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Materie -  ὕλη


Zentrale Begriffe aus dem Bereich der griechischen Sprache und Geistesgeschichte

 

Materie, Stoff  -  ὕλη

 

Textstellen:
  1. Lemma bei Liddell-Scott-Jones
  2. Aristot.Met.1032a12-1032a27
  3. Aristot.Met.1069b3-1069b34
  4. Hom.Il.11,154-157
  5. Hom.Od.17,311-323
  6. Hom.Od.5,242-262
  7. Hom.Il.7,414-420
  8. Gal. 18,256
Vergleiche: 

 

Nach dem Lemma bei Liddell-Scott-Jones
ὕλη
  1. Wald, Waldung, Waldbäume
    1. Wald: Agamemnons Kampfeswut wird mit dem elementaren Wüten eines Waldbrandes verglichen: ὡς δ' ὅτε πῦρ ἀίδηλον ἐν ἀξύλῳ ἐμπέσῃ ὕλῃ Hom.Il.11,155; Odysseus' Hund Argos ist in den Schluchten des tiefen Waldes nie ein Wild entkommen: οὐ μὲν γάρ τι φύγεσκε βαθείης βένθεσιν ὕλης | κνώδαλον  Hom.Od.17,316; die Budiner bewohnen ein Gebiet, das mit dichtem Mischwald bestanden ist; γῆν νεμόμενοι πᾶσαν δασέαν ὕλῃ παντοίῃ Herod.4,21;
    2. Waldbäume: τὰ δένδρα καὶ ὕλη Obstbäume und Waldbäume Thuk.4,69 (auch: Wäldchen, Unterholz, Gestrüpp) 
  2. Schnittholz, Kleinholz:
    1. Schnittholz: Odysseus hat an seinem Floß über dem erhöhten Boden die Rippen für das Oberdeck angebracht und mit Holzbohlen seitlich verkleidet. Zum Schluss verbrettert er das Verdeck, so dass darunter ein geschlossener Hohlraum entsteht:  πολλὴν δ' ἐπεχεύατο ὕλην Hom.Od.5,257
    2. Brennholz: Die Troianer und die Griechen wollen ihre Toten verbrennen. Jeweils eine Abteilung sammelt die Leichen ein, eine andere geht, um den Scheiterhaufen zu erreichten μεθ' ὕλην Hom.Il.7,418
    3. Bauholz: Plat.Nom.705c; ὕλη ναυπηγήσιμος καὶ οἰκοδομική Thphr. HP 5,7,1; Zweige für Vogelnester: Aristot.HA 559a2.
  3. Stoff, Material, aus dem etwas hergestellt wird
    1. Holz: Hom.Od.5,257; selten, da auf dem Ambos geschmiedet Metall: οἱ παρ' ἄκμονι . . ὕλην ἄψυχον δημιουργοῦντες Plu. 2.802b
    2. Materie als philosophischer Terminus zur Bezeichnung des Substrats, an dem sich eine Veränderung vollzieht. o Szuerst bei Aristoteles der den Begriff  Aristot.Met.1069b3-1069b34  entwickelt. [Bei Aristoteles im Gegensatz zur ἐντελέχεια, Aristot.Met.1038b6. Sonst, besonders in der späteren Philosophie Gegensatz zum νοῦς, Procl. Inst.72]: 
      1. τὸ ὑποκείμενον γενέσεως καὶ φθορᾶς δεκτικόν Aristot.GC320a2;
      2. τὸ ἐξ οὗ γίγνεται Aristot.Met.1032a17
      3. οὐσία ἥ τε ὕλη καὶ τὸ εἶδος καὶ τὸ ἐκ τούτων Aristot.Met.1035a2
    3. Stoff, Thema in der Literatur: ὕλη τραγική, ποιητικαὶ ὗλαι, Plb.2,16,14; Longin. 13,4; ἡ ὑποκειμένη ὕλη Aristot.eth.Nic.1094b12.
    4. ὕλη ἰατρική -  "materia medica": Titel eines Werkes des Dioscorides medicus; ὗλαι τῆς τέχνης Gal. 1. 
    5. Materielle Ressourcen: βασιλικαὶ ὗλαι Ph. 1,640 (Philo mechanicus)
  4. Bodensatz, Schlamm Ar. Fr.879; menschliche Ausscheidungen: Sor.1,22; ἡ ὕλη τῶν ἐμπυημάτων Gal. 18,256 (tò Geschwür): Wir verstehen den Text im Sinne von III 4.

 

Hom.Il.11,154-157
Agamemnon tobt wie ein Waldbrand
154
155
156
157
αἰὲν ἀποκτείνων ἕπετ' Ἀργείοισι κελεύων.
ὡς δ' ὅτε πῦρ ἀίδηλον ἐν ἀξύλῳ ἐμπέσῃ ὕλῃ,
πάντῃ τ' εἰλυφόων ἄνεμος φέρει, οἳ δέ τε θάμνοι
πρόρριζοι πίπτουσιν ἐπειγόμενοι πυρὸς ὁρμῇ·
Immerfort tötend folgte er den Argivern sie antreibend. | Wie wenn ein Feuer vernichtend einfällt in holzreichen Wald | überall hin wälzend trägt es der Wind, und das Gestrüpp, | mitsamt seiner Wurzel fällt es | getrieben von des Feuers Sturm.
Hom.Od.17,311-323
Der Schweinehirt Eumaios würdigt den Hund Argos gegenüber seinem Herrn Odysseus', ohne ihn in dem vermeintlichen Bettler schon erkannt zu haben, sondern in dem Glauben, er sei in der Ferne umgekommen. Man könnte die Stelle für sentimental halten. Doch in diesem widersprüchlichen und vielschichtigen Spiel von Meinung und Wirklichkeit, Erkennen und Verbergen, Vergangenheit und Gegenwart, Scheitern und Erfüllung liegt auch ein intellektueller Reiz, der weit über das Sentimentalische hinausgeht. 
311 τὸν δ' ἀπαμειβόμενος προσέφης, Εὔμαιε συβῶτα·
"καὶ λίην ἀνδρός γε κύων ὅδε τῆλε θανόντος
εἰ τοιόσδ' εἴη ἠμὲν δέμας ἠδὲ καὶ ἔργα,
οἷόν μιν Τροίηνδε κιὼν κατέλειπεν Ὀδυσσεύς,
315 αἶψά κε θηήσαιο ἰδὼν ταχυτῆτα καὶ ἀλκήν.
οὐ μὲν γάρ τι φύγεσκε βαθείης βένθεσιν ὕλης
κνώδαλον, ὅττι δίοιτο· καὶ ἴχνεσι γὰρ περιῄδη.
νῦν δ' ἔχεται κακότητι, ἄναξ δέ οἱ ἄλλοθι πάτρης
ὤλετο, τὸν δὲ γυναῖκες ἀκηδέες οὐ κομέουσι.
320 δμῶες δ', εὖτ' ἂν μηκέτ' ἐπικρατέωσιν ἄνακτες,
οὐκέτ' ἔπειτ' ἐθέλουσιν ἐναίσιμα ἐργάζεσθαι·
ἥμισυ γάρ τ' ἀρετῆς ἀποαίνυται εὐρύοπα Ζεὺς
ἀνέρος, εὖτ' ἄν μιν κατὰ δούλιον ἦμαρ ἕλῃσιν."
  Ihm aber erwidernd sprachst du ihn an, Sauhirt Eumaios: | "Gewiss eines Mannes Hund, der in der Ferne umkam; wenn er so noch wäre an Gestalt und an Tat, | wie ihn, als er nach Troia ging, zurückließ Odysseus, | schnell dürftest du, wenn du sie siehst,  bestaunen seine Schnelligkeit und Kraft. | Denn nie entkam in den Schluchten des tiefen Waldes | ein Wild ihm, das er verfolgte, denn Spuren kannte er über die Maßen. | Jetzt aber liegt er im Elend, sein Herr ging ihm fern von der Heimat | zu Grunde, den aber pflegen die sorglosen Frauen nicht. | Diener, sobald nicht mehr herrschen die Herrn, | sind nicht mehr bereit, was sich gebührt, auch zu tun. | Denn die Hälfte des Wertes nimmt der weitblickende Zeus hinweg | einem Mann, sobald in der Knechtschaft Tag ergreift."
Hom.Od.5,242-262
Odysseus darf Kalypsos Insel endlich verlassen. Mit viel Sachverstand (εὖ εἰδὼς τεκτοσυνάων, 250) baut er sein Floß. Ganz zum Schluss heißt es dann πολλὴν δ' ἐπεχεύατο ὕλην, 257. Was hat Odysseus auf sein Floß "geschüttet"? Der Markt bietet manches an, besonders: "Strauchwerk, Laubwerk, Reisig, trockenes Laub, Ballast". Wir weichen davon stark ab, halten uns an LSJ und verstehen, die wagrechten Bretter des Verdecks, die er in Menge aufträgt. 
242 ἡ μὲν ἔβη πρὸς δῶμα Καλυψώ, δῖα θεάων,
αὐτὰρ ὁ τάμνετο δοῦρα· θοῶς δέ οἱ ἤνυτο ἔργον.
εἴκοσι δ' ἔκβαλε πάντα, πελέκκησεν δ' ἄρα χαλκῷ,
245 ξέσσε δ' ἐπισταμένως καὶ ἐπὶ στάθμην ἴθυνε.
τόφρα δ' ἔνεικε τέρετρα Καλυψώ, δῖα θεάων·
τέτρηνεν δ' ἄρα πάντα καὶ ἥρμοσεν ἀλλήλοισι,
γόμφοισιν δ' ἄρα τήν γε καὶ ἁρμονίῃσιν ἄρασσεν.
ὅσσον τίς τ' ἔδαφος νηὸς τορνώσεται ἀνὴρ
250 φορτίδος εὐρείης, εὖ εἰδὼς τεκτοσυνάων,
τόσσον ἐπ' εὐρεῖαν σχεδίην ποιήσατ' Ὀδυσσεύς.
ἴκρια δὲ στήσας, ἀραρὼν θαμέσι σταμίνεσσι,
ποίει· ἀτὰρ μακρῇσιν ἐπηγκενίδεσσι τελεύτα.
ἐν δ' ἱστὸν ποίει καὶ ἐπίκριον ἄρμενον αὐτῷ·
255 πρὸς δ' ἄρα πηδάλιον ποιήσατο, ὄφρ' ἰθύνοι.
φράξε δέ μιν ῥίπεσσι διαμπερὲς οἰσυίνῃσι,
κύματος εἶλαρ ἔμεν· πολλὴν δ' ἐπεχεύατο ὕλην.
τόφρα δὲ φάρε' ἔνεικε Καλυψώ, δῖα θεάων,
ἱστία ποιήσασθαι· ὁ δ' εὖ τεχνήσατο καὶ τά.
260 ἐν δ' ὑπέρας τε κάλους τε πόδας τ' ἐνέδησεν ἐν αὐτῇ,
μοχλοῖσιν δ' ἄρα τήν γε κατείρυσεν εἰς ἅλα δῖαν.
τέτρατον ἦμαρ ἔην, καὶ τῷ τετέλεστο ἅπαντα·
  Die nun ging zum Hause, Kalypso, die hehre Göttin. | Er aber fällte sich Stämme, und schnell war die Arbeit getan. | Zwanzig insgesamt legte er um, behaute sie mit der ehernen Axt, | glättete sie verständig und richtete sie nach der Schnur. | Inzwischen brachte Bohrer Kalypso, die hehre Göttin. | Er durchbohrte nun alles und passte es aneinander, | mit Dübeln fügt' er es dann und Klammern. | Wie groß den Boden des Schiffes sich wird wölben ein Mann, | eines weiten Frachtkahns, wohl kundig des Handwerks, | so groß baute ihn sich auf weitem Floße Odysseus. | Bohlen stellte er auf, fügt' sie an zahlreiche Rippen | und baute es so. Doch mit langen Planken beendete er es. | Drauf aber baut' er den Mast und die Rahe an ihn gefügt. | Dazu nun baute ein Ruder er sich, damit er es lenke. | Hegte es ein mit durchlaufendem Flechtwerk aus Weiden, |  dass vor der Woge es schütze. In Menge aber goss er darauf das Bauholz. | 
Tücher brachte inzwischen Kalypso, die hehre Göttin | damit er sich Segel mache. Der aber verfertigte kunstvoll auch dies. | Drin aber band er Brassen und Taue und Schoten fest, | Dann zog er mit Winden es hinab ind die göttliche Salzflut. | Der vierte Tag kam und ihm war alles vollendet. 
Hom.Il.7,414-420
Idaios hat im Auftrag der Trojaner mit Agamemnon einen Waffenstillstand vereinbart, um die Gefallenen zu bestatten. Er geht nach Troia zurück und überbringt den Bescheid
414 οἳ δ' ἕατ' εἰν ἀγορῇ Τρῶες καὶ Δαρδανίωνες
415 πάντες ὁμηγερέες, ποτιδέγμενοι ὁππότ' ἄρ' ἔλθοι
Ἰδαῖος· ὃ δ' ἄρ' ἦλθε καὶ ἀγγελίην ἀπέειπε
στὰς ἐν μέσσοισιν· τοὶ δ' ὁπλίζοντο μάλ' ὦκα,
ἀμφότερον νέκυάς τ' ἀγέμεν ἕτεροι δὲ μεθ' ὕλην·
Ἀργεῖοι δ' ἑτέρωθεν ἐυσσέλμων ἀπὸ νηῶν
420 ὀτρύνοντο νέκυς τ' ἀγέμεν, ἕτεροι δὲ μεθ' ὕλην.
Aristot.Met.1069b3-1069b34
Der Text entstammt dem 12. Buch der Metaphysik (L), dessen Sonderrolle allgemein anerkannt ist. Es gilt als in sich abgeschlossen und als ein frühes Werk des Aristoteles, das später in die Metaphysik einbezogen wurde. In dem hier ausgezogenen Abschnitt führt Aristoteles den Begriff  ὕλη zum ersten Mal in die philosophische Terminologie ein. (Görgemanns, S. 296 ff.). Mit der Einführung des "Stoff-" oder "Materiebegriffs" macht Aristoteles nicht nur den entscheidenden Schritt zur Lösung des Problems von Werden und Vergehen, das Platon zu seiner Ideenlehre geführt hatte, sondern auch zur Lösung der alten Frage des Parmenides zu dem Verhältnis zu Sein und Nichtsein. Im diesem Sinne verstehen wir zumindest den Passus 1069b18 ff: Das nach Parmenides nicht denkbare Nichtsein ist, und zwar als ein δυνάμει ὄν, das erst zu einem ἐνεργείᾳ wird. 
  Ἡ δ' αἰσθητὴ οὐσία μεταβλητή. εἰ δ' ἡ μεταβολὴ ἐκ τῶν ἀντικειμένων ἢ τῶν μεταξύ, ἀντικειμένων δὲ μὴ πάντων [οὐ λευκὸν γὰρ ἡ φωνή] ἀλλ' ἐκ τοῦ ἐναντίου, ἀνάγκη ὑπεῖναί τι τὸ μεταβάλλον εἰς τὴν ἐναντίωσιν· οὐ γὰρ τὰ ἐναντία μεταβάλλει. Die wahrnehmbare Substanz ist veränderlich. Wenn nun die Veränderung aus dem Entgegengesetzten oder dem Mittleren erfolgt, jedoch nicht aus allem Entgegengesetzten (denn die Stimme ist nicht-weiß), sondern aus dem Gegensätzlichen, so muss etwas, das sich in den Gegensatz hinein verändert, zu Grunde liegen; denn nicht das Gegensätzliche verändert sich. 
  ἔτι τὸ μὲν ὑπομένει, τὸ δ' ἐναντίον οὐχ ὑπομένει· ἔστιν ἄρα τι τρίτον παρὰ τὰ ἐναντία, ἡ ὕλη. εἰ δὴ αἱ μεταβολαὶ τέτταρες, ἢ κατὰ τὸ τί ἢ κατὰ τὸ ποῖον ἢ πόσον ἢ ποῦ, καὶ γένεσις μὲν ἡ ἁπλῆ καὶ φθορὰ ἡ κατὰ [τὸ] τόδε, αὔξησις δὲ καὶ φθίσις ἡ κατὰ τὸ ποσόν, ἀλλοίωσις δὲ ἡ κατὰ τὸ πάθος, φορὰ δὲ ἡ κατὰ τόπον, εἰς ἐναντιώσεις ἂν εἶεν τὰς καθ' ἕκαστον αἱ μεταβολαί. Ferner: dies bleibt erhalten, das Gegensätzliche bleibt nicht erhalten; es gibt also etwas Drittes außer dem Gegensätzlichen, den Stoff. Wenn es nun vier Veränderungen gibt, nämlich im Was (Substanz), im Wieartigen (Qualität), im Wieviel  (Quantität) oder im Wo (Ort),  dann dürfte es auch folgende vier Veränderungen in den jeweiligen Gegensatz geben: einfaches Werden und Vergehen die nach dem Was, Vermehrung und Verminderung die nach dem Wieviel, Wandel die nach dem Befinden und Lagewechsel die nach dem Ort. 
  ἀνάγκη δὴ μεταβάλλειν τὴν ὕλην δυναμένην ἄμφω· ἐπεὶ δὲ διττὸν τὸ ὄν, μεταβάλλει πᾶν ἐκ τοῦ δυνάμει ὄντος εἰς τὸ ἐνεργείᾳ ὄν [οἷον ἐκ λευκοῦ δυνάμει εἰς τὸ ἐνεργείᾳ λευκόν, ὁμοίως δὲ καὶ ἐπ' αὐξήσεως καὶ φθίσεως], ὥστε οὐ μόνον κατὰ συμβεβηκὸς ἐνδέχεται γίγνεσθαι ἐκ μὴ ὄντος, ἀλλὰ καὶ ἐξ ὄντος γίγνεται πάντα, δυνάμει μέντοι ὄντος, ἐκ μὴ ὄντος δὲ ἐνεργείᾳ. Der Stoff kann sich also nur verändern, weil er zu beidem die Möglichkeit hat. Da aber das Seiende zwei Aspekte hat, verändert sich alles aus einem möglich Seienden in ein wirklich Seiendes, z.B. aus einem möglich Weißen in ein wirklich Weißes. Ebenso ist es bei der Vermehrung und Verminderung. Daher die Möglichkeit, dass alles nicht nur von Fall zu Fall aus dem Nichtseienden entsteht, sondern auch aus einem Seienden, freilich aus einem möglich Seienden, nicht aus einem wirklich Seienden. 
  καὶ τοῦτ' ἔστι τὸ Ἀναξαγόρου ἕν· βέλτιον γὰρ ἢ "ὁμοῦ πάντα" - καὶ Ἐμπεδοκλέους τὸ μῖγμα καὶ Ἀναξιμάνδρου, καὶ ὡς Δημόκριτός φησιν - "ἦν ὁμοῦ πάντα δυνάμει, ἐνεργείᾳ δ' οὔ"· ὥστε τῆς ὕλης ἂν εἶεν ἡμμένοι· πάντα δ' ὕλην ἔχει ὅσα μεταβάλλει, ἀλλ' ἑτέραν· καὶ τῶν ἀιδίων ὅσα μὴ γενητὰ κινητὰ δὲ φορᾷ, ἀλλ' οὐ γενητὴν ἀλλὰ ποθὲν ποί. Und dies ist das "Eine" des Anaxagoras; denn so ist es besser ausgedrückt als "alles zugleich" (auch die Mischung des Empedokles und Anaximander und wie es Demokrit sagt): "alles war zugleich möglich, wirklich aber nicht". So dürften sie sich mit dem Stoff befasst haben. Alles aber, was sich verändert, hat Stoff, allerdings verschiedenen; auch alles Ewige, das nicht geworden, aber der Lage nach beweglich ist: zwar einen ungewordenen aber doch einen mit einem Woher und Wohin. 
  ἀπορήσειε δ' ἄν τις ἐκ ποίου μὴ ὄντος ἡ γένεσις· τριχῶς γὰρ τὸ μὴ ὄν. εἰ δή τι ἔστι δυνάμει, ἀλλ' ὅμως οὐ τοῦ τυχόντος ἀλλ' ἕτερον ἐξ ἑτέρου· οὐδ' ἱκανὸν ὅτι ὁμοῦ πάντα χρήματα· διαφέρει γὰρ τῇ ὕλῃ, ἐπεὶ διὰ τί ἄπειρα ἐγένετο ἀλλ' οὐχ ἕν; ὁ γὰρ νοῦς εἷς, ὥστ' εἰ καὶ ἡ ὕλη μία, ἐκεῖνο ἐγένετο ἐνεργείᾳ οὗ ἡ ὕλη ἦν δυνάμει. τρία δὴ τὰ αἴτια καὶ τρεῖς αἱ ἀρχαί, δύο μὲν ἡ ἐναντίωσις, ἧς τὸ μὲν λόγος καὶ εἶδος τὸ δὲ στέρησις, τὸ δὲ τρίτον ἡ ὕλη. Man könnte fragen, aus welchem Nichtseienden Werden erfolgt, denn das Nichtseiende ist dreifach. Offenbar aus einem potentiellen Nichtseienden, wenn es das gibt. Aber gleichwohl nicht aus dem ersten besten, sondern jedes aus einem anderen. Unzureichend ist, dass "alle Dinge zugleich"; sie sind nämlich stofflich verschieden; denn warum wären sie sonst unendlich viele und nicht eins? Die Vernunft ist eins, so dass, wenn auch der Stoff eins wäre, dasjenige wirklich würde, was der Stoff an Möglichkeit einschloss. Es gibt also drei Ursachen und drei Prinzipien: zwei verkörpert der Gegensatz zwischen Begriff und Form auf der einen und der Privation auf der anderen Seite; das dritte aber ist der Stoff. 

[Im Zusammenhang]

 

 

Aristot.Met.1032a12-1032a27: Der Zusammenhang von  γένεσις, φύσις, ὕλη, εἶδος
Der Zusammenhang von γένεσις, φύσις, ὕλη, εἶδος
Gal. 18,256
Was lehrt die Erfahrung, was die Theorie?
  τοῦτο δ εὑρήσεις διὰ δυοῖν ὥσπερ ὀργάνοιν, ἐμπειρίας τε καὶ λόγου, τῆς μὲν ἐμπειρίας ἓν καὶ δεύτερον ἐμπύημα διδαξάσης ἐρρωγὸς ἑκάτερον ἰδίᾳ προθεσμίᾳ, τοῦ λόγου δὲ γινώσκοντος τήν τε τῆς ὕλης τῶν ἐμπυημάτων οὐσίαν τό τε δραστικὸν αἴτιον αὐτῆς τά τε τούτῳ συνεργοῦντα.
  Dies wirst du durch zwei gleichsam Werkzeuge herausfinden, durch Erfahrung und Theorie. Die Erfahrung lehrt dich über ein und ein zweites Geschwür, von denen jedes zu einem eigenen Termin aufbricht. Die Theorie aber erkennt das Wesen der Materie Geschwür: seine bewirkende Ursache und was mit ihr zusammen wirkt. 

 

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Sententiae excerptae:Literatur:
zu "Materie"
818
Aristoteles
Materie und Form
in: Hunger/.. (Hgg.): Philos. BSV 1968
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zvab

1477
Heisenberg, W
Das Naturgesetz und die Struktur der Materie
, in: Schritte über Grenzen, München (Piper) 1973, S. 223-242
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2437
Kerferd, G.B.
Anaxagoras and the concept of matter before Aristotle
in: Mour.coll.ess. 1974, 489ff.
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4389
Rawer, K. / Rahner, K.
Weltall - Erde - Mensch
in: Christlicher Glaube in moderner Gesellschaft, TBd.3, (Herder) Freiburg, Basel, Wien, 1981
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1451
Sambursky, S.
Das physikalische Weltbild der Antike
Zürich, Stuttgart (Artemis) 1965
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2428
Stokes, M.
On Anaxagoras I.: On Anaxagoras' theory of matter; II.: The order of cosmogony
in: Arch.f.Gesch.Philos. 47,1965, 1ff., 217ff.
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