Lateinische Übungstexte zu Livius mit einer wörtlichen deutschen Übersetzung und Anmerkungen. 

Besonders zur Vorbereitung auf das Latinum 

(Liv.2,34,7ff)

 

Liv.2,34,7ff

Das römische Volk war wegen drückenden Kriegsdienstes und großer Schulden unter Führung des Sinicius auf den mons sacer ausgewandert. Menenius Agrippa hatte das Volk gegen Konzessionen (Einrichtung des Volkstribunates) nach Rom zurückgeholt. Zwei Jahre später herrschte Hungersnot, und Rom musste Getreide importieren. Im Senat entstand eine Diskussion bezüglich des Getreidepreises:

M.Minucio deinde et A.Sempronio consulibus magna vis frumenti ex Sicilia advecta, agitatumque in senatu, quanti plebi daretur. Multi venisse tempus premendae plebis putabant recuperandique iura, quae extorta secessione ac vi patribus essent. Imprimis Marcius Coriolanus, hostis tribuniciae potestatis: "Si annonam", inquit, "veterem volunt, ius pristinum reddant patribus! Cur ego plebeios magistratus, cur Sicinium potentem video sub iugum missus tamquam ab latronibus redemptus? Egone has indignitates diutius patiar, quam necesse est? Tarquinium regem qui non tulerim, Sicinium feram? Secedat nunc! Avocet plebem! Patet via in sacrum montem aliosque colles. Rapiant frumenta ex agris nostris, quemadmodum tertio anno ante rapuere. Utantur annona, quam furore suo fecere! Audeo dicere hoc malo domitos ipsos potius cultores agrorum fore, quam ut armati per secessionem coli prohibeant." Senatui nimis atrox visa sententia est et plebem ira prope armavit. In exeuntem e curia impetus factus esset, nisi peropportune tribuni diem dixissent. Ipse cum die dicta non adesset, perseveratum in ira est. Damnatus absens in Volscos exsulatum abiit minitans patriae hostilesque iam tum spiritus gerens. Venientem Volsci benigne excepere benigniusque in dies colebant, quo maior ira in suos eminebat crebraeque nunc querelae, nunc minae percipiebantur.
Dann ist unter dem Konsulat des M.Minucius und des A.Sempronius eine große Menge Getreide aus Sizilien eingeführt worden, und es wurde im Senat verhandelt, zu welchem Preis es dem Volk abgegeben werden solle. Viele glaubten, dass die Zeit gekommen sei, das Volk unter Druck zu setzen (w. zu bedrängen) und die Rechte wiederzuerlangen, die durch den Auszug und mit Gewalt den "Vätern" abgerungen worden waren. Besonders M.Coriolanus, ein Feind der tribunizischen Gewalt, sagte: "Wenn sie den alten Getreidepreis wollen, sollen sie den "Vätern" das frühere Recht zurückgeben! Warum sehe ich plebejische Beamte (o.: Plebejer als Beamte), warum (sehe ich) Sicinius an der Macht, unter das Joch geschickt (b. gedemütigt) wie von Räubern losgekauft? Ich soll diese unwürdigen Zustände länger ertragen, als es nötig ist? Ich, der ich den König Tarquinius nicht ertragen habe, soll Sicinius ertragen? Er soll jetzt ausziehen! Er soll das Volk (sc. aus Rom) abziehen! Der Weg auf den heiligen Berg und die anderen Hügel steht offen. Sollen sie das Getreide von unseren Feldern rauben, wie sie (es) vor zwei Jahren geraubt haben! Sollen sie die Teuerung in Kauf nehmen, die sie durch ihre Raserei verursacht haben! Ich wage zu sagen, dass sie, durch dieses Übel bezwungen, selber lieber Bebauer ihrer Felder sein werden, als dass sie, bewaffnet durch einen Auszug, verhindern, dass die Felder bebaut werden." Dem Senat schien diese Ansicht allzu schrecklich, und der Zorn hätte das Volk fast zu den Waffen greifen lassen. Als er (M.Coriolanus) aus dem Ratshaus ging (w. auf den aus dem Ratshaus gehenden), wäre ein Angriff auf ihn gemacht worden, wenn nicht gerade im rechten Augenblick (w. sehr gelegen) die Tribune einen Gerichtstermin anberaumt hätten. Da er zum Gerichtstag nicht anwesend war, verharrte man im Zorn. Verurteilt in Abwesenheit ging er zu den Volskern, um in der Verbannung zu leben, wobei er dem Vaterland drohte und schon damals feindselige Gedanken hegte. Den Ankömmling nahmen die Volsker wohlwollend auf und gingen von Tag zu Tag wohlwollender mit ihm um (w. pflegten ihn ...), je größer sein Zorn gegen seine Landsleute sich zeigte und häufig bald Klagen, bald Drohungen vernommen wurden.
M.Minucio et A.Sempronio consulibus: "unter dem Konsulat des M.Minucius und des A.Sempronius" (also 491 v.Chr.) | advecta: sc. est | agitatumque: sc. est = actum est | quanti (pretii) dare: "zu welchem (wie hohem) Preis abgeben" |  multi: sc. senatores | extorta ... essent: (extorquere) | annona, ae f.: Getreidepreis (gemeint ist der Getreidepreis der Zeit vor der Auswanderung auf den heiligen Berg) | Sinicius: Sinicius war vom Volk zum tribunus plebis gewählt worden | sub iugum mittere: unter das Joch schicken (aus drei Lanzen wurde ein Joch in der Form eines  TT  gebildet, unter dem besiegte Feinde hindurchgehen mussten) | patiar: "Ich soll ertragen ..." | Tarquinium regem qui non tulerim: stellen Sie um: Ego, qui Tarquinium regem non tulerim,... | Secedat: sc. Sicinius | rapuere = rapuerunt | utantur annona: "Sie sollen die Teuerung in Kauf nehmen, " | fore: sc. se ... cultores fore (= futuros esse) | coli: Inf.Präs.Pass.; colere hier:" die Felder bestellen" | in exeuntem: gemeint ist Marcius Coriolanus | diem dicere: einen Gerichtstermin anberaumen | die dicta: "zum Gerichtstag" | exsulatum: Sup. I  nach abiit! exsulare: in der Verbannung leben | minitari: drohen | excepere = exceperunt | quo vor Komparativ: "je".  
Lat.Lekt. Liv.1,9ff Liv.1,16 Liv.1, 31 Liv.2, 23 Liv.2,34
Liv.3,17 Liv.3,27 Liv.4,19 Liv.5, 27,1 Liv.5,27,10 Liv.6, 28
Liv.7,9,8 Liv.7,17 Liv.8,9 Liv.9,7,6 Liv.9,30,3 Liv.10,11
Liv.21,11,3 Liv.21,23 Liv.22,49 Liv.25,39,2 Liv. 26,18 Liv. 26,43
Liv.26,49,7 Liv.28,39 Liv.30,20 Liv.31,6,3   Lektuere

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