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C.Sallustius Crispus

De Catilinae coniuratione
Die Catilinarische Verschwörung
5,9-13
Archäologie: Abriss der römischen Sittengeschichte

 

 
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Erster Exkurs: Archäologie (5,9-13): Sallust begründet seine Anschauung von der Entartung Roms wird geschichtlich:
  1. Gründung und Erweiterung erscheinen als Phasen einer moralischen Selbstentfaltung (antimonarchischer Abschnitt über die Königszeit und blutlose Gestaltung der älteren Republik)
    1. Die Zeit der boni mores und des iustum imperium: Die neubegründete republikanische Freiheit weckt gewaltiges Ruhmesverlangen. Der Staat befindet sich in einem wahren Zustand der Vollkommenheit. Die römischen Tugenden der concordia, pietas, aequitas, fides kennzeichnen das Verhalten gegenüber Staat und Göttern.
    2. Nach der Machtentfaltung tritt die Wende ein (10-13): keine unberechenbare Fortuna, sondern das moralische Versagen Roms: fortuna simul cum moribus immutatur. Von Muße und Reichtum geht die Gefahr aus; Herrschsucht (ambitio) und Habsucht ( avaritia) kommen auf und bringen wie eine Seuche alle Laster aus sich hervor. Das Gemeinwesen entartet, das Reich wird unerträglich grausam.
    3. Mit dem Gewaltregiment Sullas beginnt das hemmungslose Rauben und das maßlose Begehren. Jetzt wird das Heer hineingezogen; somit völlige Umkehrung der idealen Frühzeit. Es herrschen die römischen Laster: luxuria, avaritia, superbia, libido.
  2. Dieses Geschichtsbild ist in folgenden Punkten von Poseidonios beeinflusst (Klingner):
    1. Verherrlichung von Altrom,
    2. Epochenansatz auf 146,
    3. Begründung der Wende durch den Wegfall äußerer Feinde;
    4. entspricht aber auch römischer Lebensweisheit:
      1. der alte Censor Appius Claudius: man könne dem römischen Volk besser Arbeit als Muße anvertrauen;
      2. der Hannibalbesieger P.Cornelius Scipio wollte in Karthago den Wetzstein für Rom erhalten;
      3. Cato warnte wiederholt vor Lässigkeit, Übermut, Verwilderung
    5. Sallust wertet im Gegensatz zu Poseidonios Sullas Regierung nicht als Neubeginn, sondern als letzte Verderbnis. Er gibt keine Andeutung einer möglichen Besserung.

Zusammenfassung zu J.Vogt (39-71)

(5,9)  Res ipsa hortari videtur, quoniam de moribus civitatis tempus admonuit, supra repetere ac paucis instituta maiorum domi militiaeque, quo modo rem publicam habuerint quantamque reliquerint, ut paulatim inmutata ex pulcherruma [atque optuma] pessuma ac flagitiosissuma facta sit, disserere.
V (9) Weil mich nun der Zusammenhang auf die Sitten des Volkes gebracht hat, scheint mich der Gegenstand meiner Darstellung selbst aufzufordern, in der Geschichte zurückzugreifen und in Kürze von den Gewohnheiten der Vorfahren im Krieg und Frieden zu sprechen: in welcher Weise sie mit dem Staat umgegangen sind, in welcher Größe sie ihn hinterlassen haben, wie er allmählich umgestaltet wurde und so aus dem herrlichsten und besten so schlecht und hässlich geworden ist. 
(6,1)  Urbem Romam, sicuti ego accepi, condidere atque habuere initio Troiani, qui Aenea duce profugi sedibus incertis vagabantur, et cum his Aborigines, genus hominum agreste, sine legibus, sine imperio, liberum atque solutum. (6,2) hi postquam in una moenia convenere, dispari genere, dissimili lingua, alius alio more viventes, incredibile memoratu est quam facile coaluerint: ita brevi multitudo divorsa atque vaga concordia civitas facta erat. ( 6,3) sed postquam res eorum civibus, moribus, agris aucta satis prospera satisque pollens videbatur, sicuti pleraque mortalium habentur, invidia ex opulentia orta est. (6,4)  igitur reges populique finitumi bello temptare, pauci ex amicis auxilio esse: nam ceteri metu perculsi a periculis aberant. (6,5)  at Romani domi militiaeque intenti festinare, parare, alius alium hortari, hostibus obviam ire, libertatem, patriam parentisque armis tegere. post ubi pericula virtute propulerant, sociis atque amicis auxilia portabant, magisque dandis quam accipiundis beneficiis amicitias parabant. (6,6) imperium legitumum, nomen imperi regium habebant. delecti, quibus corpus annis infirmum, ingenium sapientia validum erat, rei publicae consultabant: hi vel aetate vel curae similitudine patres appellabantur. (6,7)  post ubi regium imperium, quod initio conservandae libertatis atque augendae rei publicae fuerat, in superbiam dominationemque se convortit, inmutato more annua imperia binosque imperatores sibi fecere: eo modo minume posse putabant per licentiam insolescere animum humanum. 
VI (1) Die Stadt Rom gründeten und bewohnten, wie meine Quellen lauten, zuerst Trojaner, die unter Aeneas' Führung heimatflüchtig ohne bleibende Stätte umhergeirrt waren, und mit ihnen Aboriginer, ein Bauernvolk ohne Gesetze, ohne Obrigkeit, ganz frei und unabhängig. (2) Nachdem diese sich in einer Stadt vereinigt hatten, verschmolzen sie trotz verschiedener Abstammung, ungleicher Sprache und abweichender Lebensgewohnheiten unglaublich leicht miteinander: So war binnen kurzem aus einer zerstreuten und nicht sesshaften Masse eine einträchtige Bürgerschaft geworden. (3) Seitdem ihr Staat aber an Bürgerzahl, Gesittung und Gebiet gewachsen war und ganz glücklich und mächtig schien, erregte ihr Wohlhabenheit, wie es bei allem menschlichen Besitz zu sein pflegt, scheelsüchtigen Hass. (4) Daher griffen die benachbarten Könige und Völker sie mit Krieg an. Nur wenige von den Freunden leisteten Hilfe; denn die anderen mieden in furchtsamer Bestürzung die Gefahren. (5) Aber die Römer waren, daheim wie im Felde unermüdlich, rasch zur Hand, rüsteten, ermutigten einander, zogen den Feinden entgegen, schützten Freiheit, Vaterland, Eltern mit den Waffen. Als sie sich dann die Gefahren durch Tapferkeit vom Halse geschafft hatten, brachten sie ihren Freunden und Bundesgenossen Hilfe und erwarben sich dadurch Freunde, dass sie Dienste mehr erwiesen als empfingen. (6) Sie hatten eine gesetzlich geordnete Staatsgewalt, für die Staatsgewalt den Königstitel. Auserwählte, deren Körper durch die Last der Jahre geschwächt, deren Geist aber durch gewonnene Einsicht gekräftigt war, berieten das Gemeinwesen. Sie wurden - vielleicht wegen des Alters, vielleicht wegen der Ähnlichkeit der Fürsorge - Väter genannt. (7) Nachher, als sich das Königtum, das ursprünglich zur Wahrung der Freiheit und Mehrung des Reiches gedient hatte, in Willkür und Gewaltherrschaft verkehrt hatte, änderten sie das Herkommen und legten sich eine jährlich wechselnde  Obrigkeit zu und jeweils zwei Personen als Amtsinhaber. So, glaubten sie, könne ein Mensch am wenigsten der Versuchung erliegen, willkürliche Ungesetzlichkeiten zu üben.  
(7,1)  Sed ea tempestate coepere se quisque magis extollere magisque ingenium in promptu habere. (7,2)  nam regibus boni quam mali suspectiores sunt, semperque iis aliena virtus formidulosa est. (7,3)  sed civitas incredibile memoratu est, adepta libertate quantum brevi creverit: tanta cupido gloriae incesserat. (7,4)  iam primum iuventus, simul ac belli patiens erat, in castris per laborem usum militiae discebat, magisque in decoris armis et militaribus equis quam in scortis atque conviviis lubidinem habebant. (7,5)  igitur talibus viris non labor insolitus, non locus ullus asper aut arduos erat, non armatus hostis formidulosus: virtus omnia domuerat. ( 7,6) sed gloriae maxumum certamen inter ipsos erat: se quisque hostem ferire, murum ascendere, conspici, dum tale facinus faceret, properabat. eas divitias, eam bonam famam magnamque nobilitatem putabant. laudis avidi, pecuniae liberales erant; gloriam ingentem, divitias honestas volebant. (7,7)  memorare possum, quibus in locis maxumas hostium copias populus Romanus parva manu fuderit, quas urbis natura munitas pugnando ceperit, ni ea res longius nos ab incepto traheret. 
VII (1) In der nun folgenden Zeit begannen die Einzelnen mehr emporzustreben und ihre Talente mehr zu gebrauchen. (2) Denn Königen flößen Gute mehr Argwohn ein als Schlechte, und ihnen macht die Tüchtigkeit eines anderen immer Angst. (3) Kaum glaubhaft klingt es, wie großes Wachstum in kurzer Zeit das Volk nach erlangter Freiheit gewann. Vom so lebendigem Verlangen nach Ruhm war man erfüllt. (4)  Die jungen Leute erlernten, sobald sie nur stark genug zum Krieg waren, sogleich im Feld unter Strapazen durch Übung den Kriegsdienst und sie hatten ihre Lust an blanken Waffen und Kriegsrossen, nicht an Buhldirnen und Gelagen. (5) Natürlich war ihnen, wenn sie dann Männer geworden waren, keine Anstrengung ungewohnt, kein Platz unzugänglich und unübersteigbar, kein Feind in Waffen schrecklich: Unerschrockenheit hatte alles überwunden. (6)  Unter ihnen selbst bestand dabei der lebhafteste Wetteifer um Ruhm. Jeder suchte zum Beispiel vor den anderen einen Feind niederzustrecken, eine Mauer zu ersteigen, die Augen, während er eine solche Tat vollbrachte, auf sich zu ziehen. Darin sahen sie den Reichtum, darin guten Ruf und hohen Adel. Geizig um Ruhm, waren sie freigebig mit Geld; Ruhm wünschten sie haufenweise, von Reichtum nur, was recht war. (7) Ich könnte berichten, an welchen Stätten das römische Volk in kleiner Zahl zahlreiche Truppen aus dem Feld schlug, welche durch ihre natürliche Lage geschützten Städte es im Sturm einnahm; aber das würde mich zu sehr von meinem Thema ablenken. 
(8,1)  Sed profecto fortuna in omni re dominatur; ea res cunctas ex lubidine magis quam ex vero celebrat obscuratque. (8,2)   Atheniensium res gestae, sicuti ego aestumo, satis amplae magnificaeque fuere, verum aliquanto minores tamen quam fama feruntur. ( 8,3) sed quia provenere ibi scriptorum magna ingenia, per terrarum orbem Atheniensium facta pro maxumis celebrantur. (8,4)  ita eorum, qui fecere, virtus tanta habetur, quantum eam verbis potuere extollere praeclara ingenia. (8,5)  at populo Romano numquam ea copia fuit, quia prudentissumus quisque maxume negotiosus erat, ingenium nemo sine corpore exercebat, optumus quisque facere quam dicere, sua ab aliis bene facta laudari quam ipse aliorum narrare malebat.
VIII (8) Doch sagen muss ich: das Glück übt überall seine Willkür. Es stellt alle Ereignisse nach Laune, nicht nach Recht in Licht oder Schatten. (2) Die Taten der Athener waren nach meiner Schätzung ganz groß und herrlich, jedoch beträchtlich geringer als sie in der Überlieferung erscheinen; (3) aber weil unter ihnen geistreiche Geschichtsschreiber auftraten, werden die Taten der Athener als die größten auf der ganzen Erde gepriesen. (4) So gilt die Tüchtigkeit derer, die Taten vollbracht haben, nur für so groß, als ausgezeichnete Geister  sie durch Worte herauszuheben vermochten. (5) Solch Glück jedoch war dem römischen Volk nie beschieden, weil der Gescheiteste immer auch der am meisten Beschäftigtste war; Geistesarbeit ohne körperlichen Einsatz betrieb niemand; je tüchtiger einer war, um so mehr stellte er das Handeln über das Reden und wollte lieber seine Taten von anderen gelobt hören, als selbst die anderer zu erzählen. 
(9,1)  Igitur domi militiaeque boni mores colebantur; concordia maxuma, minuma avaritia erat; ius bonumque apud eos non legibus magis quam natura valebat. (9,2)  iurgia, discordias, simultates cum hostibus exercebant, cives cum civibus de virtute certabant. in suppliciis deorum magnifici, domi parci, in amicos fideles erant. (9,3)  duabus his artibus, audacia in bello, ubi pax evenerat, aequitate, seque remque publicam curabant. (9,4)  quarum rerum ego maxuma documenta haec habeo, quod in bello saepius vindicatum est in eos, qui contra imperium in hostem pugnaverant quique tardius revocati proelio excesserant, quam qui signa relinquere aut pulsi loco cedere ausi erant; (9,5)  in pace vero quod beneficiis magis quam metu imperium agitabant et accepta iniuria ignoscere quam persequi malebant.
IX (1) Um den Faden wieder aufzunehmen: Im Frieden und im Krieg pflegte man gute Sitten; es herrschte die größte Eintracht, ganz wenig Habsucht. Recht und Pflicht wurden bei den Leuten nicht infolge von Gesetzeszwang, sondern aus natürlicher Neigung treu erfüllt. (2) Zank, Streit, Hader übten sie gegen Feinde, Bürger stritten mit Bürgern nur um den Vorzug der Tüchtigkeit. Prachtliebend bei den Götterfesten waren sie im häuslichen Leben sparsam, gegen Freunde treu. (3) Durch diese beiden Vorzüge, Kampfbereitschaft im Krieg und Gerechtigkeit, wenn der Frieden eingetreten war, förderten sie das eigene Wohl und das Wohl des Staates. (4) Dafür habe ich folgende schlagende Beweise: im Krieg musste öfter über solche Strafe verhängt werden, die gegen Verbot gegen einen Feind gekämpft und die auf das Kommando zum Rückzug zu langsam den Kampf abgebrochen hatten, als gegen solche, die es gewagt hatten, die Reihen zu verlassen und, wenn sie geschlagen waren,  von der Stelle zu weichen. (5) Im Frieden aber gründete man die Herrschaft auf Wohltaten, nicht auf Furcht, und verzieh lieber nach erlittener Kränkung, als dass man strafte.
(10,1)  Sed ubi labore atque iustitia res publica crevit, reges magni bello domiti, nationes ferae et populi ingentes vi subacti, Carthago aemula imperi Romani ab stirpe interiit, cuncta maria terraeque patebant, saevire fortuna ac miscere omnia coepit. (10,2)  qui labores, pericula, dubias atque asperas res facile toleraverant, iis otium divitiaeque, optanda alias, oneri miseriaeque fuere. (10,3)  igitur primo pecuniae, deinde imperi cupido crevit: ea quasi materies omnium malorum fuere. (10,4)  namque avaritia fidem, probitatem, ceterasque artis bonas subvortit; pro his superbiam, crudelitatem, deos neglegere, omnia venalia habere edocuit. (10,5) ambitio multos mortalis falsos fieri subegit, aliud clausum in pectore, aliud in lingua promptum habere, amicitias inimicitiasque non ex re, sed ex commodo aestumare, magisque voltum quam ingenium bonum habere. (10,6)  haec primo paulatim crescere, interdum vindicari; post ubi contagio quasi pestilentia invasit, civitas inmutata, imperium ex iustissumo atque optumo crudele intolerandumque factum.
X (1) Als aber durch Kraftanstrengung und Gerechtigkeit der Staat gewachsen, mächtige Könige durch Krieg bezwungen, wilde Stämme und große Völker durch Gewalt unterworfen, Karthago, die Nebenbuhlerin der römischen Herrschaft, von Grund auf zerstört, die Zugänge zu allen Ländern und Meeren erzwungen waren, da begann das Schicksal, tückische Gewalt zu übern und alles durcheinander zu werfen. (2) Denjenigen, die Mühen, Gefahren, Angst und Not ohne Beschwer ertragen hatten, war Ruhe und Reichtum, sonst wünschenswert, jetzt Leid und Last. (3) So wurde die Begierde zunächst nach Geld, dann nach Herrschaft, immer mächtiger. Dies war der Keim zu allen Übeln; (4) denn Habsucht zerstört Treue, Redlichkeit und alle anderen Tugenden, sie lehrt dafür Frevelmut, Unmenschlichkeit, Gottvergessenheit, alles für Geld zu tun. (5) Der Ehrgeiz hat schon viele dahin gebracht falsch zu werden, etwas anderes in der Brust verschlossen als offen auf der Zunge zu tragen, Freundschaft und Feindschaft nicht nach ihrem Wesen, sondern nach der Vorteilhaftigkeit abzuwägen, ein ehrliches Gesicht, nicht ein ehrliches Herz zu haben. (6) Diese Leidenschaften wuchsen anfänglich allmählich empor und wurden manchmal bestraft; dann aber, als sich die Ansteckung wie eine Pest ausbreitete, da änderte sich schnell der Volksgeist, da wurde die Herrschaft aus der gerechtesten und wohltätigsten unmenschlich und unerträglich. 
(11,1)  Sed primo magis ambitio quam avaritia animos hominum exercebat, quod tamen vitium propius virtutem erat. (11,2)  nam gloriam, honorem, imperium bonus et ignavos aeque sibi exoptant; sed ille vera via nititur, huic quia bonae artes desunt, dolis atque fallaciis contendit. (11,3)  avaritia pecuniae studium habet, quam nemo sapiens concupivit: ea quasi venenis malis inbuta corpus animumque virilem effeminat, semper infinita, insatiabilis est, neque copia neque inopia minuitur. (11,4)  sed postquam L. Sulla armis recepta re publica bonis initiis malos eventus habuit, rapere omnes, trahere, domum alius, alius agros cupere, neque modum neque modestiam victores habere, foeda crudeliaque in civis facinora facere. (11,5)  huc adcedebat, quod L. Sulla exercitum, quem in Asia ductaverat, quo sibi fidum faceret, contra morem maiorum luxuriose nimisque liberaliter habuerat. loca amoena, voluptaria facile in otio ferocis militum animos molliverant: (11,6)  ibi primum insuevit exercitus populi Romani amare, potare, signa tabulas, pictas, vasa caelata mirari, ea privatim et publice rapere, delubra spoliare, sacra profanaque omnia polluere. (11,7)  igitur ii milites, postquam victoriam adepti sunt, nihil relicui victis fecere. (11,8)  quippe secundae res sapientium animos fatigant: ne illi conruptis moribus victoriae temperarent.
XI (11) Anfangs indes trieb der Ehrgeiz die Leute mehr als die Habsucht, weil jenes Laster  der Tugend noch etwas näher steht. (2) Denn Ruhm, Ehre und Macht wünschen sich der Tüchtige und der Untaugliche in gleicher Weise; aber jener müht sich auf dem rechten Weg, dieser ringt, weil ihm gute Fertigkeiten abgehen, mit Täuschung und Winkelzügen. (3) Das Wesen der Habsucht besteht dagegen im Bemühen um Geld, dessen Besitz kein Weiser je für ein Glück gehalten hat. Wie ein böser Gifttrank entnervt sie Leib und Seele des Mannes, findet nie ein Ziel, eine Befriedigung und wird weder durch Überfluss noch durch Mangel gemindert. (4) Seitdem später jedoch Lucius Sulla den Staat durch Waffengewalt an sich gebracht und nach löblichen Anfängen einen schlimmen Ausgang genommen hatte, raubten und plünderten alle; da wünschte einer ein Haus, dort einer Grundbesitz; die Sieger kannten keine Schranke und keine Pflicht der Mäßigung, verübten abscheuliche und unmenschliche Taten an Mitbürgern. (5) Dazu trug bei, dass Lucius Sulla, dem Heer, das er nach Asien geführt hatte, um sich seiner Treue zu versichern, gegen die althergebrachte Sitte große Üppigkeit und übermäßig große Zwanglosigkeit gewährt hatte. Die schönen, zum Genuss verleitenden Gegenden hatten leichthin die trotzigen Herzen der Soldaten im Nichtstun  dahinschmelzen lassen. (6) Dort zuerst lernte ein römisches Heer buhlen und saufen, begann  Bildsäulen, Gemälde und getriebene Gefäße zu bewundern, sie aus Privat- und öffentlichem Besitz zu rauben, Tempel zu plündern, an allem Geweihten und Ungeweihten zu freveln. (7) Natürlich ließen diese Soldaten, nachdem sei einen Sieg errungen hatten, den Besiegten nichts. (8) Glück macht ja sogar die Herzen der Weisen schwach. Wie hätten sich jene, die sittlich verdorben waren, im Sieg mäßigen können?
(12,1)  Postquam divitiae honori esse coepere et eas gloria imperium, potentia sequebatur, hebescere virtus, paupertas probro haberi, innocentia pro malevolentia duci coepit. (12,2)  igitur ex divitiis iuventutem luxuria atque avaritia cum superbia invasere: rapere consumere, sua parvi pendere, aliena cupere, pudorem pudicitiam, divina atque humana promiscua, nihil pensi neque moderati habere. (12,3) operae pretium est, quom domos atque villas cognoveris in urbium modum exaedificatas, visere templa deorum, quae nostri maiores, religiosissumi mortales, fecere. (12,4)  verum illi delubra deorum pietate, domos suas gloria decorabant, neque victis quicquam praeter iniuriae licentiam eripiebant. (12,5)  at hi contra, ignavissumi homines, per summum scelus omnia ea sociis adimere, quae fortissumi viri victores reliquerant: proinde quasi iniuriam facere, id demum esset imperio uti. 
XII (1) Seit der Reichtum Ehre brachte und sich in seinem Gefolge Ruhm, Herrschaft und Macht einstellte, begann die sittliche Kraft zu erlahmen, Armut für Schande, Redlichkeit für Bösartigkeit zu gelten. (2) Also rissen infolge des Reichtums unter der Jugend Üppigkeit und Habsucht samt Frevelmut ein: überall Raffen und Prassen, Unzufriedenheit mit dem eigenen, Gier nach fremdem Gut, Gleichgültigkeit gegen Schamhaftigkeit und Keuschheit gegen alles Göttliche und Menschliche, kein Gewissen, keine Selbstbeherrschung. (3) Es lohnt sich, wenn man Häuser und Landwohnungen sieht, die weitläufig wie Städte aufgeführt sind, die Göttertempel zu besichtigen, die unsere Vorfahren, höchst gottesfürchtige Menschen, erbaut haben. (4) In der Tat, diese Alten sahen Frömmigkeit als den schönsten Schmuck der Tempel, Ruhm für die höchste Zier ihrer Privathäuser und entzogen Besiegten nichts als die Freiheit, Unrecht zu tun; (5) dagegen haben unsere Zeitgenossen, ganz nichtsnutzige Leute, in höchst ruchloser Weise alles, was die wackersten Männer trotz des Rechts des Siegers den Feinden gelassen hatten, den Untertanen genommen, gerade als ob die Ausübung von Herrschaft erst im Zufügen von Unrecht bestehe.   
(13,1)  nam quid ea memorem, quae nisi iis, qui videre, nemini credibilia sunt, a privatis compluribus subvorsos montis, maria constrata esse? ( 13,2) quibus mihi videntur ludibrio fuisse divitiae: quippe quas honeste habere licebat, abuti per turpitudinem properabant. (13,3)  sed lubido stupri, ganeae ceterique cultus non minor incesserat: viri muliebria pati, mulieres pudicitiam in propatulo habere; vescendi causa terra marique omnia exquirere; dormire prius quam somni cupido esset; non famem aut sitim, neque frigus neque lassitudinem opperiri, sed ea omnia luxu antecapere. (13,4)  haec iuventutem, ubi familiares opes defecerant, ad facinora incendebant: (13,5)  animus inbutus malis artibus haud facile lubidinibus carebat; eo profusius omnibus modis quaestui atque sumptui deditus erat.
XIII (1) Soll ich denn wohl erwähnen, was nur denen, die es gesehen haben, glaublich ist, dass von manchen Privatleuten Berge geebnet und Meere überbaut worden sind? (2) Solche meine ich, betrachten den Reichtum wie ein Spielzeug. Während sie ihn in Ehren hätten besitzen können, beeilten sie sich, ihn schmählich zu vertun. (3) Aber ebenso stark war die Lust an Hurerei, Schlemmerei und allem anderen Sinnenkitzel geworden. Männer ließen sich wie Weiber gebrauchen, Weiber hielten ihre Keuschheit feil. Der Leckerbissen wegen suchte man alles aus Land und Wasser hervor; man schlief, ehe sich das Bedürfnis danach einstellte; man wartete nicht die Zeit des Hungers und des Durstes, der Kühle und der Ermattung ab, sondern beschleunigte künstlich ihr Eintreten. (4) Dies trieb die jungen Leute, wenn ihr Vermögen zu Ende war, zu Verbrechen: (5) der von Lastern befallene Sinn konne nicht leicht auf die Sinnenlust verzichten. Man frönte nur um so zügelloser dem Geldmachen und dem Verprassen.  

 

Sententiae excerptae:
Lat. zu "Sall"
99
idem velle atque idem nolle, ea demum firma amicitia est.
dasselbe wollen und dasselbe nicht wollen, das erst ist feste Freundschaft
Sall.Cat.20,4


Literatur:
zu "Sall" und "Cat"
739
Ableitinger, D.
Beobachtungen zur Caesarrede in der Coniuratio Catilinae des Sallust
in: Vretska: Festschr., Heidelberg 1970
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3421
Bruggisser, Ph.
Audacia in Sallusts 'Verschwörung des Catilina'
in: Herm. 130/2002, 265
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683
Büchner, K.
Cicero. Bestand und Wandel seiner geistigen Welt
Heidelberg (Winter) 1964
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1529
Büchner, K.
Römische Literaturgeschichte. Ihre Grundzüge in intrpretierender Darstellung
Stuttgart (Kröner, TB 199) 1967
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496
Gelzer, M.
Cicero. Ein biographischer Versuch
Wiebaden (Steiner) 1969
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500
Giebel, M.
Cicero
Reinbek (rm 261) 1989
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544
Klingner, F.
Cicero
in: Röm.Geisteswelt, München 1965
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3170
Klingner, Friedrich
Studien zur griechischen und römischen Literatur. Herausgegeben von Klaus Bartels, mit einem Nachwort von Ernst Zinn.
Zürich, Stuttgart (Artemis) 1964
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563
Lämmli, F.
Sallusts Stellung zu Cato, Caesar, Cicero (Staatsdenken)
in: Klein: Staatsd., WBG 1966 (WdF 46)
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Plasberg, O.
Cicero in seinen Werken und Briefen
Darmstadt (WBG) 1962
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Seel, O.
Cicero. Wort, Staat, Welt
Stuttgart (Klett) 1967
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2807
Trassard, Francois, Royer, Sophie / Salles, Catherine
Leben im alten Griechenland.
Stuttgart 2005
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Vogt, J.
Cicero und Sallust über die Catilinarische Verschwörung
Darmstadt (WBG) 1966 [FfM 1938]
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