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Cicero: Tusculanae Disputationes

Cicero: Gespräche in Tusculum

Cic.Tusc.5,68-72

Die Glückseligkeit des Weisen

 
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Exemplarischer Durchgang durch Ciceros Philosophischen Schriften (inspiriert von der Ausgabe von Oskar Weissenfels)
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Einzelstücke: Cic.Tusc.1,9-25 | Cic.fin.1,29-33 | Cic.Fin.5,9-11 |
 
"Beim Weisen ist der Logos gesund und stark, und im Besitz der rechten Erkenntnis vermag er sich gegenüber allen lockenden Einflüssen aufrechtzuerhalten. Nie wird er aus Schwäche einer falschen Vorstellung zustimmen. [...] Nie wird er die Vorstellung anerkennen, dass der körperliche Schmerz ein Übel oder irgendein Außending ein Gut sei. [...] So hält er seine Triebe in rechten Grenzen. Nie kommt es bei ihm zu einem Affekt; er ist ἀπαθής (leidenschaftslos). Auf dieser Unabhängigkeit von der Außenwelt beruht seine innere Freiheit" (Pohlenz 153f.)

Cicero: Tusculanae Disputationes

Cic.Tusc.5,68-72

Beatitudo sapientis

 

Cicero: Gespräche in Tusculum

Cic.Tusc.5,68-72

Die Glückseligkeit des Weisen

68,1
Sed ne verbis solum attingamus ea, quae volumus ostendere, proponenda quaedam quasi moventia sunt, quae nos magis ad cognitionem intellegentiamque convertant.Doch um nicht bloß mit Worten zu berühren, was wir zeigen wollen, ist noch einiges vorzulegen, das uns motiviert, uns noch mehr der Erkenntnis und Einsicht zuzuwenden.
68,2
Sumatur enim nobis quidam praestans vir optumis artibus, isque animo parumper et cogitatione fingatur.Nehmen wir einen Mann, ausgezeichnet durch die trefflichste Bildung, und halten sein Bild einige Zeit in Gedanken fest!
68,3
Primum ingenio eximio sit necesse est; tardis enim mentibus virtus non facile comitatur; deinde ad investigandam veritatem studio incitato.Fürs erste muss er ausnehmend intelligent sei; denn den Stumpfsinn begleitet selten die Tugend; dann muss ihn das Verlangen treiben, die Wahrheit zu erforschen.
68,4
Ex quo triplex ille animi fructus existet, unus in cognitione rerum positus et in explicatione naturae, alter in discriptione expetendarum fugiendarumque rerum et in ratione bene vivendi, tertius in iudicando, quid cuique rei sit consequens quid repugnans, in quo inest omnis cum subtilitas disserendi, tum veritas iudicandi.Hieraus wird nun jene dreifache Frucht des Geistes erwachsen; die eine ruht in der Erkenntnis der Dinge und der Erklärung der Natur; die andere in der Darlegung des Begehrens und Verabscheuens und in der Einrichtung des guten Lebens; die dritte in Beurteilung dessen, was zu jedem Ding passt und nicht passt, worauf jede Feinheit des Vortrags und besonders der Wahrheit im Urteilen beruht.
69,1
Quo tandem igitur gaudio adfici necesse est sapientis animum cum his habitantem pernoctantemque curis! ut, cum totius mundi motus conversionesque perspexerit sideraque viderit innumerabilia caelo inhaerentia cum eius ipsius motu congruere certis infixa sedibus, septem alia suos quaeque tenere cursus multum inter se aut altitudine aut humilitate distantia, quorum vagi motus rata tamen et certa sui cursus spatia definiant — horum nimirum aspectus impulit illos veteres et admonuit, ut plura quaererent;Von welcher Freude nun muss des Weisen Seele erfüllt werden, wenn sie Tag und Nacht mit solchen Gedanken umgeht! Wenn er daher die Bewegung und Umdrehungen der ganzen Welt durchschaut; wenn er die unzähligen Sterne am Himmel, die an bestimmte Orte geheftet sind, mit eben dessen Bewegung übereinstimmen sieht, und dass sieben andere ihren Lauf beibehalten, die nach Höhe und Tiefe erheblich voneinander abstehen, deren schweifende Bewegungen dennoch bestimmte und feste Räume durchlaufen — Ihre Anschauung ist es, die jene Alten antrieb und ermunterte weiterzuforschen.
69,2
inde est indagatio nata initiorum et tamquam seminum, unde essent omnia orta generata concreta, quaeque cuiusque generis vel inanimi vel animantis vel muti vel loquentis origo, quae vita, qui interitus quaeque ex alio in aliud vicissitudo atque mutatio, unde terra et quibus librata ponderibus, quibus cavernis maria sustineantur, qua omnia delata gravitate medium mundi locum semper expetant, qui est idem infimus in rutundo.Hieraus entsprang die Erforschung der Prinzipien und der Urstoffe, aus denen alles entstanden, erzeugt und zusammengesetzt ist; was von jeder unbelebten oder belebten, sprachlosen oder sprachbegabten Art Ursprung, Leben, Untergang und Wechsel und Umbildung von einem ins andere sei; woher die Erde und wodurch im Gleichgewicht gehalten, in welchen Höhlungen die Meere erhalten werden; – durch welche Schwerkraft alles abwärts, stets nach dem Mittelpunkt der Welt strebe, dem zugleich untersten Punkt in dem runden Körper.
70,1
Haec tractanti animo et noctes et dies cogitanti existit illa a deo Delphis praecepta cognitio, ut ipsa se mens agnoscat coniunctamque cum divina mente se sentiat, ex quo insatiabili gaudio compleatur.Beschäftigt sich die Seele damit und denkt sie Tag und Nacht darüber nach, so entspringt jene vom Delphischen Gott geforderte Erkenntnis, der Mensch solle sich selbst erkennen und sich mit dem göttlichen Geist verbunden fühlen, wodurch er mit nie gesättigter Freude erfüllt wird.
70,2
Ipsa enim cogitatio de vi et natura deorum studium incendit illius aeternitatem imitandi, neque se in brevitate vitae conlocatam putat, cum rerum causas alias ex aliis aptas et necessitate nexas videt, quibus ab aeterno tempore fluentibus in aeternum ratio tamen mensque moderatur.Denn gerade das Nachdenken über Kraft und Wesen der Götter entzündet seinen Eifer, der Ewigkeit nachzueifern, und er sieht sich nicht bloß in der Kürze des Lebens beheimatet, wenn er den wechselseitigen Kausalzusammenhang der Dinge und ihre notwendige Verknüpfung sieht, worin trotz des ewigen Flusses der Dinge für ewige Zeit Vernunft und Geist walten.
71,1
Haec ille intuens atque suspiciens vel potius omnis partis orasque circumspiciens quanta rursus animi tranquillitate humana et citeriora considerat!Wenn er zu diesem hin- und aufwärtsblickt, oder vielmehr alle Teile und Räume umschaut, mit welcher Seelenruhe hinwiederum betrachtet er das Menschliche und Diesseitige!
71,2
Hinc illa cognitio virtutis existit, efflorescunt genera partesque virtutum, invenitur, quid sit quod natura spectet extremum in bonis, quid in malis ultumum, quo referenda sint officia, quae degendae aetatis ratio deligenda.So entsteht jene Erkenntnis der Tugend; erblühen die Tugenden nach ihren Gattungen und Arten; es findet sich, was das Höchse ist, das die Natur im Guten bezweckt, was das Äußerste ist im Bösen; worauf die Pflichten zu beziehen sind, welcher Lebensplan zu wählen.
71,3
Quibus et talibus rebus exquisitis hoc vel maxime efficitur, quod hac disputatione agimus, ut virtus ad beate vivendum sit se ipsa contenta.Durch die Untersuchung dieser und solcher Fragen gelangen wir vornehmlich zu dem Resultat, das Thema dieser Unterredung ist, dass die Tugend zum glückseligen Leben sich selbst genügt.
72,1
Sequitur tertia, quae per omnis partis sapientiae manat et funditur, quae rem definit, genera dispertit, sequentia adiungit, perfecta concludit, vera et falsa diiudicat, disserendi ratio et scientia.Es folgt drittens – was sich durch alle Teile der Philosophie hindurchzieht, was die Sache definiert, sie gattungsspezifisch gliedert, die Folgen verknüpft, den vollgültigen Beweis liefert, das Wahre vom Falschen sondert: die wissenschaftliche Methode der Erörterung.
72,2
Ex qua cum summa utilitas existit ad res ponderandas, tum maxume ingenua delectatio et digna sapientia.Aus ihr entspringt nicht nur der größte Nutzen für die Abwägung der Dinge, sondern auch ein höchst edles und der Weisheit würdiges Vergnügen.
72,3
Sed haec otii. Transeat idem iste sapiens ad rem publicam tuendam.Doch dies in der Studierstube. Doch es wende sich dieser Weise auch dem Schutz des Staates zu!
72,4
Quid eo possit esse praestantius, cum [contineri] prudentia utilitatem civium cernat, iustitia nihil in suam domum inde derivet, reliquis utatur tot tam variisque virtutibus?Was ließe sich da wohl Vortrefflicheres denken als er, da er in seiner Klugheit den Nutzen der Bürger erkennt, aus Gerechtigkeit nichts davon in sein Haus ableitet und auch über die übrigen so zahlreichen und mannigfaltigen Tugenden verfügt?
72,5
Adiunge fructum amicitiarum, in quo doctis positum est cum consilium omnis vitae consentiens et paene conspirans, tum summa iucunditas e cotidiano cultu atque victu.Füge den Genuss der Freundschaft hinzu, wozu für Gebildete sowohl die gemeinsame und übereinstimmende Ausrichtung des Lebens gehört, als auch besonders die höchste Annehmlichkeit aus der gegenseitigen Bereicherung im täglichen Umgang.
72,6
Quid haec tandem vita desiderat, quo sit beatior? cui refertae tot tantisque gaudiis Fortuna ipsa cedat necesse est.Was fehlt denn diesem Leben, um noch glückseliger zu sein? - Ihm muss mit seiner Fülle so vieler und so großer Freuden selbst das Glück weichen.
72,7
Quodsi gaudere talibus bonis animi, id est virtutibus, beatum est omnesque sapientes is gaudiis perfruuntur, omnis eos beatos esse confiteri necesse est.Ist es nun Glückseligkeit, sich solcher geistigen Güter zu erfreuen, d.h. der Tugenden, und genießen alle Weisen diese Freuden, so muss man notwendig zugeben, dass sie alle glückselig sind.
     
Aufgabenvorschläge:
  1. Welche Voraussetzungen muss der Weise mitbringen?
  2. Was versteht Cicero unter "dreifache Frucht des Geistes"? Suchen Sie vergleichbare (verständlichere) Begriffe und Wissensrichtungen in der Gegenwart!
  3. Der Text (69,1) behauptet, mit der Anschauung der Ordnung am Himmel sei das philosophische Denken der Menschen in Gang gekommen. Ist dieser Ansatz allgemein oder gab / gibt es alternative Ansätze?
  4. Der delphische Spruch (70,1) lautet γνῶθι σαυτόν (erkenne dich selbst! - nosce te ipsum!). Umschreiben Sie die gedankliche Einbettung dieses Spruches in den Textzusammenhang!
  5. An welcher Textstelle, wird die "Autarkie" der Tugend angesprochen?
  6. Welche Formulierungen könnte man am ehesten als Methodik zur Abfassung eines Erörterungsaufsatzes verstehen?
  7. Finden Sie im Text einen Beleg für folgenden Satz: "Außer im eigenen Innern findet der Mensch das Gute noch in dem allgemeien Logos, in der Gemeinschaft der Vernunftwesen, ohne die er nicht existieren und sich nicht nach seinem Wesen sittlich betätigen kann." (Pohlenz, S. 121)
  8. Unter welchem Aspekt ist die Einbeziehung der Freundschaft in diesen Zusammenhang gerechtfertigt, so dass sie nicht als Fremdkörper wahrgenommen wird?
Übersetzung von F.H.Kern, bearbeitet von E. Gottwein
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Sententiae excerptae:
w33
Literatur:
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