incidere debent in malam fortunam, quam qui alienum concupiscunt.
Kein Mensch sollte schneller ins Unglück geraten, als die nach fremdem Gut trachten.
Petron.140,15

1945
Sicut muta animalia cibo inescantur, sic homines non caperentur, nisi spe aliquid morderent.
Wie die stummen Tiere mit Ködern gefangen würden, so könnte man auch die Menschen nicht einfangen, wenn sie keine Hoffnung zu beißen bekämen.
Petron.140,15

1837
Nolo, quod cupio, statim tenere.
Nicht erfülle mein Begehr sich augenblicklich!
Petron.15,9

1838
Nec victoria mi placet parata.
Nicht gefällt mir ein Sieg, der mir in den Schoß fällt.
Petron.15,9

1839
Contemni turpe est, legem donare superbum.
Schmählich, verachtet zu werden, doch stolz, die Strafe erlassen.
Petron.18,6

1840
Hoc amo, quod possum qua libet ire via.
Das ist mir lieb, dass ich gehen kann, wohin ich mag.
Petron.18,6

1841
Sane et sapiens contemptus iurgia nectit.
Fängt doch auch ein Philosoph Streit an, wird er verachtet!
Petron.18,6

1842
Qui non iugulat, victor abire solet.
Wer (seinen Feind) nicht erdrosselt, der pflegt siegreich von dannen zu gehn.
Petron.18,6

1820
Non bene olere possunt, qui in culina habitant.
Nicht gut können die riechen, die in der Küche zu Hause sind.
Petron.2,1

1843
Etiam dormire vobis in mente est, cum sciatis Priapi genio pervigilium deberi?
Steht euch der Kopf sogar nach Schlafen, obwohl ihr wisst, dass ihr dem Genius des Priapus eine Nachwache schuldet?
Petron.21,7

1844
Ascyltos in hoc triclinio solus ferias agit?
Hat denn Askyltos in diesem Speisezimmer alleine Ferien?
Petron.24,3

1845
Potest taurum tollere, qui vitulum sustulit.
Nur der kann einen Stier tragen, der ein Kalb getragen hat.
Petron.25,6

1822
Necesse cum insanientibus furere.
Man muss mit den Verrückten verrückt sein.
Petron.3,2

1823
Magistri nisi dixerint, quae adulescentuli probent, 'soli in scholis relinquentur'
Wenn die Lehrer nicht den Jüngelchen nach dem Mund reden, bleiben sie, allein in der Schule zurück.
Petron.3,2 (nach Cicero)


Literatur:
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Petronius, Satyrica 79 - 141. Ein philologisch-literarischer Kommentar von Peter Habermehl
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Petronius / Heinse
Die Petronübersetzung Wilhelm Heinses, quellenkritisch bearbeiteter Nachdruck der Erstausgabe mit textkritisch-exegetischem Kommentar. Wolfgang Hübner
Frankfurt am Main,: Lang, 1987
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Petronius, Schelmenszenen. Lateinisch und deutsch. hg. von Konrad Müller und Wilhelm Ehlers. Mit forschungsgeschichtlichem Nachwort von Niklas Holzberg
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Petron 118,3
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Die Volkssprache im Werk des Petron im Hinblick auf die romanischen Sprachen
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Stoecker, Ch.
Humor bei Petron
Diss.Erlangen 1969
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Stubbe, H.
Die Verseinlagen im Petron
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Petronius' Satyticon and its Neronian Conrext
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Petron 39 und die Astrologie
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Weinreich, Otto
Römische Satiren. Mit einem Essay zum Verständnis der Werke
Hamburg 1962
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Zeitlin, F.I.
Romanus Petronius. A Study of the Troia Halosis and the Bellum Civile
in: Latomus 30,1971,56-82
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